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»Jüdische Stimme für Frieden« offenbart bösartige Ahnungslosigkeit

Richtet sich nach jüdischem Kalender: Israels Gedenktag für Gefallenen und Terroropfer
Richtet sich nach jüdischem Kalender: Israels Gedenktag für Gefallenen und Terroropfer (© Imago Images / ZUMA Wire)

Die antizionistische Organisation »Jüdische Stimme für Frieden« behauptet, Israel wolle mit seinen Feiertagen die Erinnerung an den palästinensischen »Nakba-Tag« auslöschen.

Jewish News Syndicate

Die Organisation »Jüdische Stimme für den Frieden« (Jewish Voice for Peace, JVP) wird in den sozialen Medien heftig kritisiert und verspottet, nachdem die israelfeindliche, linksradikale Gruppe behauptet hatte, Israel habe die Feiertage Jom haSchoa (Shoa-Gedenktag), Jom haZikaron (Gedenktag für die gefallenen Soldaten und Terroropfer) und Jom haAtzmaut (israelischer Unabhängigkeitstag) so gelegt, dass sie den palästinensischen »Nakba-Tag« übertönen.

»Gestern beendete die israelische Regierung ihren jährlichen Zyklus staatlicher Feiertage, die der Reihe nach an den Holocaust, den israelischen Militarismus und die Gründung des Staates Israel erinnern«, schrieb die JVP am Dienstag. »Die Abfolge dieser Feiertage wurde absichtlich so gestaltet, dass sie den 15. Mai, den Tag, an dem die Palästinenser der anhaltenden Nakba gedenken, abschließt und verdeckt.« Die in dem Tweet genannte »Nakba« bezieht sich auf die »Katastrophe«, die Gruppen wie die JVP in der Gründung des jüdischen Staates sehen.

»Ein Großteil der diesjährigen Gedenkfeiern war besonders verwerflich, da sie die mittlerweile völkermörderische Gewalt feiern, die zur Aufrechterhaltung des Apartheidregimes der israelischen Regierung erforderlich ist«, schrieb die Organisation weiter, die Israel außerdem »gewaltsame ethnische Säuberung«, »Kolonialismus«, »weiße Vorherrschaft« und »absichtliche Manipulation der Geschichte« vorwarf.

Kritiker merkten hingegen umgehend an, dass es die JVP ist, welche die für die infrage stehenden Ereignisse relevante Geschichte manipuliert – oder missversteht. So war es der damalige Führer der Palästinensischen Autonomiebehörde, Jassir Arafat, der den »Nakba-Tag« am 15. Mai 1998, dem 50. Jahrestag des arabischen Angriffs auf das neu gegründete Israel, ins Leben rief, während es die israelischen Gedenkfeiern schon seit Jahren gegeben hatte.

Geschichtsklitterung und manichäisches Weltbild

Der Forschungsleiter und leitender Analyst bei der Foundation for Defense of Democracies, David May, hielt fest, dass die jüdischen Feiertage vor der Einführung des Nakba-Tags durch Arafat begangen worden waren und die von ihr vorgebrachte gegenteilige Behauptung »dem Geschichts- und Realitätsverständnis der JVP entspricht«. 

Die Abfolge beginne »mit Pessach, dem Fest zum jüdischen Exodus aus Ägypten nach … Sie werden es nicht wissen, wenn Sie einen JVP-Seder besucht haben, aber es ist … Israel«, schrieb May unter Bezug auf die Seder-Feier zu Pessach-Beginn. »Der 1959 eingeführte Holocaust-Gedenktag ist mit dem Aufstand im Warschauer Ghetto verbunden, dem Widerstand gegen die Liquidierung einer der größten Völkermordstätten der Nazis und ein für die israelische Psyche wichtiges Zeichen der Tapferkeit. Jom haZikaron und Jom haAtzmaut, Israels Gedenk- und Unabhängigkeitstag, sind mit der Gründung des Staates Israel verbunden, die wiederum mit dem Ende des britischen Mandats am 14. Mai 1948 zusammenhängt.«

Arafat, so rückte May die JVP-Geschichtsklitterung gerade, führte den Nakba-Tag »speziell als Ausdruck der Ablehnung jüdischer Unabhängigkeit im angestammten Land der Juden ein. Sein Zeitpunkt markiert die fortgesetzte Ablehnung des jüdischen Rechts auf Unabhängigkeit und Selbstbestimmung, das die Palästinenser für sich selbst wünschen. Die Palästinenser haben ihren Feiertag um den israelischen herum gelegt, nicht umgekehrt.«

»Ein Grundwissen über die Geschichte des israelisch-palästinensischen Konflikts oder den Denkprozess der Israelis hätte einen Tweet verhindert, der davon ausgeht, dass alles, was Israel unternehme, ein gefühlloser Versuch sei, die Palästinenser auszulöschen und nicht vielmehr eine interne Entscheidung, die auf dem kollektiven Gedächtnis beruht«, fügte May hinzu. »Aber die JVP und ihresgleichen sehen Israel als ein unauslöschliches Übel in einer manichäischen Welt, die aus Opfern und Unterdrückern besteht. Alles, was sie tun, beruht auf dieser grundlegenden Auffassung.«

Hohn und Spott

Andere JVP-Kritiker wiesen darauf hin, dass die jüdischen Feiertage nach dem hebräischen und nicht nach dem gregorianischen Kalender festgelegt sind, nach dem der Nakba-Tag auf den 15. Mai fällt. »Wollen Sie uns sagen, dass Sie eigentlich gar nicht jüdisch sind, ohne uns zu sagen, dass Sie eigentlich gar nicht jüdisch sind«, fragte der Autor, Regisseur und Steinhardt Senior Fellow des Z3 Institute for Jewish Priorities, David Hazony angesichts des offensichtlichen Unwissens der »Jüdischen Stimme« über diese Zusammenhänge.

»Der Nakba-Tag wurde 1998 erfunden, um den Jom haAtzmaut zu verdecken. (Warum findet er am 15. Mai statt und nicht gemäß des muslimischen Kalenders wie etwa der Ramadan?) Ich erinnere mich noch, als sie [die palästinensische Führung] damit anfingen. Davor hatten sie den ›Tag des Bodens‹, der Ende März stattfindet. Yom haAtzmaut ist der 5. Iyar im hebräischen Kalender. Aber die JVP hat anscheinend noch nie etwas vom hebräischen Kalender gehört.« Außerdem, so spottete Hazony ebenfalls auf X, »wurde Chanukka erfunden, um Weihnachten zu verdecken, und Pessach wurde erfunden, um Ostern zu verdecken«.

»Sagen Sie mir, dass Sie nichts über die Funktionsweise des jüdischen Mondkalenders wissen, ohne mir zu sagen, dass Sie nichts über den jüdischen Mondkalender (oder überhaupt irgendetwas, das mit dem Judentum zu tun hat) wissen«, schrieb in ähnlicher Weise der Leiter des Schulbezirks Kiryas Joel in New York, Joel Petlin. »Bitte nehmen Sie das J aus JVP und lassen Sie die Maskerade«, fügte er hinzu. »Dass die ›Jüdische‹ Stimme für den Frieden nicht weiß, wie der hebräische Kalender funktioniert, sollte nach all der Zeit niemanden mehr überraschen«, schrieb Josh Kaplan, Leiter der digitalen Abteilung beim Londoner Jewish Chronicle.

Der Dozent an der Reichman-Universität und ehemalige Forschungsstipendiat der Anti-Defamation League (ADL), Nadav Pollak, schrieb, dass »diese schändliche Organisation nichts Jüdisches an sich hat. Sie verhöhnen unsere Opfer, verharmlosen unser Leiden und erfinden Verschwörungstheorien, um ihre Ziele zu erreichen. Wenn Sie zu dieser Organisation gehören, bezeichnen Sie sich niemals als Jude.«

Die Organisation ist laut ADL »eine radikale Anti-Israel-Aktivistengruppe, die für einen vollständigen wirtschaftlichen, kulturellen und akademischen Boykott des Staates Israel eintritt. JVP lehnt die Ansicht ab, dass der israelisch-palästinensische Konflikt ein tragischer Streit um Land ist, der durch einen Kreislauf von Gewalt, Angst und Misstrauen auf beiden Seiten aufrechterhalten wird, und glaubt stattdessen, dass die Politik und die Handlungen Israels durch tief verwurzelten jüdischen Rassenchauvinismus und religiösen Suprematismus motiviert sind«, so die gemeinnützige Organisation weiter.

Der Text erschien auf Englisch zuerst beim Jewish News Syndicate. (Übersetzung von Alexander Gruber.)

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