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Jüdische »Vermutungen« über den Tempelberg

Die jüdische Geschichte des Tempelbergs ist für die Israel-Korrespondentin des Standard nur eine Vermutung von Juden. (© imago images/BE&W)
Die jüdische Geschichte des Tempelbergs ist für die Israel-Korrespondentin des Standard nur eine Vermutung von Juden. (© imago images/BE&W)

Die Israel-Korrespondentin der Tageszeitung Der Standard behandelt Fakten der jüdischen Geschichte wie bloße Gerüchte.

Sehr geehrte Standard-Redaktion,

seit der jüngsten israelischen Parlamentswahl und vermehrt noch seit sich abgezeichnet hat, wer in der neuen israelischen Regierung zum Teil wichtige Positionen besetzen wird, hat sich in Maria Sterkls Berichterstattung eine bedenkliche Tendenz durchgesetzt, die leider schon öfter zu bemerken war: ein Unterschied zwischen journalistischer Arbeit und Aktivismus ist kaum mehr auszumachen. Aber mit den folgenden beiden Sätzen aus ihrem Artikel über den Tempelberg hat sie die Grenze zur Lächerlichkeit überschritten:

»Das Areal beherbergt das drittwichtigste Heiligtum des Islam, die Al-Aksa-Moschee. Juden vermuten auf dem Hügel die historische Stätte des Tempels, sodass es für manche fromme Juden eine wichtige Pilgerstätte ist.«

Außer denjenigen, die religiös motivierten Hass auf Juden schüren und Gewalt schüren wollen – und zu diesen zählt leider auch die palästinensische Führung –, bestreitet kaum jemand, dass der Tempelberg (woher kommt bloß der Name?) der Ort ist, an dem sich einst die jüdischen Tempel befunden haben. Das »vermuten« nicht nur Juden, sondern das wusste einst auch der Oberste Rat der Muslime in Jerusalem, der 1924 eine Broschüre namens Ein kurzer Führer zum al-Haram al-Sharif veröffentlichte. Darin war in einem historischen Überblick über den geschichtsträchtigen Hügel zu lesen: »Der Platz ist einer der ältesten der Welt. Seine Heiligkeit stammt aus frühesten, vielleicht prähistorischen Zeiten. Seine Übereinstimmung mit dem Platz des Tempels von Salomon steht außer Zweifel.«

Nicht so für Frau Sterkl, die aus Fakten der jüdischen Geschichte ein Gerücht macht, während sie gleichzeitig den muslimischen Anspruch auf den Hügel als gegeben annimmt, der auf einer fantastischen, historisch durch nichts belegten und mit dieser Verortung auch nicht im Koran zu findenden Geschichte beruht. Und problematisch erscheint ihr offenbar nur, dass ein (rechtsextremer) israelischer Minister den Tempelberg besuchen will, nicht aber, dass zahlreiche Hetzer auf der palästinensischen/islamischen Seite dies zum Anlass nehmen, um einen »Sturm« auf die Al-Aksa-Moschee herbeizulügen und mit blutiger Gewalt zu drohen.

Wenn schon Frau Sterkl anscheinend nicht anders kann, wäre es dann nicht die Aufgabe der Redaktion, die Nüchternheit, Seriosität und Ausgewogenheit sicherzustellen, die gute journalistische Arbeit ausmachen?

Mit freundlichen Grüßen,
Florian Markl

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