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Ist Terror keiner, wenn er „Siedler“ trifft?

Von Tina Adcock

Ist Terror keiner, wenn er „Siedler“ trifft?
Quelle: Magen David Adom

Sonntag Abend um 21 Uhr warteten Menschen an einer Bushaltestelle nahe dem arabischen Dorf Ein Yabrud, nördlich von Jerusalem, auf ihren Bus. Ein ganz normaler Abend also, bis ein Auto vorbei fuhr und auf die Wartenden mit einer Schusswaffe feuerte. Sechs Israelis wurden leicht bis mittelschwer verletzt und eine schwangere Frau befindet sich in kritischem Zustand. Die 21-Jährige wurde am Oberkörper schwer getroffen und eilig nach Jerusalem ins  Shaare Zedek Medical Center gebracht um schnellstmöglich medizinische Versorgung zu erhalten. Sie befindet sich in der 30. Schwangerschaftswoche und musste sich nun einer schweren Operation unterziehen, bei der das Baby entbunden und auf eine Spezialstation verlegt wurde. Mittlerweile ist der Zustand der schwer verletzten Mutter stabil, das Baby jedoch befindet sich immer noch in einer kritischen Lage.

Ein 21 jähriger Mann mit leichten Verletzungen wurde neben zwei anderen Männern in das selbe Krankenhaus gebracht, darunter auch der Ehemann der schwangeren Frau. Eine weitere Person im Alter von 22 Jahren und zwei 16 jährige Mädchen wurden mit leichten Verletzungen in das Hadassah Hospital Ein Kerem in den Norden der israelischen Hauptstadt gebracht. Soldaten der Israelischen Verteidigungskräfte (IDF), die sich in der Nähe befanden, eröffneten das Feuer auf das vorbeifahrende Fahrzeug, welches allerdings entkommen konnte. Die Armee suchte das Gebiet nach den Flüchtigen ab, konnte sie bis jetzt aber nicht ausfindig machen.

Im Video der Überwachungskamera, das ebenfalls in den sozialen Medien gepostet wurde, ist ein weißes Auto zu sehen, welches nahe der Bushaltestelle langsamer fährt. Danach kann man die Schüsse und Einschläge in die Menschenmenge beobachten. Anschließend hält das Auto für einen kleinen Moment, während weitere Schüsse abgefeuert werden. Schließlich beschleunigt der Fahrer während man IDF-Soldaten sehen kann, die zur Haltestelle rennen. Man vermutet, dass in dem Auto, aus dem die Waffe abgefeuert wurde, mindestens zwei Personen gesessen haben müssen. Sanitäter, die sich in einer nahe gelegenen medizinischen Einrichtung befanden, hörten die Schüsse und fuhren sofort mit einer Ambulanz an den Ort des tragischen Geschehens und nahmen die Erstversorgung der Verwundeten vor.

Israels Premierminister Benjamin Netanyahu reagierte in einem kurzen Videoclip auf Facebook, in dem er sagt: „Wir alle beten für die das Wohlbefinden der jungen Frau, die gerade um ihr Leben kämpft. Ihr Neugeborenes wurde gerettet und wir wünschen allen weiteren Verwundeten ebenfalls eine schnelle Genesung. Wir werden nicht ruhen bis wir die mörderischen Kriminellen gefunden und der Justiz übergeben haben.“ Präsident Reuven Rivlin sagte Monatgmorgen: „Wir beten in großer Besorgnis für die Gesundung der Verletzen des Terroranschlags und auch für die junge Mutter, die aus einem schrecklichen Ereignis heraus Leben in diese Welt brachte.“ Es bleibt zu hoffen, dass die Täter schnellstmöglich gefunden werden und nicht so viel Glück haben wie jener Attentäter, der vor zwei Monaten zwei Israelis im Barkan Industrie Park erschoss und immer noch nicht gefasst wurde.

Ist Terror keiner, wenn er „Siedler“ trifft?Die Hamas lobte die Terrorattacke am späten Sonntag: „Trotz aller Versuche den Widerstand gegen die Besatzung zu entwurzeln, beweist die Aktion vom Sonntagabend, dass das Prinzip des Widerstands immer noch lebendig ist und sein Herz schlägt.“ Jason Greenblatt, der amerikanische Sondergesandte für den Nahost-Friedensprozesses bezeichnete den Anschlag als „absolut widerwärtig“. Auch kritisierte er auf Twitter die Vereinten Nationen wegen des Scheiterns der Resolution, eingebracht von den USA, die die Hamas für ihre Taten verurteilen sollte: „@UN, das ist es, was Du letzte Woche verteidigt hast, als Du daran gescheitert bist, die Hamas zu verurteilen. Nun preist die Hamas die nächste Terrorattacke. Du hattest die Möglichkeit, den Terror zu bekämpfen. Soll dies wirklich das Vermächtnis der UN sein?“

Die internationalen Medien dagegen sparten in ihren Beiträgen nicht an Relativierungen des Angriffs. So berichtete CNN von einer Frau, die in einer „Attacke in der Westbank“ kritisch verwundet wurde und hob in dem Artikel immer wieder hervor, dass das Attentat in der Nähe einer Siedlung stattfand – als würde es sich nicht um einen Terroranschlag handeln, sondern lediglich um ein tragisches Ereignis, an dem die „Siedler“ auch noch ihren eigenen Anteil an Schuld tragen würden. Unter der Rubrik „News/Besetzte Westbank“ titelte Al-Jazzera gar: „Sieben israelische Siedler bei einem Drive-By-Shooting in der Westbank verwundet“. Dass der Täter Palästinenser war und der Angriff ein Attentat auf unschuldige Menschen darstellt – davon ist im Artikel nichts zu lesen. Auch der Terminus „laut der israelischen Armee“ wird immer wieder benutzt, wie um zu unterstreichen, dass die Aussagen nicht valide seien. Um noch einmal zu betonen, dass die Opfer durch ihr Verhalten nahezu die Animation zu solch einer Attacke geliefert hätten, wird auch von Al-Jazeera immer wieder betont, dass es sich um „Siedler“ handelt und Ofra, die Siedlung nahe des Attentates, „bei den Dörfern Silwan und Ein Yabroud erbaut wurde und ihnen zugehörig“ wäre.

Demenstprechend sehen dann auch die Kommentare auf der Facebook-Seite von Al-Jazeera aus, wo eine Nutzerin schrieb: „Es klingt wie eine erfundenden Geschichte, wie eine Entschuldigung dafür, noch mehr Palästinenser zu töten und ihr Land zu stehlen.“ Und: „Es wäre eine wunderbare Welt, wenn keine Juden existieren würden.“ Es scheint, dass ein Terroranschlag, bei dem unschuldige Menschen verletzt oder sogar ermordet werden, die volle Legitimität genießt, sobald es sich um „Siedler“ oder Juden handelt. Wo sind die Mitleidsbekundungen, wo ist die eindeutige Bezeichnung und Verurteilung der Täter? Stattdessen wird mittels einer Opferumkehr versucht, die Ermordung von Menschen zu relativiere, ja sogar zu legitimieren. Aber worauf soll man auch hoffen, wenn nicht einmal die Vereinten Nationen heutzutage Terrorismus verurteilen?

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