Kampf gegen Muslimbruderschaft: Trump ändert Libyen-Strategie

Donald Trump und Khalifa Haftar

„Das Statement aus dem Weißen Haus kam am Freitag völlig überraschend und schlug wie eine Bombe ein. ‚Feldmarschall Haftar‘, hieß es da, ‚spielt eine wichtige Rolle im Kampf gegen den Terror und bei der Sicherung der Ölreserven Libyens.‘ In einem Telefongespräch zwischen Präsident Donald Trump und Khalifa Haftar hätten demnach beide ‚ihre gemeinsame Vision vom Übergang Libyens zu einem stabilen, demokratischen politischen System‘ besprochen. Damit distanziert sich Trump von der geltenden außenpolitischen Strategie in Libyen. Washington folgte bislang der Linie der Vereinten Nationen (UN), die die Regierung von Premierminister Fajis al-Sarradsch in Tripolis unterstützt. Aber nun ergreift Trump Partei für einen Mann, den viele als Warlord begreifen und dem nachgesagt wird, er wolle eine neue Diktatur in Libyen errichten. Der Feldmarschall, wie ihn das Weiße Haus nennt, marschiert mit seinen Truppen auf die libysche Hauptstadt, um die Sarradsch-Regierung zu stürzen. (…)

Der US-Präsident scheint darauf zu vertrauen, dass der 75-jährige Haftar das Zeug hat, endlich aufzuräumen und Ordnung zu schaffen. Zumal der Feldmarschall auch verspricht, ein für alle Mal mit den Islamisten aufzuräumen. Ganz besonders ins Visier genommen hat er dabei die Muslimbruderschaft. Sie besitzt in Tripolis großen politischen Einfluss. (…) Der US-Präsident erfüllt mit seiner Parteinahme für den libyschen General ganz die Erwartungen seiner Verbündeten im Nahen Osten und obendrein die Machtinteressen Russlands. Saudi-Arabien soll viele Millionen Dollar für die Offensive Haftars bereitgestellt haben. Der General war kurz vor Beginn seiner Operation vom König offiziell nach Riad eingeladen worden. Inoffiziell traf Haftar dort zudem Militär- und Geheimdienstchefs. Die Vereinigten Arabischen Emirate (VAE) und Ägypten zählen seit Jahren ebenfalls zu den Unterstützern des libyschen Generals.

Alle drei arabischen Länder haben einen gemeinsamen Feind, nämlich die Muslimbruderschaft und ihre Geldgeber. Das Geld für die Muslimbrüder in Libyen kommt aus der Türkei und Katar. Beide stehen auf der Seite der Regierung von Premierminister al-Sarradsch. In den Monaten vor Haftars Offensive sollen umfangreiche Waffenlieferungen aus der Türkei und Katar auf dem Flughafen Tripolis und im Hafen von Zuwara angekommen sein.“ (Alfred Hackensberger: „Einen größeren Freifahrtsschein hätte Trump dem Warlord nicht geben können“)

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