Die vom ehemaligen Generalstabschef Gadi Eisenkot gegründete Zentrumspartei Yashar dürfte eine der stärksten Kräfte in der Knesset werden.
Die Partei Yashar (hebr. »geradlinig« oder auch »aufrichtig«) wurde 2025 ins Leben gerufen und tritt somit bei der Knessetwahl im Herbst 2026 zum ersten Mal an. Entscheidende Person bei ihrer Gründung war der ehemalige Generalstabschef Gadi Eisenkot.
Vorgeschichte: Gadi Eisenkot
Eisenkot wurde als Kind jüdischer Einwanderer aus Marokko in Tiberias geboren und wuchs in Eilat auf. Nach seinem Schulabschluss trat er 1978 in die israelischen Streitkräfte, die Israel Defense Forces (IDF), ein. In den insgesamt 41 Jahren seiner militärischen Karriere arbeitete er sich in der IDF-Hierarchie Schritt für Schritt nach oben. Nach seinem Dienst in der renommierten Golani-Brigade, einer von fünf Infanteriebrigaden, die vor allem bei Operationen zur Verteidigung des Nordens des Landes zuständig ist, war er u. a. Kommandeur der Golani-Brigade, Kommandeur der IDF-Einheit in Judäa und Samaria (dem Westjordanland) sowie Kommandeur des Nordkommandos und stellvertretender Generalstabschef.
Neben seiner militärischen Laufbahn studierte er Geschichte an der Tel Aviv University und Politikwissenschaft an der University of Haifa.
Im Februar 2015 wurde Eisenkot schließlich unter einer von Premier Benjamin Netanjahu geführten Regierung zum Generalstabschef der IDF ernannt. Er bekleidete diesen Posten bis zu seinem Ausscheiden aus den Streitkräften vier Jahre lang bis Anfang 2019. In seine Amtszeit fielen kleinere militärische Auseinandersetzungen mit der Hamas im Gazastreifen. Es gab auch Operationen gegen die Hisbollah im Libanon und Aktivitäten zur Unterstützung der syrischen Opposition. Zudem gab es Sabotageakte und andere Anschläge gegen Einrichtungen und führende Personen des iranischen Atomprogramms. Insgesamt wird Eisenkots Funktionsperiode aber als einigermaßen ruhige Zeit eingeschätzt, in der Israel vor allem in keinen größeren Krieg verwickelt war.
Nach seinem Ausscheiden aus der Armee Anfang 2019 wurde Eisenkot Senior Fellow beim Institute for National Security Studies in Tel Aviv und zeitweise auch Fellow beim Washington Institute for Near East Policy in Washington, D. C. Dort beschäftigte er sich mit Sicherheitsstrategie und Verteidigungspolitik.
Politische Karriere
Im Vorfeld der Knessetwahl 2022 stieg Eisenkot in die Politik ein: Er schloss sich einem Wahlbündnis der Blau-Weiß-Fraktion von Benny Gantz und der Partei Neue Hoffnung (hebr.: »Tikwa Chadascha«) des Likud-Abtrünnigen Politikers Gideon Sa’ar an, das unter dem Namen Nationale Einheit (»HaMahane HaMamlakht«, übersetzt eigentlich »Staatslager«) antrat. Es erzielte schließlich zwölf Mandate, Eisenkot zog in die Knesset ein.
Nach dem Hamas-Massaker am 7. Oktober 2023 wurde Eisenkot Minister ohne Geschäftsbereich in der nunmehr gegründeten Notstandsregierung unter Premier Benjamin Netanjahu. Der Krieg wurde für Eisenkot auch zur persönlichen Katastrophe: Im Dezember 2023 wurde sein 25 Jahre alter Sohn Gal als Soldat bei Kämpfen im Gazastreifen getötet. Auch zwei Neffen Eisenkots fielen im Krieg gegen die Hamas. Seiner Trauer über die verlorenen Angehörigen gab er jüngst in einem Gastbeitrag für die Zeitung Yediot Acharonot Ausdruck. Darin schrieb er:
»Ich betrauere das weit verbreitete nationale Gefühl, dass etwas Tiefgreifendes und Grundlegendes im Bund zwischen dem Volk und seinen Führern zerbrochen ist. Ich schaue mir Gals Freunde an – säkulare, traditionelle und religiöse Menschen aus Tel Aviv, aus dem Westjordanland und sogar, wie ich, aus Eilat. Unter ihnen sind Israelis aus dem rechten, dem linken und dem politischen Zentrum. Der Gedanke, dass sie alles geben, der Staat sie aber nicht wahrnimmt, ist für mich unerträglich und verstößt gegen das Versprechen, das im Kern des zionistischen Projekts steht.
Wir müssen es selbst in die Hand nehmen, den Lärm auszublenden, in uns zu gehen und nach vorne zu blicken, uns ein anderes Israel vorzustellen – eines, dessen Führungskräfte die Wahrheit sagen, einen Kurs vorgeben und Hoffnung geben, das Israel, an das wir uns alle erinnern und von dem wir träumen. (…) Gemeinsam werden wir eine gemeinsame und bessere Gegenwart und Zukunft gestalten. Das ist möglich. Daran glaube ich. Glaubt mit mir daran.«
Aufgrund von Differenzen, nicht zuletzt über die Kriegsführung im Gazastreifen, die auch von Eisenkot mehrfach lautstark kritisiert wurde, schied das Bündnis Nationale Einheit im Juni 2024 wieder aus der Regierung aus.
Ein Jahr später verließ Eisenkot unter Verweis auf ideologische Differenzen das Bündnis Nationale Einheit und trat auch als Knesset-Abgeordneter zurück. Mitte September 2025 gab er schließlich die Gründung der Partei Yashar bekannt, an der mit Shir Siegel, der Tochter zweier ehemaliger Geiseln in Gaza, Yoav Horowitz, einem früheren hochrangigen Mitarbeiter von Premier Netanjahu, und zwei ehemaligen Abgeordneten der Arbeitspartei auch einige politisch bekannte Gesichter beteiligt waren. Mit dem ehemaligen Shin-Bet-Chef Yoram Cohen und dem Ökonomen Shaul Meridor kamen in weiterer Folge noch weitere bekannte Persönlichkeiten hinzu.
Yashar positioniert sich als Zentrumspartei, die sich inhaltlich deutlich von der derzeit amtierenden Rechtskoalition Netanjahus abheben möchte. Wichtige Inhalte sind der Erhalt Israels als jüdischer und demokratischer Staat, die Stärkung staatlicher Institutionen, die Überwindung der tiefgehenden gesellschaftlichen Spaltung der letzten Jahre und selbstverständlich die Sicherheitspolitik, in der Eisenkot mit seiner Kompetenz als ehemaliger IDF-Generalstabschef zu punkten hofft.
Ausblick
Nachdem die Oppositionspolitiker Jair Lapid und Naftali Bennett Ende April 2026 die Gründung eines Wahlbündnisses ihrer Parteien (Jesch Atid und Bennett 2026) bekanntgaben, umwarben sie auch Gadi Eisenkot, der gemeinsamen Wahlplattform beizutreten. Bislang sieht es allerdings so aus, als wolle Eisenkot aus wahltaktischen Gründen mit seiner Partei selbstständig antreten.
Aktuelle Umfragen scheinen diese Entscheidung zu bestätigen, denn Yashar werden laut den jüngsten Erhebungen rund zwanzig Mandate vorhergesagt. Die Partei würde damit bei ihrem ersten Antreten auf Anhieb zur drittstärksten Kraft in der Knesset werden, fast gleichauf mit dem Likud von Premier Netanjahu und dem Lapid-Bennett-Bündnis Beyachad.
Yashar könnte aus der Wahl sogar als stimmenstärkste Kraft aus dem Anti-Netanjahu-Lager hervorgehen. Sollte dieses über eine Regierungsmehrheit verfügen, wäre Eisenkot dann der Favorit auf den Posten des Premierministers.






