Ist der IS im Irak wirklich besiegt?

„Vergangene Woche wurden 27 irakische Kämpfer getötet, als sie in der Provinz Kirkuk in einen Hinterhalt des Islamischen Staats gerieten. Der Angriff war der tödlichste in der Provinz, seit der Islamische Staat im Oktober aus Hawidscha vertrieben wurde. Der Angriff, der sich gegen Angehörige der Volksmobilisierung (Hasch al-Schaabi) richtete, hat im Irak für Empörung gesorgt. Einige Politiker haben sogar eine Parlamentsdebatte über das Wiedererstarken des Islamischen Staats in den befreiten Gebieten gefordert.

Diese Wendung hat mehrere beachtenswerte Implikationen. Die erste hat damit zu tun, wie die Niederlage des Islamischen Staats inzwischen im Irak wahrgenommen wird. Die irakische Regierung hat zweimal lautstark erklärt, der Islamische Staat sei in dem Land erledigt, das eine Mal nach der Vertreibung der Gruppe aus Mosul und dann erneut nach ihrer Verdrängung aus der Provinz Anbar. Danach verfügte der Islamische Staat im Irak praktisch über keinerlei Territorium mehr. Angesichts der bedeutsamen Siege über die Gruppe nahmen viele Iraker an, dieses Kapitel sei abgeschlossen, und begannen, sich anderen Themen zuzuwenden. In Gesprächen wiegen seitdem andere Fragen vor. Daher kam der Angriff vergangene Woche für viele als ein Schock. Es wird nun gefragt, warum der Islamischen Staat doch noch in weiten Teilen des Landes aktiv sei. (…) Die politische Dynamik, die in den letzten Monaten aufgekommen ist, ist infrage gestellt worden und die öffentliche Wahrnehmung des Kampfes gegen die Gruppe hat sich dadurch verändert. (…)

Nachdem über die Angriffe des Islamischen Staats in den letzten Monaten fast nur noch von seinen eigenen Medien berichtet wurde, befördert die veränderte Wahrnehmung nun wiederum die Fähigkeit des Islamischen Staats, sich als mächtig darzustellen. Diese dritte Implikation baut auf einer realen Tendenz auf: Der Islamische Staat wird tatsächlich in etlichen Teilen des Irak wieder stärker. Dieses Wiedererstarken beruht auf Aktionen, die von gezielten Attentaten über improvisierte Sprengvorrichtungen bis zu Blitzangriffen reichen. (…) Der Rückgriff des Islamischen Staats auf Guerillataktiken begann bereits Anfang 2016. Er kommt auch in Gebieten zum Tragen, die bereits vor einiger Zeit vom Islamischen Staat befreit wurden, so an Orten, die zwischen 2014 und Anfang 2015 entlang des Tigris im Bezirk Salahaddin befreit wurden. (…)

Der Islamische Staat hat diese Veränderung selbst vor einigen Monaten in einer seiner Publikationen diskutiert. Dabei bezog er sich direkt auf Kirkuk und Diyala als Gegenden, in denen er wieder aktiv sei. Ein Grund für das offenbare Wiedererstarken seiner Aktivitäten in Kirkuk ist beispielsweise der Mangel an amerikanischen Luftschlägen seit dem Ende der Kämpfe dort. Dies legt nahe, dass das Wiedererstarken des Islamischen Staats mit der Zeit wahrscheinlicher werden wird. Der Angriff vergangene Woche und die Reaktionen auf ihn scheinen anzudeuten, dass der Sieg über den Islamischen Staat nur ein vorübergehender gewesen sein könnte. Bagdad und anderen am Kampf gegen die Extremisten beteiligten Parteien könnten die gegenwärtigen Forderungen nach einer ernsthafteren Auseinandersetzung mit den Extremisten zugutekommen. Während der Irak militärisch schlagfertig ist, befindet er sich in einem Wettlauf mit dem Islamischen Staat. Die Terroristen mögen sich bedeckt halten, doch warten sie nur auf eine Gelegenheit, sich in den Gebieten, die sie verloren haben, erneut zu formieren. Die jüngsten Ereignisse haben gezeigt, dass die irakische Schlagkraft nachlassen und die Gruppe einen neuen Zugang finden könnte.“ (Hassan Hassan: „The deadly ISIL ambush in Kirkuk signifies the re-emergence of the terrorist group“)

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