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New York: Angriff auf Wohnung der jüdischen Direktorin des Brooklyn Museum

Antisemitische Demonstration vor dem Brooklyn Museum in New York
Antisemitische Demonstration vor dem Brooklyn Museum in New York (© Imago Images / ZUMA Press Wire)

In einem koordinierten Angriff wurden am frühen Mittwochmorgen die New Yorker Häuser der jüdischen Direktorin des Brooklyn Museums und dreier anderer Museumsleiter verwüstet.

Die Täter, die offenbar aus dem BDS-Milieu stammen, griffen das Haus von Anne Pasternak, der Direktorin des Museums, in Brooklyn Heights an. Sie beschmierten den Eingang ihres Wohnhauses mit roter Farbe und Graffiti und hängten ein Transparent auf, auf dem sie beschuldigt wurde, eine »weiß-suprematistische Zionistin« zu sein.

Dies berichtete unter anderem die New York Times unter Berufung auf die Direktorin für Öffentlichkeitsarbeit und Kommunikation des Museums, Taylor Maatman. Auch die Wohnungen zweier Kuratoren und der Präsidentin und Geschäftsführerin des Museums, Kimberly Panicek Trueblood, deren Ehemann Jude ist, wurden angegriffen. Der Angriff auf das Haus von Anne Pasternak wurde von Sicherheitskameras aufgezeichnet. Die New York Times schreibt:

»Es war etwa halbdrei Uhr am Mittwoch, als fünf schwarz gekleidete und maskierte Vandalen den Innenhof ihres sechsstöckigen Backsteinwohnhauses betraten. In einem Neunzig-Sekunden-Angriff beschmierten und bespritzten sie die Eingangstür, die Wände, die Eingangssäulen und den Innenhof mit rosaroter Farbe und schmierten Parolen auf den Gehweg. Lynne Spitzer, eine Anwohnerin, fand den Vandalismus gegen halbsieben am Morgen vor. ›Ich war am Boden zerstört‹, sagte die 74-jährige Spitzer. ›Es ist ungeheuerlich, was passiert ist.‹ Den ganzen Vormittag über blieben Passanten stehen, schauten und schüttelten den Kopf. Ein Mann weinte.«

Im Brooklyner Stadtteil Carroll Gardens, in dem Kimberly Panicek Trueblood lebt, waren die Nachbarn ebenso bestürzt. Gegen dreizehn Uhr, so der Bericht, sei das Gebäude immer noch mit der roten Sprühfarben beschmiert gewesen, mit welcher der Name von Trueblood und die Worte »Blut an deinen Händen« gesprüht worden waren. Kate Davis, eine Nachbarin, war »bis ins Mark erschüttert« und sprach von »einem eklatanten Terrorakt«.

Das Brooklyn Museum ist das zweitgrößte Museum in New York City und eines der größten und ältesten Museen Nordamerikas. Der Bestand umfasst eine Sammlung altägyptischer Meisterwerke und Arbeiten vieler Kulturen aus der ganzen Welt, dazu moderne Kunst aus dem 19. und 20. Jahrhundert. Das Museum ist die größte Kultureinrichtung in Brooklyn und bietet mehr als 650.000 Besuchern pro Jahr freien Eintritt.

Serie von antisemitischen Demonstrationen

Ein Zusammenhang zwischen den Taten und antiisraelischen Kundgebungen, die in den vergangenen acht Monaten vor dem Brooklyn Museum stattfanden, liegt auf der Hand. Bereits im November und Dezember hielten mehrere hundert Israelhasser den Eingangsbereich des Museums besetzt. 

Weil die Museumsleitung die Polizei anforderte, um den Museumsbetrieb wiederaufnehmen zu können – wozu gehört, dass Besucher und Mitarbeiter das Museum betreten und verlassen können und die Fluchtwege frei zugänglich sind –, beschwerten sich die aus dem Eingangsberiech entfernten Besetzer in larmoyantem Ton über das angebliche Unrecht, das ihnen widerfahren sei. In einer über die sozialen Medien verbreiteten Erklärung hieß es: »Die Reaktion war eine beispiellose Machtdemonstration, die es in der langen Geschichte der Museumsproteste in New York City noch nie gegeben hat.«

Als Zweck der Aktion bezeichneten die Täter, das Museum zwingen zu wollen, den Krieg zwischen Israel und der Hamas als »israelischen Genozid« zu bezeichnen. Dreist wurden gleich noch weitere Forderungen gestellt: Das Museum müsse angeblich existierende Finanzinvestitionen in Israel öffentlich machen und beenden (disclose and divest), sich für die Räumung entschuldigen und sogenannte »Protestkunst« wiederaufstellen.

Anfang Juni kam es erneut zu einem Angriff auf das Museum. In einem Video auf X ist zu sehen, wie Hunderte zum Teil vermummte Personen auf die Türen zustürmen und versuchen, in das Gebäude einzudringen, während die Museumswächter dabei sind, die Türen zu schließen. »Leider wurden bestehende und neu installierte Kunstwerke auf unserem Platz beschädigt und unsere Mitarbeiter der öffentlichen Sicherheit physisch und verbal belästigt«, sagteMuseumssprecherin Maatman.

Verbindung zur Muslimbruderschaft

Hinter den gewaltsamen Aktionen gegen das Museum stecken die Anti-Israel-Gruppe Within our Lifetime und deren Gründer- und Anführerinnen Nerdeen Kiswani und Fatima Mousa Mohammed, über die Mena-Watch in der Vergangenheit bereits berichtet hat. 

Beide sind Absolventinnen der CUNY School of Law, der 1983 gegründeten juristischen Fakultät der Stadt New York, und waren in der mit der Muslimbruderschaft verbundenen Organisation Students für Justice in Palestine (SJP) aktiv, ehe sie Within our Lifetime gründeten. Die Abschlussfeier der Universität missbrauchten sie, um als Festrednerinnen zum Kampf gegen Zionisten aufzurufen. »Möge jeder Zionist im heißesten Winkel der Hölle brennen«, wünscht sich Mohammed.

»Within Our Lifetime-United for Palestine (WOL) ist eine 2015 gegründete, radikal israelfeindliche Organisation mit Sitz in New York, die routinemäßig Gewalt gegen Israel unterstützt und die Abschaffung des Zionismus fordert, heißtes auf der Website der Bürgerrechts-NGO Anti-Defamation League (ADL). Seit den Massakern des 7. Oktober 2023 hätten WOL und ihre Mitbegründerin und Leiterin Nerdeen Kiswani »extreme antizionistische und antisemitische Positionen« in den sozialen Medien und bei Anti-Israel-Protesten sowie in Webinaren und Berichten verbreitet. So forderten sie etwa die Verbannung von »Zionisten« aus der »New Yorker Gesellschaft«. 

Bis April 2024 hat WOL laut ADL mindestens 78 Anti-Israel-Kundgebungen veranstaltet oder unterstützt, bei denen oft Gewalt gegen israelische Zivilisten durch die Terrororganisationen Hamas, PFLP, Hisbollah, die Huthi und mit ihnen verbundene Personen wie Leila Khaled verherrlicht worden seien. Zudem habe WOL auch den iranischen Drohnen- und Raketenangriff auf Israel vom 13. April begeistert gefeiert. 

Unterstützung für die Hamas

Im Oktober 2023 zeigte WOL öffentlich Unterstützung für die Hamas mit einer Demonstration unter dem Namen »Flood Brooklyn for Palestine«, angelehnt an die »Al-Aqsa-Flut«, das Codewort der Hamas für die Gräueltaten des 7. Oktober 2023. Die Demonstranten forderten die »Befreiung jedes Zentimeters von Palästina« und riefen »Say it loud, say it clear, we don’t want no Zionists here!«.

Zu den militanten Aktionen von Within our Lifetime gehörten in den vergangenen Monaten die Besetzung von Straßen, Brücken und Flughäfen. Ziele des Hasses waren auch New Yorks Weihnachtsbaumbeleuchtung und das Gebäude des australischen Medienkonzerns News Corp. Letzteres geschah Tage nachdem die Gruppe über das Internet einen Stadtplan mit »Feinden« verbreitet hatte, die es anzugreifen gelte, um die »Intifada« zu »globalisieren«.

Der Gipfel der Niedertracht war vor wenigen Tagen eine Massenmobilisierung gegen die Ausstellung »October 7th 06:29 AM – The Moment Music Stood Still«, die dem Gedenken an die Opfer des Massakers während des Nova-Musikfestivals am 7. Oktober 2023 gewidmet ist. Vor der Ausstellung störte der Mob mit Parolen und Rauchfackeln das Gedenken. »Das Nova-Musikfestival war ein Rave neben einem Konzentrationslager«, schrieb Kiswani in einem Post auf X, der mittlerweile offenbar entfernt wurde. »Die Ausstellung in der Wall Street 35 in New York ist Propaganda, um den Völkermord in Palästina zu rechtfertigen.«

New Yorks Polizei in der Kritik

In einem Telefoninterview sagte Anne Pasternak der New York Times, sie sei »angewidert und erschüttert« über den Vandalismus an ihrem Haus. »Seit zwei Jahrhunderten arbeitet das Brooklyn Museum daran, das gegenseitige Verständnis durch Kunst und Kultur zu fördern, und wir haben immer friedliche Proteste und einen offenen, respektvollen Dialog unterstützt«, sagte sie in einer späteren Erklärung. »Gewalt, Vandalismus und Einschüchterung haben in diesem Diskurs keinen Platz.« 

Senator Chuck Schumer, ein Demokrat aus Brooklyn, sagte am Mittwoch im Senat, der Vandalismus mache ihn »krank«: »Es ist abscheulich. Es ist ekelhaft. Es ist unamerikanisch, und leider ist diese Art von Bösartigkeit etwas, das jeder Jude auf der Erde sofort erkennen kann.«

New Yorks Bürgermeister Eric Adams teilte auf X Fotos der mit roter Farbe beschmierten Eingangsbereiche und schrieb: »Dies ist kein friedlicher Protest und keine freie Meinungsäußerung. Dies ist ein Verbrechen, und es ist offener, inakzeptabler Antisemitismus. Diese Handlungen werden in New York City niemals toleriert, aus welchem Grund auch immer. Es tut mir leid für Anne Pasternak und die Mitglieder von @brooklynmuseum, die mit solchem Hass aufgewacht sind. Ich habe heute Morgen mit Anne gesprochen und ihr zugesagt, dass dieser Hass in unserer Stadt nicht geduldet wird. Die NYPD ermittelt und wird die verantwortlichen Kriminellen vor Gericht bringen.«

Einige Kommentatoren warfen dem Bürgermeister vor, nicht genügend gegen den Antisemitismus auf New Yorks Straßen zu unternehmen. Ein Nutzer schrieb: »Das NYPD stand beim Nova Tribute in NYC und tat NICHTS, während Nerdeen Kiswani und ihre terroristischen Freunde die Straßen eroberten. Bitte erklären Sie, warum dies unter Ihrer Aufsicht weiter geschieht. Warum stoppen Sie es nicht? Weniger reden, mehr handeln.«

Ein anderer Nutzer fragte den Bürgermeister: »Wie können Sie selbstbewusst sagen, dass diese Handlungen in New York City niemals toleriert werden, während die NYPD diese Hasskundgebungen auf den Straßen mit Hamas- und Hisbollah-Fahnen buchstäblich bloß beobachtet, während sie Juden bedroht? Wir wollen Taten sehen. Juden sind in NYC nicht sicher.«

Tatsächlich ist der nächtliche Angriff auf die Wohnhäuser der Museumsleiter, darunter eine Jüdin und die Ehefrau eines Juden, mehr als Sachbeschädigung und Vandalismus. Er sendet die Botschaft, dass die Täter wissen, wo ihre Opfer wohnen und jederzeit unerkannt zuschlagen können.

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