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Israels Kampf gegen Hetze an arabischen Schulen in Jerusalem

Israels Erziehungsministerin Yifat Shasha-Biton
Israels Erziehungsministerin Yifat Shasha-Biton (Quelle: Kobi Gideon / Government Press Office (Israel), CC BY-SA 3.0)

Israels Erziehungsministerium wagte einen Vorstoß, indem es die Lizenzen für sechs palästinensische Privatschulen in Ost-Jerusalem auf Eis legte. Die Begründung: Das eingesetzte Unterrichtsmaterial glorifiziert den gewaltsamen Kampf gegen Israel.

Israels Erziehungsministerin Yifat Shasha-Biton (Gideon Sa’ars Partei »Neue Hoffnung«) muss sich immer wieder mit Gewaltverherrlichung und Hetze an Schulen im vorwiegend arabisch geprägten Ost-Jerusalem befassen. Dazu gehört u. a. eine vor wenigen Wochen auf die Bühne gebrachte Schulaufführung an der Anata-Oberschule für Jungen in der gleichnamigen Ortschaft am nordwestlichen Rand von Jerusalem.

Einige Schüler stellten bewaffnete Kämpfer dar. Die Verkleidung anderer Schüler auf der Bühne wies sie unverkennbar als religiöse Juden aus. Auf sie richteten ihre Mitdarsteller die Waffen. Die »Bedrohten« hatten auf die Knie zu gehen. Ihnen wurden Augenbinden umgelegt. Unverkennbar die Vorbereitung einer Exekution, eingerahmt von palästinensischen Flaggen.

Mehr als »nur« Hetze

Diese Schulaufführung, die nicht nur anti-israelische Hetze auf einer Theaterbühne inszenierte, sondern auch unverhohlen antisemitische Motive bediente, erfreute sich einer großen Publikumsschar. Schüler, Eltern wie Lehrer waren begeistert und sparten weder mit Beifall noch mit Jubel. Die bei TikTok eingestellte Aufzeichnung ging viral. Das ließ vor allem den extrem rechten Knesset-Abgeordneten Itamar Ben-Gvir protestieren, der sich bei dieser Darstellung porträtiert glaubte.

Dass es nicht immer »nur« bei Hetze bleibt, zeigt zum Beispiel der Akt von Fadi Abu Shkhaydam. Dieser 42-jährige fünffache Vater, der Lehrer an einer Jungen-Oberschule in dem im Einzugsbereich der Jerusalemer Stadtverwaltung liegenden Flüchtlingslager Shuafat war, griff im November 2021 zur automatischen Schusswaffe. Zur Zielscheibe an einem der Jerusalemer Altstadttore machte er Passanten auf ihrem Weg zum Gebet an der Klagemauer. Mehrere Personen wurden verletzt. Der 26-jährige Neueinwanderer aus Südafrika Elijahu Kay erlag seinen Verletzungen.

Absurde Konstellationen

Nach dem Terroranschlag sorgte in Israel für Unverständnis, dass den Sicherheitsdiensten bekannt gewesen war, dass dieser Lehrer für islamische Rechtsfragen Hamas-Aktivist war. Dazu kam, dass der Lehrer, dem doch eigentlich das Wohl von Kindern am Herzen liegen sollte, in einem hinterlassenen Brief seine eigenen Kinder als auch seine Schüler dazu aufforderte, ihm als »Märtyrer« zu folgen.

Und für allgemeinen Aufschrei sorgten noch weitere Aspekte rund um die beiden genannten Vorfälle: Zur Aufführung an der Schule in Anata präsentierte das israelische Erziehungsministerium die lakonische Aussage: Die Schule unterstehe der Palästinensischen Autonomiebehörde (PA), da dieser Teil von Anata zur Zone B zählt. Dabei liegt die Schule in der Nachbarschaft von Bildungseinrichtungen, die von der Jerusalemer Stadtverwaltung unterhalten werden, deren Schüler- und Lehrerschaft von der Aufführung nicht nur über TikTok erfahren haben dürften.

Bezüglich des Terroranschlags von Abu Shkhaydam wurde im Zuge einer Sitzung des Knesset-Ausschusses für Bildungsangelegenheiten klar, dass er an einer informellen Schule unterrichtet hatte, die dennoch vom israelischen Erziehungsministerium anerkannt ist. Folglich kam sein Gehalt direkt aus der Kasse der Jerusalemer Stadtverwaltung.

Jerusalemer Schultyp-Dschungel

Jerusalem versteht es, mit Superlativen aufzuwarten; auch im Bildungssektor. Rund 41 Prozent der 950.000 Einwohner sind Minderjährige, von denen knapp 300.000 schulpflichtige Kinder sind. Das mit 38 Prozent arabischer Bevölkerung an zweiter Stelle der gemischten jüdisch-arabischen Städte rangierende Jerusalem zählt rund 118.000 arabisch-palästinensische Schüler. Sie besuchen eine große Spannbreite von Schultypen, womit nicht die Staffelung von Vor- und Grundschule hin zu Mittel- und Oberschule gemeint ist.

Arabische Schüler der Heiligen Stadt besuchen zu 40 Prozent formale und zu 45 Prozent informelle Schulen, während 15 Prozent an privaten Einrichtungen lernen. Formale Bildungsinstitutionen machen 52 Prozent aller arabischen Schulen Ost-Jerusalems aus und unterstehen dem israelischen Erziehungsministerium. Das heißt jedoch nicht, dass dort nach israelischem Curriculum unterrichtet wird. Lediglich 15 Prozent aller arabischen Ost-Jerusalemer Schüler legen Abiturprüfungen nach dem israelischen Curriculum ab. An Ost-Jerusalemer Bildungseinrichtungen kommen mehrheitlich Lehrpläne zum Tragen, welche die PA, Jordanien oder die UNRWA, aber auch die muslimische Waqf-Behörde vorgeben; Lehrpläne, die immer wieder vor dem selben Hintergrund Kritik ernten: sie erkennen Israel nicht an, stacheln zum Hass auf und glorifizieren Terror.

Erhöhte Bildungsetats und Terrorverherrlichung

Auch wenn weiterhin Missstände an arabischen Schulen Ost-Jerusalems zu beklagen sind, so versucht Israel, die lange währende Vernachlässigung durch Geldspritzen und aufgestockte Etats zu überwinden. 2018 lief ein Fünf-Jahresplan an, der dem arabischen Sektor der Stadt Milliardenförderungen in Aussicht stellte; allein dem Bildungssektor sprach Israel fast 470 Millionen Euro zu. Seiher steigt die Zahl der Abiturienten, die sich für ein israelisches Curriculum entscheiden, das sehr viel mehr Tore öffnet als der PA-Lehrplan – und folglich beobachtet man bereits, dass der Prozentsatz der jungen Ost-Jerusalemer an akademischen Institutionen stark ansteigt.

Mehr israelische Lizenzen und damit einhergehende Förderungen bedeuten allerdings nicht, dass die bedachten Bildungseinrichtungen auch Lehrpläne umsetzen, die nicht zu Gewalt aufrufen, Terror verherrlichen und dem »Märtyrertum« huldigen.

Genau dagegen wagte Israels Erziehungsministerium nun einen Vorstoß. Die Lizenzen von sechs Privatschulen mit insgesamt 2.000 Schülern und Schülerinnen wurden zurückgezogen, weil das Unterrichtsmaterial »Häftlinge und deren bewaffneten Kampf gegen Israel verherrlicht« sowie Verschwörungstheorien und Verleumdungen gegen Israel u. a. bezüglich »Erschießungen, Vertreibungen und militärischen Massakern« verbreitet.

Israel weist damit auf einen Zustand hin, den erst im Herbst 2021 eine zuständige EU-Kommission bemängelt hat. Während die EU dennoch ihre deshalb zeitweise zurückgehaltene Förderung des PA-Bildungssektors diesen Sommer – ohne dass sich die geforderten Änderungen eingestellt hätten – wieder freigab, zieht Israel vorsichtig die Bremse gegen haltlose Propaganda und gezielte Indoktrination sowie gegen die verwerfliche Aufhetzung von Minderjährigen.

PA-Propaganda

Das palästinensische Unterrichtsmaterial stellt Israel als Kriegstreiber und -verbrecher hin. Israels Versuch, dies zumindest in seinem Zuständigkeitsbereich einzudämmen, ließ allerdings sofort die PA aufbegehren, welche die Maßnahme als »Kriegserklärung an die kollektive nationale [palästinensische] Identität« bezeichnete.

Egal, was Israel tut oder lässt – es steht ohnehin stets als kriegerischer Aggressor da, während es zugleich einigen Tausend jungen Menschen, deren Eltern nicht wenig Geld hinblättern, um ihren Kindern an Privatschulen eine gute Bildung angedeihen zu lassen, die Chance verschafft, einen akademischen Titel zu erwerben, statt nach dem Status eines »Märtyrers« zu streben.

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