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Nein, Israels Presse ist nicht wie die Nordkoreas

Prescht mit wilden Attacken auf die Presse vor: Israels Premier Benjamin Netanjahu (imago images/UPI Photo)
Prescht mit wilden Attacken auf die Presse vor: Israels Premier Benjamin Netanjahu (imago images/UPI Photo)

Premier Netanjahu ritt einen Frontalangriff auf die israelische Presse – und erwies damit weder sich selbst, noch dem Land einen guten Dienst.

Editorial Board, The Jerusalem Post

Aus irgendeinem Grund hat der israelische Premierminister die Medien Israels mit denen Nordkoreas verglichen. Dies steht im Gegensatz zu seinen üblichen Reden darüber, dass Israel eine blühende Demokratie mit einer freien Presse ist, und dass die demokratischen Errungenschaften Israels uns mit den USA und unseren westlichen Partner verbinden.

Viele Jahre lang präsentierte sich Israel als die einzige Demokratie im Nahen Osten; als den einen Ort, an dem Araber und Muslime frei sprechen können, ohne von Regimen wie dem von Assad oder Saddam Hussein (…) verschleppt zu werden.

Warum also denkt Benjamin Netanjahu so schlecht über die Medien hier? Er behauptet, dass die Medien die Demokratie mit Füßen treten. Netanjahu befindet sich seit langem im Krieg mit den Medien Israels, die er als der Linken verpflichtet darstellt. Einer der Fälle, für die er vor Gericht steht, hängt sogar mit seinem Drang zusammen, die Ausrichtung der Medien zu beeinflussen.

Netanjahu macht Protestierende schlecht, die es wagen, sich vor seiner Residenz zu versammeln – bei den ersten größeren und anhaltenden Protesten in den mehr als zehn Jahren, die er ununterbrochen an der Spitze des Landes steht.

Netanjahu wirft den Medien vor, dass sie die Menschen zum Protestieren „anwerben“ würden, obwohl den ersten Protestwochen in der Medienberichterstattung nur wenig Aufmerksamkeit geschenkt wurde. „Sie versuchen verzweifelt, die Öffentlichkeit einer Gehirnwäsche zu unterziehen, mit dem Ziel, einen starken Premierminister von rechts zu stürzen“. Er wirft den Medien vor, die Proteste „durch eine Medienkampagne“ anzuheizen, wie er sie noch nie gesehen haben will. (…)

Netanjahu hat recht mit seiner Behauptung, dass einige in Israels Medien ihn verachten. Aber er selbst hat viel dazu beigetragen, sich sein eigenes Loch zu schaufeln, indem über ein Jahrzehnt oder noch länger die Medien attackiert hat, u.a. in Facebook-Schimpftiraden und mit persönlichen Angriffen auf führende Personen des Nachrichtenwesens. (…)

All das deutet auf einen Führer hin, der sich davon bedroht fühlt, die Kontrolle über das Land zu verlieren. Der unfähig scheint, Kritik zu akzeptieren und der mit niemandem zusammenzuarbeiten kann, der ihm einen Teil seiner Macht streitig machen könnte.

Starke Führungspersonen arbeiten mit anderen zusammen, um starke Regierungen zu bilden, einen Nachfolger aufzubauen und um der nächsten Generation den Weg zu bereiten. Netanjahus Regierungen machen das Gegenteil. Er hat systematisch jeden Rivalen verdrängt und den Staat ausgehöhlt, damit er sich selbst als die Verkörperung des Landes und jeden Kritiker als Feind darstellen kann. Das ist nicht Führungsstärke. (…)

Tragischerweise ist Netanjahu zu seinem eigenen schlimmsten Feind geworden. Anstatt Israel als eine starke Demokratie zu festigen, die lebendige, vielfältige Presse zu loben, die das Land hervorgebracht hat, und zu versuchen, den Schmerz, die Wut und die Frustration der Demonstranten zu begreifen, greift er lieber auf niederträchtige Propaganda gegen Schlüsselinstitutionen der Gesellschaft zurück.

(Auszüge aus dem Editorial „No, Mr. Netanyahu, the Israeli media is not like North Korea’s“ in der Jerusalem Post. Übersetzung für Mena-Watch von Florian Markl.)

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