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„Jerusalem befreien? Ohne Euch“

Faisal al-Qassem (re.) mit dem iranischen Kulturattaché Amir Mousawi (li.)
Faisal al-Qassem (re.) mit dem iranischen Kulturattaché Amir Mousawi (li.) (Quelle: Screenshot Youtube)

Der beliebte Al-Jazeera-Talkmaster Faisal al-Qassem verspottet den Iran und die Hisbollah und lobt die israelische Armee für ihre Rücksicht auf Zivilisten.

Von Elisabeth Lahusen

Faisal al-Qassem stammt aus einer drusischen Familie und besitzt sowohl die britische als auch die syrische Staatsangehörigkeit. Mit seiner Sendung auf Al Jazeera ist er in der arabischen Welt schnell populär geworden, weil er kein Blatt vor den Mund nimmt. Zuvor hat er acht Jahre als Produzent von politischen und kulturellen Sendungen bei BBC Arabic Radio and TV gearbeitet.

Verspottung des Iran

In einem Interview, das Anfang Januar ausgestrahlt wurde, sprach er mit Amir Mousawi, der als Kulturattaché des Iran in Brüssel, im Sudan und in Algerien gearbeitet hat und als Verteidiger der libanesischen Terrorgruppe Hisbollah gilt. Mousawi hatte direkt nach der Tötung Soleimanis noch verbreitet, der Iran habe eine Schwarze Liste für US-Politiker und -Offiziere und getönt: „Die iranische Hand wird sie erreichen.“

Faisal al-Qassem nahm daraufhin gleich am nächsten Tag in seiner Show den iranischen Diplomaten auseinander. Er verspottete das Rachegelübde des Iran gegen die USA und Israel wegen der Tötung General Soleimanis durch Washington und verwies auf das Versprechen des Hisbollah-Führers Hassan Nasrallah aus dem Jahr 2008, den Tod des führenden Hisbollah-Kommandanten Imad Mughniyeh zu rächen: „Was hat Nasrallah getan? Er hat Israel mit zwei Eimern Wasser übergossen“, sagte al-Qassem.

Mousawi begann darauf zu erklären, dass die Antwort des Iran kommen würde, während er bemerkte, dass „die Fähigkeiten der Achse des Widerstands nicht denen des großen Teufels und seiner Kollaborateure entsprechen“, ein Hinweis auf die USA und ihre Verbündeten.

An dieser Stelle bricht es aus dem Moderator förmlich heraus: „Sie wollen Jerusalem befreien, oder? Und was werden Sie mit Jerusalem machen?“, fragte Faisal al-Qassem. „Etwa an Bagdad anschließen, das als schmutzigste Hauptstadt der Welt gilt – das sind nicht meine Worte. An Beirut, das zur größten Müllkippe des Nahen Ostens geworden ist? Es an Damaskus anschließen, dessen Bewohner hungern? Oder an die Houthi [Rebellen] in Sanaa?“ Die von Qassem erwähnten Orte sind alles Hauptstädte, auf die der Iran seinen Einfluss ausgeweitet hat.

Twitter-Umfrage

„Wenn Du Jerusalem für mich befreien willst, dann will ich nicht, dass Du es befreist.“ In Bezug auf eine Twitter-Umfrage, die er unter seinen Followern durchgeführt hat, fügte Qassem hinzu: „Gestern habe ich eine Umfrage durchgeführt. Niemand möchte, dass Ihr Jerusalem für ihn befreit. “ In der Umfrage fragte Qassem: „Der Iran und seine Milizen verwenden immer den Slogan: Befreiung Palästinas. Ich frage: Wollen die Araber die israelische Besetzung durch die iranische Besetzung ersetzen? “ Von 3.455 Leuten stimmten 70,1 Prozent mit Nein, 29,9 Prozent mit Ja. Auf Twitter hat der beliebte Moderator 5,5 Millionen Follower.

Qassem fasst viele heiße Eisen an. Er hat in der Vergangenheit Israels Behandlung seiner Gefangenen und die „großen Anstrengungen seiner Armee gelobt, um den Beschuss von Gebieten mit Zivilbevölkerung im Libanon und in Palästina zu vermeiden.“ Er hat auch die arabische Fixierung auf Palästina kritisiert, während Syrer die Grausamkeiten des Krieges erlitten haben.

Israelischer Militärsprecher zu Gast

Schon vor zwei Jahren wurde er angegriffen, weil er den arabischen Mediensprecher der Israelischen Verteidigungskräfte (IDF), Avichay Adraee, in seinem Programm „The Opposite Direction“ („Die entgegengesetzte Richtung“) zu Gast hatte. Der Sender wurde damals auf Twitter und Facebook auf das Wüsteste beschimpft. Mit dem Interview des israelischen Armeesprechers sei Al Jazeera „gegen den arabischen Konsens vorgegangen, der eine Normalisierung mit der zionistischen Einheit ablehnt“, sagte der Palästinensische Medienverband im Gazastreifen – eine Gruppe, die palästinensische Journalisten vertritt. Das von der Fatah dominierte Palästinensische Journalisten-Syndikat im Westjordanland warf Al Jazeera und dessen Moderator Faisal al Qassem vor, „den frechen Normalisierungsprozess mit der Besatzung fortzusetzen“.

Und noch bevor die Show ausgestrahlt wurde, riefen arabische Demonstranten dazu auf, das Programm abzusagen, und verurteilten den Sender und Katar mit scharfer Rhetorik. Sie waren besonders wütend über ein Posting, den der israelische Mediensprecher mit Hinweis auf seinen Auftritt in dem arabischen Sender auf Twitter schrieb: „Ich sage es überall, wo Übel und Korruption herrschen, hat der Iran seine Hände im Spiel.“

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