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Jesiden zeigen Solidarität mit Protesten im Irak

Jesidische Demonstranten in Bagdad

Von Thomas von der Osten-Sacken

Die Proteste der letzten Wochen machen Hoffnung, dass sich eine neue irakische Identität entwickeln könnte, abseits der konfessionellen und ethnischen Spaltungen.

Ob im Libanon oder dem Irak, beides Länder, die nicht nur unter iranischer Kontrolle leiden, sondern in denen bislang konfessionelle und ethnische Zugehörigkeit eine zentrale Rolle spielten, wenden die meist jungen Demonstranten, die seit Wochen gegen ihre Regierungen auf die Straße gehen, sich auch gegen diese Zuschreibungen. Gerade im Irak kam es in den letzten Jahren äußerst selten vor, dass Mitglieder aller Bevölkerungsgruppen gemeinsam protestierten und es keine Rolle spielen sollte, ob jemand Schiit, Sunnit, Kurde oder Christ ist.

Einstimmig stellen Beobachter fest, dass sich in den vergangenen Wochen in den Tränengasschwaden des Tahrir-Platzes so etwas wie eine neue irakische Identität entwickelt, die sich ganz dezidiert gegen die konfessionelle Aufspaltung des Landes richtet.

Das stellte auch eine Gruppe von Jesidinnen und Jesiden fest, die meisten von ihnen leben bis heute in Lagern in der kurdischen Provinz Dohuk, als sie sie sich spontan entschieden, ihrer Solidarität mit den Demonstranten Ausdruck zu verleihen. Dies ist ihre kurze Geschichte, wie sie sie einer Kollegin von Wadi erzählt haben, und die macht Hoffnung, dass diese neue Generation im Irak erreichen mag, wofür sie unter Einsatz ihres Leben dieser Tage demonstriert: Eine bessere und gemeinsame Zukunft.

Als wir die Bilder der Demonstrationen aus Bagdad und anderen Städten gesehen haben und wie brutal diese jungen Leute, die gegen Korruption und für eine bessere Zukunft auf die Straße gehen, von Sicherheitskräften behandelt wurden, entschieden wir uns als eine Gruppe von Jesiden unsere Solidarität zu zeigen.

Wir sammelten Nahrung und Medikamente in Flüchtlingslagern und jesidischen Dörfern, um die Demonstranten ganz praktisch zu unterstützen. Unsere Aktion stieß auf große Zustimmung und bald hatten wir genug, um einen Pick-Up zu füllen und nach Bagdad zu fahren.

Das dauerte elf Stunden wegen der vielen Checkpoints unterwegs und weil viele Straßen gesperrt waren. Wir blieben zwei Tage in der irakischen Hauptstadt und schlossen uns den Demonstrationen auf dem Tahir-Platz an, wo wir auch die von uns gesammelten Hilfsgüter verteilten.

Alleine in dieser Zeit wurden zehn Demonstranten getötet oder schwer verletzt. Diese Aktion stellte für uns eine große Herausforderung dar, aber wir haben sie durchgeführt, um unsere Solidarität zu zeigen und auch für unsere Rechte als Jesiden zu demonstrieren.

Mit Plakaten, die die Freilassung der Frauen, die noch vom Islamischen Staat in Sklaverei gehalten werden, schlossen wir uns den Protesten an. Es war beeindruckend zu sehen, wie wir von den anderen Demonstranten begrüßt und unterstützt wurden. Viele sagten, sie seien so froh, uns zu treffen, und wir Jesiden, die Assyrer und andere Christen seien die Wurzeln des Irak, und wir sollten unsere Forderungen laut stellen, denn wir alle seien Bürger des Irak und dieses Land und Bagdad gehöre uns genauso wie allen anderen.

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