Der jüngste Todesfall eines israelischen Beduinen bei einem Polizeieinsatz wirft Licht auf die von Problemen gekennzeichnete Lage dieser arabischen Gemeinschaft im jüdischen Staat.
Zum Zeitpunkt der israelischen Unabhängigkeitserklärung 1948 lebten im Negev etwas mehr als 20.000 Beduinen, die im Wesentlichen in der Siyagh genannten Gegend im Osten und Norden der Stadt Beerscheba angesiedelt waren.
Nicht zuletzt, um Wanderung und Migration der Beduinenstämme in die Nachbarländer Ägypten und Jordanien und damit den Schmuggel einzuschränken, errichtete Israels Regierung mehrere städtische Siedlungen wie Tel Sheva (1967), Rahat (1972) mit heute 75.000 Einwohnern, Shaqib al-Salam (1979) und Ar´are, Lakiya, Kuseifa und Hura (1982) mit jeweils an die 20.000 Bewohnern. Rahat lag im Wanderungsgebiet des Tayaha-Stammes, Shaqib al-Salam im Gebiet der Azazme.
Zweierlei Maß
Die Einzugsgebiete der Stämme hatten in den seit der Zeit der Osmanen geführten Grundbüchern keinen Niederschlag gefunden. Spezielle Regeln wie der Nachweis einer Nutzung von traditionellen Wasserstellen sollten für die Beduinen eine Eintragung in die Grundbücher und damit die Legalisierung ihrer Ansprüche erleichtern.
Ein Teil der Beduinen widersetzte sich der staatlich geförderten Urbanisierung und errichtete in ihrem Stammesgebiet mobile Siedlungen wie etwa Tarabin, von denen viele aber staatlich nicht anerkannt wurden. Staatlichen Räumungsbefehlen wurde Widerstand geleistet, wozu auch Vandalismus in jüdischen Dörfern in der Region gehört.
Darüber hinaus wurde unlängst aufgedeckt, dass Drogen und Waffen aus Ägypten mittels Drohnen ins Land geschmuggelt werden. Das Loyalitätsverhalten gegenüber Israel ist als widersprüchlich zu bezeichnen, denn viele integrierte Beduinen dienen als Freiwillige in der israelischen Armee, teilweise in Eliteeinheiten.
Es liegt an den israelischen Behörden, für die Einhaltung der Gesetze zu sorgen. Die dazu notwendige Objektivität des weit rechtsstehenden, für die Polizei verantwortlichen Ministers Itamar Ben-Gvir wird jedoch vielfach in Zweifel gezogen. Während Israels Rechte im Westjordanland beim sogenannten Price-Tag-Vandalismus jüdischer Bewohner nach palästinensischen Anschlägen von der Polizei Zurückhaltung erwartet, ist es beim beduinischen Vandalismus im Negev umgekehrt – hier schaut Israels Linke gerne weg.
Zuletzt kam bei einem möglicherweise übertriebenen Polizeieinsatz ein Beduine ums Leben. Gegen den Polizisten wurde eine Untersuchung eingeleitet und er selbst unter Hausarrest gestellt. Von Minister Ben-Gvir wurde der Einsatz noch vor Abschluss dieser Untersuchung gerechtfertigt.






