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Israels Schwenk weg von China hin zu Indien

Israels Verteidigungsminister Benny Gantz zu Besuch bei seinem indischen Amtskollegen Raksha Mantri Rajnath Singh
Israels Verteidigungsminister Benny Gantz zu Besuch bei seinem indischen Amtskollegen Raksha Mantri Rajnath Singh (© Imago Images / Hindustan Times)

Der Einfluss Washingtons und das Abraham-Abkommen haben den israelisch-indischen Beziehungen nach Ansicht von Experten Rückenwind verliehen.

Israel Kasnett

Unter dem Druck Washingtons scheint sich Israel langsam aus seinen Geschäftsbeziehungen mit China zurückzuziehen, während es gleichzeitig Beziehungen zu Indien aufbaut. Laut Jonathan Schanzer von der Foundation for Defense of Democracies (FDD), haben die Vereinigten Staaten Israel in den letzten zwei Jahren dazu gedrängt, sich von China abzukoppeln.

Auch Sam Millner, ein politischer Analyst des Jewish Institute for National Security of America (JINSA), stellte Anfang dieses Monats fest, dass die USA »zunehmend Besorgnis über Chinas wachsende Rolle in Israels kritischer Infrastruktur und Hightech-Sektoren geäußert« hätten. Dies hätte eine zunehmende »Bedrohung für die israelische Sicherheit, den Wohlstand und die strategische Zusammenarbeit mit Washington« dargestellt, während Peking die Zusammenarbeit ausnutzten konnte, um »seine militärischen, nachrichtendienstlichen und inländischen Überwachungsfähigkeiten zu verbessern«.

Millner erinnerte daran, dass der damalige Nationale Sicherheitsberater der USA, John Bolton, im Jahr 2019 und der damalige US-Außenminister Mike Pompeo im Jahr 2020 bei ihren Besuchen in Israel »eindringlich davor gewarnt haben, Chinas wachsende Rolle in strategischen Sektoren der israelischen Wirtschaft könnte die Sicherheitsbeziehungen zwischen den USA und Israel gefährden«.

Israel schien diese Warnungen ernst zu nehmen so Millner, als es die Ausschreibung für die Privatisierung des ursprünglichen Haifa-Hafens (der gleich neben dem neuen, von China betriebenen Haifa Bayport Terminal liegt) an ein indisches Unternehmen vergab – trotz konkurrierender chinesischer Angebote für dieses Projekt. Millner verwies auch auf das Treffen des ehemaligen israelischen Ministerpräsidenten Naftali Bennett mit Präsident Joe Biden in Washington im September 2021, nach dem Bennett »erklärte, ein besseres Verständnis für die Bedenken der USA gegenüber China zu haben«.

Verstärkte regionale Zusammenarbeit

Der Einfluss Washingtons und die Normalisierungsabkommen Israels mit einigen seiner arabischen und muslimischen Nachbarn haben auch zu einer weiteren neuen Initiative geführt. Die Staats- und Regierungschefs Indiens, Israels, der Vereinigten Arabischen Emirate und der USA gründeten ein Forum für wirtschaftliche Zusammenarbeit, die sogenannte I2U2-Gruppe, um dem wachsenden Einfluss Chinas und des Iran entgegenzuwirken. In einer gemeinsamen Erklärung, die die I2U2-Gruppe am 14. Juli veröffentlichte, heißt es:

»Ziel ist es, die Lebendigkeit unserer Gesellschaften und unseren Unternehmergeist zu nutzen, um einige der größten Herausforderungen, mit denen unsere Welt konfrontiert ist, zu bewältigen, wobei der Schwerpunkt auf gemeinsamen Investitionen und neuen Initiativen in den Bereichen Wasser, Energie, Transport, Raumfahrt, Gesundheit und Ernährungssicherheit liegt.«

Millner zufolge signalisiert die Übernahme des Hafens von Haifa  durch die Adani-Gruppe »das wachsende Interesse Indiens an einer Partnerschaft mit den USA und seinen stärksten Sicherheitspartnern im Nahen Osten in kritischen strategischen Bereichen«. Dies sei »die erste bedeutende Manifestation des wachsenden wirtschaftlichen Interesses Indiens am Nahen Osten, insbesondere an Israel, im Kontext der erweiterten Möglichkeiten für eine regionale Zusammenarbeit, die durch die Abraham-Vereinbarungen ermöglicht wurden«.

Schanzer fügte hinzu, dass die Abkommen »mit weitreichender Unterstützung Indiens« zustande gekommen seien. Cleo Paskal, Non-Resident Senior Fellow für die indisch-pazifische Region bei FDD, ergänzte gegenüber dem Jewish News Syndicate:

»Neben anderen gemeinsamen Interessen und Bedrohungen hat der schreckliche Terroranschlag in Mumbai [2008] die beiden Länder einander nähergebracht. Die Beziehungen zwischen Indien und Israel sind schnell gewachsen, vor allem seit der Wahl von [Premierminister Narendra] Modi [im Jahr 2014]. Israel hat schon früher mit ihm zusammengearbeitet, als er noch Ministerpräsident von Gujarat war, um Vertrauen aufzubauen. Heute gibt es eine intensive Zusammenarbeit, auch in den Bereichen Landwirtschaft, Verteidigung und Cyberspace.«

Zurückdrängung Chinas

In den letzten Jahren haben Modi und der ehemalige israelische Premierminister Benjamin Netanjahu offenbar eine enge Freundschaft entwickelt, die ebenfalls zur Stärkung der Beziehungen zwischen den beiden Ländern beigetragen zu haben scheint. Paskal wies darauf hin, dass Indien »eine lange, tiefe und umfassende Beziehung zum Nahen Osten hat«. Nicht nur könnten die ausgedehnten Handelsrouten und -beziehungen, auf eine sehr lange Geschichte zurückblicken, sondern auch »heute gibt es Millionen von Indern, die im gesamten Nahen Osten arbeiten. Indien kennt die Region gut.«

Paskal zufolge hat China »versucht, den indischen Einfluss im Nahen Osten einzuschränken«, aber Neu-Delhi hat sich gewehrt und als eine der ersten Maßnahmen nach dem Galwan-Angriff (ein Grenzzwischenfall im Jahr 2020, bei dem zwanzig indische und vier chinesische Soldaten getötet wurden) 59 chinesische Apps verboten. Eine davon war WeChat, der seitens der Inder vorgeworfen wurde, »dass sie dazu verwendet wurde, Informationen von indischen Telefonen abzusaugen«. Auf diese Weise habe China Industriespionage betrieben und versucht, sich durch die Unterbietung indischer Angebote in Ländern des Nahen Ostens Vorteile zu verschaffen.

Dies, so Paskal, sei »nur ein kleines Beispiel dafür, dass Indien versucht, so ungehindert wie möglich mit China zu konkurrieren. Wenn es ein faires Umfeld gibt, könnten wir einige größere Veränderungen sehen«, womit er auf ein Zurückdrängen Chinas und einen größeren Einfluss Indiens anspielte.

Schanzer zufolge sind die USA besorgt, weil die von Israel produzierten Spitzentechnologien für China so attraktiv sind, wobei ein Teil des Problems darin bestehe, dass Israels Handel mit China derzeit siebzehn Mrd. Dollar beträgt – keine geringe Summe für den jüdischen Staat. »Israel muss sich aufgrund des Drucks der Vereinigten Staaten zunehmend nach Indien als Alternative umsehen«, so Schanzer abschließend.

Der Artikel erschien auf Englisch beim Jewish News Syndicate. (Übersetzung von Alexander Gruber.)

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