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Umsturzpläne: Jordanien verhindert iranischen Waffenschmuggel

Der jordanische König Abdullah II.
Der jordanische König Abdullah II. (© Imago Images / APAimages)

Die Waffen waren für den örtlichen Zweig der Muslimbruderschaft bestimmt, um Sabotageakte auszuführen und das jordanische Königreich zu destabilisieren. 

Joshua Marks 

Amman hat ein mutmaßlich unter iranischer Führung stehendes Komplott vereitelt, das darauf abzielte, Waffen nach Jordanien zu schmuggeln, um Sabotageakte zu verüben und die herrschende Haschemiten-Dynastie zu untergraben, berichtete die Nachrichtenagentur Reuters am Mittwoch unter Berufung auf zwei mit der Angelegenheit vertraute Quellen.

Die Waffen wurden von iranisch unterstützten Milizen in Syrien an eine Zelle der Muslimbruderschaft in Jordanien geliefert, die Verbindungen zur Hamas im Gazastreifen hat, dem palästinensischen Ableger der Muslimbruderschaft, der sich nach seinem Terrorüberfall auf Israel am 7. Oktober derzeit im Krieg mit dem jüdischen Staat befindet. Die Mitglieder der ausgehobenen Terrorzelle, Jordanier palästinensischer Abstammung, seien Ende März verhaftet und das Versteck beschlagnahmt worden, so die Quellen.

Teheran hat in den letzten Jahren versucht, das Westjordanland über Jordanien mit Waffen zu überschwemmen, die bei Terroranschlägen gegen Israelis eingesetzt werden sollten, aber der aktuelle Fall ist der erste bestätigte, bei dem das Königreich selbst das Ziel war. Das Komplott unterstreicht die wachsende Besorgnis Ammans über Versuche, die regierende Dynastie von König Abdullah II. zu destabilisieren, während auf der Straße die Wut über die jordanischen Beziehungen zu Israel wächst.

Schätzungsweise siebzig Prozent der zwölf Millionen Einwohner Jordaniens sind Palästinenser. Seit dem Massaker vom 7. Oktober und während des darauffolgenden Kriegs gegen die Hamas im Gazastreifen ist es vor der israelischen Botschaft in Amman zu einer Welle von Protesten und Ausschreitungen gekommen. 

Keine unmittelbare Gefahr

Beobachter aus der Region erklärten jedoch gegenüber Mena-Watch, es bestehe trotz der Berichte über die Terrorzelle keine unmittelbare Gefahr, dass das Al-Maquar-Gelände, der Königssitz in der jordanischen Hauptstadt, in islamistische Hände falle, da sich die Herrscherfamilie der Bedrohung bewusst sei und Maßnahmen ergreife. Aber es ist doch eine Warnung an Amman.

»Die Enthüllung eines Komplotts unter iranischer Führung, im Rahmen dessen Waffen an islamistische Gruppen in Jordanien geschmuggelt werden sollten, ist sehr besorgniserregend, aber nicht völlig überraschend«, erklärte der leitende Forscher am Institut für nationale Sicherheitsstudien (INSS) der Universität Tel Aviv, Ofir Winter. »König Abdullah II. ist sich der konfessionellen Spannungen im Nahen Osten seit Langem bewusst und hat schon früher vor dem aggressiven Vorgehen des Irans gewarnt«, so Winter, der auf Äußerungen Abdullahs aus dem Jahr 2004 verwies, wonach Teheran versuche, einen hegemonialen »schiitischen Halbmond« zu errichten, und seinen Einfluss über terroristische Stellvertreter im Irak, in Syrien, im Libanon und im Jemen ausübe.

Trotz seines geringen schiitischen Bevölkerungsanteils von nur zwei Prozent ist das Königreich anfällig für den iranischen Einfluss, da Teheran und seine regionalen Stellvertreter »sunnitische islamistische Gruppen wie die Muslimbruderschaft und die Hamas nutzen, um an Einfluss zu gewinnen. Islamistische Gruppen versuchen, aus dem anhaltenden Konflikt in Gaza Kapital zu schlagen, indem sie ihn als islamischen Religionskrieg gegen Israel darstellen, um ihren Status in der arabischen Welt, angefangen bei Jordanien, wiederherzustellen.«

Die Hamas und die Muslimbruderschaft spielen in Jordanien eine überragende Rolle und haben sich eine treue Anhängerschaft aufgebaut, obwohl die Regierung 1999 die Hamas-Büros im Land schloss und 2016 mit der Schließung ihrer Büros in Amman die Muslimbruderschaft insgesamt verbot, so Winter.  Das Eigentum der Muslimbruderschaft übertrug Amman 2016 an eine Abspaltung der Muslimbrüder, die Muslim Brotherhood Association. Im Jahr 2020 löste das Oberste Gericht den Landesverband der Muslimbruderschaft zur Gänze auf.

Umfragen zeigen jedoch, dass die Muslimbruderschaft weiterhin breite Unterstützung genießt: Mehr als zwei Drittel der Befragten haben eine positive Einstellung zur islamistischen Bewegung. Gleichzeitig sieht jedoch auch fast die Hälfte der Befragten den Iran als Konkurrenten und Feind. »Diese Diskrepanz unterstreicht die Komplexität der inneren Dynamik Jordaniens und das Potenzial für Instabilität. Die pro-amerikanische Ausrichtung des Königreichs wird von pro-iranischen und islamistischen Elementen angesichts der strategischen geografischen Lage Jordaniens und seiner langen Grenze zu Israel als ein Haupthindernis für ihre Widerstandsbemühungen gegen Israel angesehen«, so der Experte.

Jordaniens Sicherheitskräfte

Der Forscher am Moshe Dayan Center für Nahost- und Afrikastudien an der Universität Tel Aviv, Joshua Krasna, sagte, auch die Hisbollah, die iranische Stellvertretermiliz im Libanon, versuche das haschemitische Königreich zu destabilisieren. »Der Iran und die Hisbollah haben jahrzehntelang versucht, Jordanien als aktive Front für Angriffe auf israelische Ziele im Königreich zu nutzen, aber noch mehr als Kanal für Waffen und Personal ins Westjordanland«, fasst der ehemalige israelische Diplomat Krasna zusammen. 

Die jordanischen Sicherheitskräfte unternähmen große Anstrengungen, um diese Aktivitäten aufzudecken und zu verhindern: »Sie betrachten sowohl den Iran als auch die Hisbollah als gefährliche Feinde ihrer inneren Sicherheit«, konstatiert Krasna, der sich nicht überrascht zeigte, dass iranische Elemente versuchen, den aktuellen Krieg auszunutzen, um die Hamas im Westjordanland zu unterstützen und eine »dritte Front« in Jordanien zu eröffnen, wo ein Teil der verbotenen Muslimbruderschaft eng mit der Hamas verbunden ist.

Er glaube allerdings nicht, »dass diese Enthüllung einen besonderen Einfluss auf die Monarchie und die innere Stabilität im Allgemeinen hat, die in den vergangenen zehn Jahren zwar durch negative soziale und wirtschaftliche Entwicklungen infrage gestellt wurde, aber nicht in unmittelbarer Gefahr zu sein scheint«. Krasna betonte, wie wichtig es sei, dass Amman den Destabilisierungsbemühungen entgegenwirke. 

Die Jordanier haben in den vergangenen Jahren eng mit dem israelischen Sicherheitsapparat zusammengearbeitet, aber die Beziehungen zwischen Amman und Jerusalem wurden durch den aktuellen Krieg im Gazastreifen auf eine harte Probe gestellt, wie auch Winter feststellte, der abschließend meinte: »Jordanien muss weiterhin seine Sicherheitsmaßnahmen verstärken und sich um regionale und internationale Unterstützung bemühen, um diesen destabilisierenden Aktivitäten entgegenzuwirken.«

Der Text erschien auf Englisch zuerst beim Jewish News Syndicate. (Übersetzung von Alexander Gruber.)

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