Katar soll den mutmaßlichen sexuellen Nötiger Khan angeboten haben, sich um ihn zu kümmern, wenn er Israelis anklagt.
Das israelische Außenministerium erklärte am Dienstag als Reaktion auf Berichte, wonach Katar ihm eine Gegenleistung für die Ausstellung von Haftbefehlen gegen hochrangige israelische Persönlichkeiten angeboten habe, Karim Khan, der in Ungnade gefallene Chefankläger des Internationalen Strafgerichtshofs (IStGH), sei »korrupt«. »Katar hat eine Geheimdienstoperation gestartet und versprochen, sich um Karim Khan zu ›kümmern‹, damit er Israel ins Visier nimmt«, twitterte das Außenministerium. »Der ICC-Ankläger wurde gekauft«, so das Außenamt. »Ein korrupter Ankläger. Ein korrumpiertes Gericht.«
Eine Zeugenaussage, die dem Wall Street Journal vorliegt, besagt, dass Doha angeboten habe, sich um Khan zu kümmern, falls er Haftbefehle gegen den israelischen Premierminister Benjamin Netanjahu und den ehemaligen Verteidigungsminister Yoav Gallant erwirken würde, wie die Zeitung am Montag enthüllte. Die Aussage stamme von »einer mit dieser Operation vertrauten Person, die anonym bleiben möchte«, hieß es.
Die Behauptungen stützen sich auf frühere Berichte über private Geheimdienstaktivitäten der Firmen Highgate und Elicius Intelligence. In einem Bericht von The Guardian im vergangenen Jahr wurde den beiden Firmen vorgeworfen, sich an katarischen Bemühungen zur Diskreditierung einer Frau beteiligt zu haben, die Khan des sexuellen Missbrauchs beschuldigt hatte.
Unter die Fittiche genommen
In neu aufgetauchten Audioaufnahmen, die laut Journal den amerikanischen Behörden bekannt seien, beschreibt der Leiter der Geheimdienstoperation eine angebliche Vereinbarung, bei der Khan – der angeblich Angst hatte, die Haftbefehle zu beantragen – von »Land Q« versichert wurde, dass Unterstützung folgen würde, falls er fortfahren würde. »Es ist noch nicht lange her, dass sie ihn unter ihre Fittiche genommen haben«, sagt der Geheimdienstleiter laut dem Bericht in der Aufnahme. »Es steht alles im Zusammenhang mit der Ausstellung des Haftbefehls. Das war im Grunde genommen die Abmachung.«
Der Leiter wurde daraufhin gefragt, ob die Unterstützung von einem einzelnen Scheich oder von der katarischen Regierung kam. Er antwortete: »Nein, es ist der Staat.« »Ich habe mit dem Kunden darüber gesprochen«, sagt der Leiter weiter in einem offensichtlichen Verweis auf Katar. »Sie waren nicht überrascht, dass durchgesickert war, dass sie ihn unter ihre Fittiche genommen hatten.«
The Guardian enthüllte im November 2025, dass die Geheimdienstfirmen private Informationen über eine der Frauen beschafft hatten, die Vorwürfe gegen Khan erhoben hatte, darunter ihre Passdaten, Fluginformationen und die Geburtsurkunde ihres Kindes. Ziel sei gewesen, ihre Glaubwürdigkeit zu untergraben. Die Operation, die von einer hochrangigen Regierungsstelle in Katar in Auftrag gegeben worden war, versuchte Berichten zufolge auch erfolglos, Verbindungen zwischen der Frau und Israel herzustellen.
Auch andere betroffen
Die dem Journal vorliegende Erklärung deutet darauf hin, dass die Bemühungen möglicherweise auch auf andere abzielten, darunter auf den Amerikaner Tom Lynch, den hochrangigen ICC-Mitarbeiter, der die Vorwürfe gegen Khan als Erster gemeldet hatte, und auf Senator Lindsey Graham.
Zwei mit der Angelegenheit vertraute Quellen teilten dem Journal mit, dass mehrere als Ziele identifizierte ICC-Mitarbeiter von der Anti-Terror-Behörde der Niederlande, wo der Gerichtshof seinen Sitz hat, befragt wurden.
»Völlig korrupter ›Ankläger‹. Völlig korruptes ›Gericht‹«, twitterte der israelische Außenminister Gideon Sa’ar am Dienstag als Reaktion auf die Enthüllung. Das Büro des israelischen Premierministers verurteilte den IStGH in einer Erklärung als »korrupte und moralisch bankrotte Institution, die geschlossen werden sollte«. »Es war vom ersten Tag an klar, dass die absurden Anschuldigungen gegen den Staat Israel und Premierminister [Benjamin] Netanjahu jeglicher Grundlage entbehrten«, erklärte das Büro des Premierministers.
»Israel führte einen gerechten Krieg mit gerechten Mitteln gegen eine Terrororganisation, die unser Volk niedergemetzelt hat«, heißt es in der Erklärung weiter. »Der IStGH ist ein korruptes Gericht, das als Plattform für Lawfare dient, die von Schurkenregimes genutzt wird.«
Von zwei Frauen beschuldigt
Die Mitgliedstaaten des IStGH stimmten Anfang dieses Monats dafür, ein Disziplinarverfahren gegen Khan einzuleiten. Ein Bericht von Ermittlern der Vereinten Nationen, dessen Zusammenfassung dem Wall Street Journal vorlag, fand eine »sachliche Grundlage« für die Vorwürfe sexueller Übergriffe einer weiblichen Mitarbeiterin und stellte fest, dass Zeugenaussagen »ihre Behauptungen stützen«.
Im November 2024 erließ der IStGH auf Khans Veranlassung hin Haftbefehle gegen Netanjahu und Gallant wegen mutmaßlicher Kriegsverbrechen im Gazastreifen. Im Mai 2025 nahm Khan eine Auszeit, bis das Ergebnis einer Untersuchung des Büros für interne Aufsichtsdienste der Vereinten Nationen zu Vorwürfen vorliegt, er habe eine malaysische Kollegin wiederholt sexuell belästigt.
Im August meldete sich eine zweite Frau zu Wort und berichtete dem Guardian, dass Khan seine Macht als leitender Anwalt des IStGH missbraucht und sie während ihres Praktikums bei ihm im Jahr 2009 einem »ständigen Ansturm« unerwünschter Annäherungsversuche ausgesetzt habe.
Den Vorwürfen sexuellen Fehlverhaltens zufolge soll Khan die erste Frau, die malaysische Kollegin, gebeten haben, ihn nicht der sexuellen Nötigung zu beschuldigen, damit er den Haftbefehl gegen Netanjahu erlassen könne.
(Der Bericht ist auf Englisch vom Jewish News Syndicateveröffentlicht worden. Übersetzung von Florian Markl.)






