Die 2012 gegründete Partei Jesch Atid von Jair Lapid hat sich schnell als eine der führenden Kräfte in Israels politischer Mitte etabliert.
Jesch Atid (hebräisch: »Es gibt eine Zukunft«) ist eine liberale Zentrumspartei, gegründet vom ehemaligen TV-Journalisten Jair Lapid, dem Sohn des Zentrumspolitikers und ehemaligen Justizministers Tommy Lapid. Obwohl die erst 2012 gegründete Partei noch sehr jung ist, ist sie rasch zu einem wichtigen Akteur in der Mitte der israelischen Politik geworden.
Die inhaltlichen Schwerpunkte von Jesch Atid liegen eindeutig bei innenpolitischen Fragen. Sie tritt für soziale Gerechtigkeit ein, was u. a. mit einem Kampf gegen steigende Lebenshaltungskosten einhergeht. Die Partei steht weiters für Säkularismus, tritt für die Gleichberechtigung aller religiösen Richtungen ein und macht sich vor allem für eine Beendigung der Sonderstellung der Ultraorthodoxen stark, die vom Wehrdienst befreit sind.
Im Friedensprozess steht Jesch Atid für eine pragmatische Linie. Sie spricht sich grundsätzlich für eine Zwei-Staaten-Lösung aus, knüpft daran aber bestimmte Bedingungen. So dürfe von einem palästinensischen Staat keine Gefährdung Israels ausgehen, und der jüdische Staat müsse im Westjordanland bestimmte Sicherheitsmaßnahmen aufrechterhalten können. Jesch Atid ist gegen Annexionspläne bezüglich des Westjordanlandes, wie sie von der politischen Rechten in den vergangenen Jahren immer wieder propagiert wurden.
Regierungsbeteiligungen
Bei ihrem ersten Antreten zu einer Knesset-Wahl 2013 erzielte Jesch Atid einen beachtlichen Erfolg: Mit 19 Mandaten wurde sie auf Anhieb zur zweitstärksten Fraktion in der Knesset hinter dem Likud von Benjamin Netanjahu. In einer anschließenden Koalition aus Likud und Jesch Atid bekleidete Lapid den Posten des Finanzministers. Allerdings war der Regierung nur eine kurze Zeit beschieden, schon 2014 brach sie wieder zusammen. Bei der anschließenden Neuwahl 2015 verlor Jesch Atid Mandate und verbrachte die folgenden drei Jahre in der Opposition.
2019 beteiligte sich die Partei an dem von Benny Gantz angeführten Bündnis Blau-Weiß (»Kachol Lavan«), um gemeinsam einen Sturz von Premier Netanjahu herbeizuführen. Doch schon 2020 zerbrach dieses Bündnis wieder, als Gantz überraschend eine Koalition mit Netanjahu einging. Jesch Atid blieb in der Opposition.
Nach einer neuerlichen Wahl im März 2021 bildete Jesch Atid zusammen mit sieben anderen Parteien eine politisch sehr weit gestreute Koalition. Anfänglich wurde diese Regierung von Naftali Bennett als Premierminister geführt, Lapid wurde Außenminister und »alternierender« Premier«. Im Jahr darauf bekleidete Lapid dann für mehrere Monate das Amt des Ministerpräsidenten, bis Netanjahu nach der Wahl im November 2022 mit einer rechts-rechten Koalition an die Macht zurückkehrte.
Zurück auf die Regierungsbank?
In den folgenden Jahren konnte sich Jesch Atid als die führende Oppositionspartei profilieren. Parteichef Jair Lapid ist nach dem Terrorüberfall der Hamas im Süden Israels am 7. Oktober 2023 als scharfer Kritiker von Premier Netanjahu hervorgetreten. Er warf ihm vor, sich vor seiner Verantwortung für die Katastrophe zu drücken und als Anführer im Krieg gegen Hamas, Hisbollah und den Iran militärisch und diplomatisch versagt zu haben.
Umfragen in den vergangenen Monaten haben darauf hingedeutet, dass Jesch Atids Stern bei der Wählerschaft eher im Sinken begriffen war. Das dürfte einer der Gründe sein, warum Lapid und sein ehemaliger Koalitionspartner Naftali Bennett entschlossen haben, bei der Wahl im Oktober 2026 mit einer gemeinsamen Liste namens »Gemeinsam« (»Beyachad«) anzutreten Ersten Umfragen zufolge hat der Zusammenschluss allerdings bislang zu keinem Zuwachs an Mandaten geführt.
Dennoch hegt das Lager Bennett-Lapid die Hoffnung, bei der Neuwahl stark genug abzuschneiden, um zusammen mit anderen Partnern die gegenwärtige Regierungskoalition ablösen zu können, der sie vorhalten, gezielt die Polarisierung im Land vorangetrieben, die Unabhängigkeit der Justiz angegriffen und generell das Vertrauen der Bürger in die staatlichen Institutionen und die Demokratie geschädigt zu haben.






