Israelische Piloten beschreiben den komplexen Apparat, der erforderlich ist, um iranische Raketenabschussstellungen ausschalten zu können.
Itay Ilnai
Die Jagd auf Irans Boden-Boden-Raketenbatterien begann mit der »Genesis«-Welle, die die aktuelle Offensive einleitete und 200 Flugzeuge umfasste – die größte Zahl in der Geschichte der israelischen Luftwaffe. Zu diesem Zeitpunkt wurden Dutzende von Kampfflugzeugen in den zentralen und westlichen Iran entsandt, unter der starken Bedrohung durch Luftabwehrbatterien, die noch nicht alle zerstört worden waren, um die Raketenwerfer selbst und andere Teile des Systems, die diese unterstützen, anzugreifen.
»Seitdem haben wir im Grunde jeden Teil der Kette des Systems angegriffen, damit sie während des Krieges keine zusätzlichen Raketen zu den Abschussrampen bringen können«, sagte eine Quelle der Luftwaffe.
»Von den Produktionsstätten, von denen sich die meisten in Teheran, Isfahan und im Zentraliran befinden, über die über die Abschussstellen im Zentral- und Westiran verteilten Kommandostellen bis hin zu den Lagerstätten und den Abschussrampen selbst. Gleichzeitig zerstören wir Infrastruktur, die für die zukünftige Entwicklung und Herstellung von Raketen vorgesehen ist.«
Selbst nach der Genesis-Welle wurden »Züge« von Kampfflugzeugen in alle Teile des Iran entsandt, um das Raketensystem anzugreifen. Während sich diese Wellen bei der »Operation Rising Lion« nur auf den Westen und Norden des Iran konzentrierten, richteten sie sich dieses Mal auf das gesamte Land. Der Nachrichtendienst der israelischen Luftwaffe arbeitet ununterbrochen daran, herauszufinden, von wo aus die Iraner operieren, um entsprechende Einsatzpläne zu erstellen. Wenn es etwa einen Standort im Norden des Iran gibt, von dem seit mehreren Tagen keine Raketen mehr abgefeuert wurden, ist er wahrscheinlich blockiert.
Wenn hingegen ein anderer Standort im Zentrum des Iran seit drei Tagen in Folge Raketen abfeuert, ist klar, dass genau dieser Standort jetzt angegriffen werden muss. Die Angriffspläne werden daher täglich auf der Grundlage von Echtzeit-Geheimdienstinformationen entworfen, persönlich vom Chef der israelischen Luftwaffe, Generalmajor Tomer Bar, genehmigt und Tag für Tag ausgeführt. Diese Flexibilität und Entschlossenheit ermöglichen es der Luftwaffe, den Druck auf Irans Boden-Boden-Raketenarsenal aufrechtzuerhalten. So sieht eine Jagdkampagne aus.
»Von den Einsätzen des Geschwaders insgesamt befasst sich ein sehr hoher Prozentsatz mit dem Raketenproblem«, sagte Oberstleutnant der Reserve A., ein Navigator im 119. Jagdgeschwader, das auf der Ramon Air Force Base stationiert ist. »Es ist eine gemeinsame Anstrengung aller Beteiligten. Wir greifen die Infrastruktur an, die Drohnen attackieren die Abschussrampen, die zum Vorschein kommen, die Luftabwehrsysteme kümmern sich um das, was tatsächlich abgefeuert wird, und am Ende reduziert all das zusammen die Zahl der Treffer auf heimischem Boden.
Komplettes Ausschalten der Raketen ist nicht möglich
Bei der Jagd auf Boden-Boden-Raketen gibt es keinen großen Knall, und dann ist es vorbei. Es ist der kumulative Schaden, den man ihnen zufügt. Man trifft Tunnel, Abschussrampen, Menschen, die Ausrüstung, die zum Räumen der Trümmer aus den Tunneln eingesetzt wird, und die Leute, die versuchen, zurückzugehen und beschädigte Abschussrampen zu reparieren. Man versucht ständig, aus einer anderen Richtung einen Engpass zu schaffen, denn die Iraner sind keine Schwächlinge. Sie haben an jedem solchen Standort im Voraus gearbeitet und Vorbereitungen getroffen. Wir machen uns nicht vor, dass wir die Raketenangriffe auf Israel auf null reduzieren können.«
A., der bald 50 wird, ist Vizepräsident für den operativen Bereich bei einem großen Unternehmen und dient seit 30 Jahren in der IAF, davon ausschließlich in der F-16I-Sufa-Flotte. In der Genesis-Welle führte er eine Formation aus sechs Jets bei einem Angriff auf einen Abschussstandort an. Nur wenige Tage später fand er sich erneut an der Spitze einer Formation wieder, diesmal über dem Raum Teheran, wo er eine Produktionsanlage für Raketentreibstoff angriff.
In einem weiteren Jahr wird er das Alter erreichen, in dem Kampfpiloten nicht mehr an Einsatzflügen teilnehmen, und für ihn könnte dies eine letzte Gelegenheit sein, als Besatzungsmitglied zu kämpfen. »Jede Generation hat ihren Krieg«, sagte er. »Wir haben viele Jahre lang für diese Operation trainiert, und es gab an vielen Orten Aktivitäten, die ihr vorausgingen. Es war immer Teil des größeren Plans der israelischen Luftwaffe, im Iran zuzuschlagen. Aber ich gebe zu, dass ich tief in meinem Inneren nie geglaubt habe, dass es tatsächlich passieren würde. Ich habe es mir vorgestellt, aber ich habe es nicht geglaubt.«
Wir sprachen am Abend, und er war bereits im Iran und wieder zurück. »Viele schneebedeckte Berge«, sagte er, als ich ihn fragte, wie es dort sei. »Es gibt einen sehr starken Kontrast zwischen den Schäden, die ein Krieg anrichten kann, und den ruhigen Ausblicken, die man vom Cockpit aus sieht.«
Auf der Startbahn
In den letzten vier Wochen hat es A. nur zweimal nach Hause geschafft, jeweils für 24 Stunden. »Jeder Einsatz im Iran beginnt schon einige Stunden vor dem Start«, sagte er und legte seinen Tagesablauf dar.
»Wir erhalten den Auftrag vom Einsatzhauptquartier der Luftwaffe, versuchen, die Details zu präzisieren: Wer die beteiligten Streitkräfte sind, wer sich in unserer Umgebung befindet, welche Munition wir einsetzen werden, ob unterwegs betankt wird und so weiter. Als Formationsführer muss ich entscheiden, ob wir aus der einen oder anderen Richtung anfliegen, in welcher Höhe, welche Munition am besten eingesetzt wird und so weiter. Es gibt einen langen Vorbereitungsprozess, um sicherzustellen, dass man die Mission erfüllen und maximalen Schaden anrichten kann. Der nächste Schritt ist die Formationsbesprechung zusammen mit dem Planungsoffizier des Geschwaders. Wir gehen alles durch und stellen sicher, dass jeder alle Szenarien und Reaktionsmöglichkeiten kennt.«
Etwa eine Stunde vor dem Start trifft die Besatzung am geschützten Flugzeugunterstand ein, wo die Jets geparkt sind. Sobald die Triebwerke anlaufen, ist der Lärm ohrenbetäubend. »Man überprüft das Flugzeug und die Munition und hebt dann ab«, sagte er.
»Es ist ein Flug von mehreren Stunden, je nachdem, wohin man fliegt und welche Route man nimmt. Auf dem Weg dorthin ist man extrem konzentriert. Man muss ständig überprüfen, ob jedes Mitglied der Formation an der richtigen Stelle ist, pünktlich und mit der richtigen Treibstoffmenge. Wenn man auf ein Tankflugzeug trifft, geschieht das irgendwo im Nahen Osten, und man muss sicherstellen, dass man zur richtigen Zeit, am richtigen Ort und in der richtigen Höhe ankommt. Man überprüft auch die Munition, und oft ändern sich die Ziele unterwegs, sodass man während des Fluges Aktualisierungen vornehmen muss.
Sobald man die Grenze überquert und über den Iran fliegt, ist man in höchster Alarmbereitschaft. Man sichert ständig das Gebiet, schützt die Kameraden in der Formation, versucht, jede Bedrohung zu erkennen, jedes Piepsen in unseren Systemen zu hören, scannt mit den Augen und so weiter. Wenn man das Angriffsgebiet erreicht, führt man den Einsatz durch und überprüft, ob man das Potenzial der Formation und der Waffen voll ausschöpft, um einen effektiven Angriff durchzuführen.
Auf dem Rückweg, bis man das iranische Hoheitsgebiet wieder verlässt, ist man immer noch angespannt, denn es ist kein Ort, über dem man ein Flugzeug aufgeben möchte. Nach dem Verlassen des Gebiets lässt die Anspannung etwas nach, aber nicht vollständig.«
Sind Sie auf Bedrohungen gestoßen? »Ich habe gesehen, wie Dinge in die Luft abgefeuert wurden. Ich kann nicht mit 100-prozentiger Sicherheit sagen, ob sie auf mich gerichtet waren oder nicht. Natürlich gibt es Bedrohungen, und bei jedem Flug dort berücksichtigt man die Gefahr. Das gehört zum Leben eines Kampfpiloten dazu.«
Wie geht man mit der Angst um, getroffen zu werden? Den Schleudersitz verwenden zu müssen? Gefangen genommen zu werden?
»Wenn ein Pilot vor dem Start die Kabinenhaube schließt, muss er sich von seinen Emotionen lösen und das gesamte professionelle Instrumentarium, das er sich über die Jahre aufgebaut hat, bei jedem Einsatz voll ausschöpfen. Selbst im Iran fliegt man nicht ständig mit dem Gedanken an die Wahrscheinlichkeit, abgeschossen zu werden.
Man arbeitet hart daran, Probleme zu minimieren und die Mission zu erfüllen. Man überprüft ständig, wie viel Treibstoff man hat, stellt sicher, dass sich keine Fehlfunktion im Flugzeug entwickelt, und versucht, sich auf die Möglichkeit vorzubereiten, beschossen zu werden. Dafür haben wir all die Jahre trainiert. Es gibt also keine Angst und keinen Schrecken, sondern Wachsamkeit und Professionalität – und das hilft einem, aufmerksam zu bleiben und sicher nach Hause zu kommen.«
Nur ein kleiner Teil des Puzzles
Ein entscheidender Faktor für die Fähigkeit der IAF, Abschussrampen im Iran aufzuspüren und zu jagen, ist der Nachrichtendienst. Die für diese Angelegenheit zuständige Stelle ist die Abteilung für Boden-Boden-Raketen im Nachrichtendienst der Luftwaffe. Die Einheit leitet die Bemühungen, Abschussstellen und andere Infrastruktur im Zusammenhang mit dem ballistischen Raketensystem zu lokalisieren, Ziele zu validieren und den Flugzeugen der israelischen Luftwaffe Echtzeit-Anweisungen zu geben. »Um Abschussrampen zu treffen, braucht man enorme Unterstützung«, sagte Drohnenpilot A.
»Es ist nicht so, dass man mit einem Gewehr durch den Iran streift, nach Abschussrampen sucht, zielt und schießt. Man braucht gehaltvolle Informationen, die es einem ermöglichen, effektiv zu sein. An dieser gesamten Mission sind viele Partner beteiligt, vom Geheimdienstpersonal bis hin zu den technischen Teams im Geschwader, die unglaubliche Arbeit leisten.«
Der Kampfflugzeug-Navigator A. betonte zudem, dass er nur die Person sei, die am Ende der Kette den Knopf drücke. »Das ist ein Orchester mit vielen Musikern«, sagte er. »Die Techniker, die die Bomben an die Flugzeugflügel hängen, die Unteroffiziere der Navigation, die die Treibstoffplanung übernehmen, das Geheimdienstpersonal. Viele Menschen müssen zusammenarbeiten, damit das Ganze funktioniert. Ich bin nur ein kleiner Teil dieses Puzzles.«
Es ist wichtig zu betonen, dass aus Sicht der IAF die Missionsdefinition in Bezug auf Irans ballistisches Raketensystem in der »systematischen und fortlaufenden Beschädigung des ballistischen Raketensystems« besteht. »Wir wussten von Anfang an, dass es nicht möglich sein würde, die Zahl der Abschüsse auf null zu reduzieren«, sagte A.
»Irans Boden-Boden-Raketenarsenal ist weit verstreut, groß und umfasst sehr viele Menschen. Jeder Angriff auf das eigene Territorium trifft uns tief. Jedes Mal versuchen wir zu prüfen, ob wir etwas besser machen oder ändern können, damit die nächsten Angriffe effektiver sind. Aber wir werden niemals auf null Raketenabschüsse kommen. Das ist unmöglich.
Also versucht man, das Glas als halb voll zu betrachten. Man sagt sich: Ich weiß, sie hätten weit mehr abschießen können, und es gelingt ihnen nicht. Andererseits schmerzt jede Rakete, die Israel trifft, sehr.«
Diese Gespräche fanden am Montag letzter Woche statt, unmittelbar nachdem US-Präsident Donald Trump erklärt hatte, er führe Gespräche mit dem Iran über eine Beendigung des Krieges. Keiner meiner Gesprächspartner konnte wissen, in welche Richtung der Wind im Weißen Haus weht. Dennoch gab A. einen Einblick aus der Sicht eines Offiziers. »Die Verfolgung der Abschussrampen und die Verringerung der Angriffe auf Israel sind Teil des militärischen Drucks, der zu einer diplomatischen Lösung führen soll«, sagte er, »denn sonst wird es immer jemanden geben, dem es gelingt, eine Rakete abzufeuern.«
Lesen Sie hier Teil 1 dieses Artikels.
(Der Artikel ist auf Englisch beim Jewish News Syndicate erschienen. Übersetzung von Florian Markl)






