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Israelische Parteien: Vereinigtes Tora-Judentum

Jitzchak Goldknopf, Vorsitzender des israelischen Wahlbündnisses Vereinigtes Tora-Judentum. (© imago images/Anadolu Agency)
Jitzchak Goldknopf, Vorsitzender des israelischen Wahlbündnisses Vereinigtes Tora-Judentum. (© imago images/Anadolu Agency)

Das Bündnis Vereinigtes Tora-Judentum (VTJ) gilt als Vertreter des aschkenasisch-haredischen Teils der israelischen Gesellschaft.

Bei dem Wahlbündnis Vereinigtes Tora-Judentum (hebr. Jachdut HaTorah/»Hüter der Tora«) handelt es sich um einen Anfang der 1990er-Jahre entstandenen Zusammenschluss zweier haredischer (»ultraorthodoxer«) Parteien. Im Unterschied zur Schas-Partei, die sich als Vertretung sephardischer und mizrachischer Juden versteht, sieht sich VTJ als Repräsentant der aschkenasisch-haredischen Juden.

Seit seiner Gründung war das Bündnis an etlichen Regierungskoalitionen beteiligt, wobei es weniger ein umfassendes politisches Programm vertritt, als vielmehr Klientelpolitik betreibt. Sie konzentriert sich vor allem auf die Absicherung von Sozialleistungen für Ultraorthodoxe, die Finanzierung haredischer Bildungseinrichtungen und die Befreiung der Haredim vom allgemeinen Wehrdienst.

Hintergrund

Das Wahlbündnis Vereinigtes Tora-Judentum wurde 1992 gegründet, um bei Knessetwahlen die Stimmen aschkenasisch-haredischer Juden zu bündeln und deren Interessen abzusichern. Es ist ein Zusammenschluss der beiden ultraorthodoxen Parteien Agudat Israel und Degel HaTorah, die unterschiedliche Gruppen des ultraorthodoxen Judentums repräsentieren: Agudat Israel (»Bund Israels«) jene der Chassidim, Degel HaTorah (»Banner der Tora«) jene der Mitgnadim, der auf Rabbi Elijah Ben Salomon Salman zurückgehenden sogenannten »Litauer«.

Historisch waren die Haredim antizionistisch eingestellt. Die Erlösung des jüdischen Volkes konnte in ihren Augen nur durch die strenge Befolgung der religiösen Gesetze erreicht werden, nicht aber durch ein weltliches politisches Projekt wie die Gründung eines jüdischen Staates. Nach dem Holocaust und der Gründung Israels wich der ehemals strikte Antizionismus, von wenigen Ausnahmen wie der marginalen Gruppierung Naturei Karta abgesehen, einem pragmatischeren Nicht-Zionismus, der den Staat als Mittel zur Absicherung haredischen Lebens betrachtet.

Folglich befasst sich VTJ vor allem mit praktischen Fragen, die das Leben von Haredim in Israel betreffen: Sozialleistungen für kinderreiche Familien, die Finanzierung ihres eigenen Schulsystems und anderer Einrichtungen, Widerstand gegen die Wehrpflicht für Ultraorthodoxe und Kampf gegen die zunehmende Zurückdrängung religiös fundierter Regeln im öffentlichen Leben (bei Schabbat-Regeln, Eheschließungen etc.).

Als Wahlbündnis verfügt VTJ über keinen eigenen Parteiapparat, die konstituierenden Parteien behalten ihre Eigenständigkeit, stellen ihre eigenen Kandidaten auf und behalten ihre eigenen Führungen. Ein entscheidender Unterschied zu üblichen westlich-demokratisch geprägten Parteien/Bündnissen besteht darin, dass im VJT nicht gewählte Politiker, sondern nicht-gewählte religiöse Autoritäten in den wesentlichen Punkten das Sagen haben.

Politische Bedeutung

Anders als andere Parteien bzw. Wahlbündnisse ist VTJ nicht darum bemüht, über die eigene Kernklientel hinaus Wählerstimmen zu gewinnen. Das führt zu relativ konstanten Wahlergebnissen ohne große Fluktuationen. In den 1990er-Jahren gewann VJT vier bis fünf Mandate, infolge der demographischen Entwicklung der Haredim in Israel stieg diese Zahl ab den 2000er-Jahren auf sechs bis acht Sitze in der Knesset.

Obwohl UTJ also nicht den Anspruch erhebt, eine Volkspartei zu sein, und ihr absolutes Mandatsgewicht überschaubar ist, spielt das Bündnis im israelischen politischen System eine nicht zu unterschätzende Rolle: Da Regierungsmehrheiten oft von ihren Stimmen abhängen, übt es einen Einfluss aus, der sich nicht an der Zahl der gewonnenen Mandate ablesen lässt.

Als religiös-konservatives Bündnis tendiert VJT naturgemäß zu Koalitionen mit rechten Parteien, war 1999–2000 auch an einer von Ehud Barak (Arbeitspartei) geführten, linken Regierung beteiligt. Entscheidend sind weniger große weltanschauliche Positionen als vielmehr die Frage, welche anderen Parteien gewillt sind, die Klientelpolitik der Ultraorthodoxen zu finanzieren und deren aus historischen Kompromissen aus der Zeit der Staatsgründung resultierenden Privilegien unangetastet zu lassen.

Die zeigt sich beispielsweise an den Streitpunkten, die VJT in der Vergangenheit zum Gang in die Opposition bzw. zum Austritt aus Regierungskoalitionen veranlasst haben. Dabei ging es stets um Streit über Schabbat-Regelungen, Religionspolitik, Budgetfragen und den Konflikt über die Befreiung von der Wehrpflicht. Selbst die Aufstellung eigener Haridim-Einheiten in den israelischen Streitkräften ist für die Ultraorthodoxen inakzeptabel.

Innerisraelische Kritik

Unter den zahlreichen Israelis, die außerhalb des Lagers der Haredim stehen, stoßen die Ultraorthodoxen und deren Ansprüche auf immer lautere Kritik. Ihnen wird vorgeworfen, die Staatsaufgaben maßlos zu belasten, während sie auf der anderen Seite kaum etwas zur wirtschaftlichen Entwicklung und zur Steigerung des Wohlstandes im Land beitragen In ihren separaten, vom Staat finanzierten, religiösen Bildungseinrichtungen, so ein Vorwurf, würden sie praktisch keine der Kenntnisse und Fertigkeiten lernen, die ihnen später einen Einstieg ins normale Arbeitsleben ermöglichen würden.

Der mit Abstand wichtigste Streitpunkt ist allerdings das Festhalten von VTJ an der Befreiung der ultraorthodoxen Jeschiwa-Studenten vom Militärdienst. Viele Israelis empfinden das als eine nicht länger hinnehmbare Ungerechtigkeit, insbesondere in den Kriegen seit dem Hamas-Massaker in Israel am 7. Oktober 2023. Den Haredim wird vorgehalten, nichts zur Verteidigung des Landes beizutragen, das ihnen ihr Leben sichert und finanziert.

Der Streit um die Wehrpflicht war denn auch der Grund, weshalb VJT im Sommer 2025 die aktuelle Regierung unter der Führung Benjamin Netanjahus verlassen hat und die Opposition gegangen ist.

Aktuelle Umfragen für die im Herbst bevorstehende Knessetwahl prognostizieren UTJ den Gewinn von sieben bis acht Mandaten.

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