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Israelfeindliche Asymmetrie: Warum die Knüppel von Bilbao kaum Empörung auslösen

Die Polizei von Bilbao empfing die Aktivisten der Sumud-Flottille nicht sehr freundlich
Die Polizei von Bilbao empfing die Aktivisten der Sumud-Flottille nicht sehr freundlich (© Imago Images / Europa Press)

Wenn Ben-Gvir in Aschdod verbal provoziert, fordern Europas Medien sofort Sanktionen. Wenn die spanische Polizei dieselben Flottille-Aktivisten am Flughafen in Bilboa mit Knüppeln blutig schlägt, herrscht Schweigen.

Schlagstöcke sausen nieder, Polizisten in voller Montur ringen unbewaffnete Gaza-Aktivisten gewaltsam zu Boden, treten mit Füßen nach ihnen und zerren sie schließlich über die nackten Fliesen. Wer die Bilder dieser Szene sieht, spürt sofort die physische Härte gegen Menschen, die sich eben noch für ihre Solidarität feiern lassen wollten. Die Opfer sind spanische Mitglieder der pro-palästinensischen Sumud-Flottille. Die Videos im Netz lassen keinen Zweifel daran, dass hier mit massiver polizeilicher Gewalt gegen sie vorgegangen wird.

Doch diese Szenen spielten sich an diesem Wochenende nicht etwa im Hafen von Ashdod ab. Es war überhaupt kein israelischer Grenzschutz, der hier zuschlug, sondern die regionale Polizei in Spanien.

Im Terminal des Flughafens von Balboa sammelten sich Verwandte und Sympathisanten, um sechs Sumud-Aktivisten nach ihrer Abschiebung durch israelische Behörden und nach der Zwischenlandung in der Türkei in Empfang zu nehmen.

Wie der öffentlich-rechtliche Sender TVE berichtet, eskalierte die Situation, als ein Angehöriger versuchte, zu den Ankömmlingen durchzubrechen. Ein Polizeibeamter unterband Annäherungsversuche mit physischer Nachdrücklichkeit, was unmittelbare, gewaltsame Tumulte auslöste. Die vom Sender ausgestrahlten Aufnahmen belegen, wie Einsatzkräfte im Terminal ihre Schlagstöcke gegen Personen einsetzten und Aktivisten am Boden fixierten, während eine gellende Kulisse aus Rufen und Pfiffen der Umstehenden die Halle erfüllte.

Flucht nach vorne

Als die ersten Videos des Vorfalls zirkulierten, versuchten antiisraelische Akteure im Netz, diese als gefälscht darzustellen. Sie wollten gezielt das Bild einer Solidarität zwischen der spanischen Regierung und der Hilfsinitiative öffentlichkeitswirksam inszenieren. So warfen sie in etlichen Postings und Kommentaren Israel vor, der Mossad habe KI-Aufnahmen mit dem Senderlogo von TVE versehen, um die Flottille zu diskreditieren. Die Behauptung verzweifelter Internet-Intifadisten schlug jedoch gleich fehl. Kurz darauf verifizierten so unterschiedliche Medienhäuser wie Al Jazeera und die Jerusalem Post die gewaltsamen Zusammenstöße zwischen den Aktivisten und der Polizei in Spanien.

In einer offiziellen Stellungnahme bestätigte dann die baskische Regionalpolizei Ertzaintza den Zugriff. Die vorläufige Bilanz des Einsatzes umfasst vier Festnahmen wegen schweren Ungehorsams, Widerstands gegen Vollstreckungsbeamte und tätlichen Angriffs auf Amtsträger. Die verletzten Tatverdächtigen wurden auf die Wache in Deusto gebracht.

Angesichts dessen sah sich die Sumud-Flottille gezwungen, eine Flucht nach vorn zu wagen. Die Organisation räumte plötzlich ein, dass das Begrüßungskomitee im normalerweise palästina-solidarischen Spanien diesmal aggressiv und gewaltsam auftrat. Allerdings bemühten sich die Blockadebrecher umgehend, das Ruder herumzureißen, um den Fokus der Öffentlichkeit strategisch wieder auf Israel zu lenken. In ihrer online nachlesbaren Pressemitteilung, originalsprachig auf Englisch, erklärten sie:

»Die Global Sumud Flotilla (GSF) bringt ihre tiefe Empörung und Verurteilung nach einem gewaltsamen Angriff der baskischen autonomen Polizei gegen frisch zurückgekehrte Flottillen-Teilnehmer am Flughafen Bilbao zum Ausdruck. Diese Aktivisten, die gerade erst Tage systematischer Entführung, Folter sowie schwerer psychischer und physischer Gewalt durch die israelischen Besatzungskräfte (IOF) überlebt hatten, wurden bei Betreten ihres Heimatbodens nicht mit Gewährung von Zuflucht begrüßt, sondern mit sofortiger, gezielter Polizeibrutalität konfrontiert.«

Damit nicht genug: Die Sumud-Pressemitteilung greift auch noch in die Kiste der Verschwörungstheorien, um Israel einer Mitwirkung zu bezichtigen und den spanischen Polizeieinsatz als ferngesteuerte, geheimdienstliche Kooperation darzustellen. So hätte die baskische Polizei millionenschwere Sicherheitsverträge mit Jerusalem, würde von ehemaligen Mossadagenten ausgebildet und sei mit israelischer Überwachungstechnik ausgerüstet, raunten die Aktivisten.

Was nun, Weltpresse?

Wo sind die Sondersendungen und die Rügen der Außenministerien? Wer gedenkt, die Härte der spanischen Polizei gegen die Sumud-Aktivisten zu kritisieren? Das Schweigen vieler internationaler Medien und Regierungen zu den Schlagstöcken von Balboa ist ohrenbetäubend.

Dabei klang es nur wenige Tage zuvor noch ganz anders. Da hatte die israelische Marine die Schiffe der pro-palästinensischen Global-Sumud-Flottille, welche die Seeblockade vor dem Gazastreifen durchbrechen wollten, auf offener See abgefangen. Die rund 430 internationalen Aktivisten wurden daraufhin zur Registrierung in den südisraelischen Hafen von Ashdod gebracht. Israels Nationaler Sicherheitsminister Itamar Ben-Gvir besuchte sie und veröffentlichte ein Video auf X, in dem er mit einer israelischen Flagge und sprücheklopfend zwischen den am Boden fixierten Aktivisten stand.

»Eklat in Israel: Sicherheitsminister demütigt Aktivisten«, schrieb die Süddeutsche Zeitung empört, die mit Bezug auf die Sumud-Akteure von »Gaza-Helfern« sprach. Die taz forderte wutentbrannt: »Alle Siedler auf die EU-Sanktionsliste – auch die Minister!«

Frankreichs Außenminister Jean-Noël Barrot verhängte nach dem Zwischenfall ein Einreiseverbot gegen Ben-Gvir. Der spanische Außenminister José Manuel Albares überschlug sich in blindem Eifer und brandmarkte Ben-Gvirs Behandlung der Insassen der Sumud-Flottille als »monströs«, »unmenschlich« und »beschämend«. Spaniens Ministerpräsident Pedro Sánchez, der bereits 2025 die Einreise Ben-Gvirs verbieten lassen hatte, kündigte an, Sanktionen in ganz Europa durchdrücken zu wollen. Wie Dominosteine fielen andere westliche Hauptstädte nacheinander um und überboten sich darin, den moralisierenden Zeigefinger auf Israel zu richten.

Das Video aus Ashdod zeigt aber keine Knüppelschläge, geschweige denn Folter, sondern die rechtmäßige Fixierung von Personen nach dem unbefugten Eindringen in eine militärische Sperrzone. Die »Zurschaustellung« dieser Akteure verletzte keineswegs Artikel 13 des III. Genfer Abkommens, der Kriegsgefangene vor öffentlicher Neugier schützen soll. Diese Regeln gelten ausschließlich für Kombattanten.

Die Aktivisten sind hingegen fremde Zivilisten, die Sicherheitsanweisungen ignorierten und sich bewusst unter ein ideologisches Banner der Hamas stellten, das den permanenten Terror gegen Israel feiert. Natürlich war das für Ben-Gvir ein gefundenes Fressen, und er war nicht gekommen, um Sandwiches zu verteilen. Seine Aussagen und sein Fahnenschwenken mögen plump und populistisch gewesen sein. Aber er ist amtierender Minister in der einzigen Demokratie des Nahen Ostens, und zwar während eines Mehrfronten-Angriffskrieges gegen sein Volk.

Diese eklatante Asymmetrie in der Wahrnehmung offenbart ein bekanntes Muster des israelbezogenen Antisemitismus. Der Reflex, den jüdischen Staat bei jeder Gelegenheit scharf zu verurteilen, während gleichzeitig weit gravierendere Entgleisungen im eigenen europäischen Hinterhof verschwiegen oder relativiert werden, bedient eindeutig ideologische Doppelstandards.

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