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Israelboykott-Bewegung: »Lacht nicht mit Juden«

Der israelische Komiker Guy Hochman ist mit Boykotten konfrontiert
Der israelische Komiker Guy Hochman ist mit Boykotten konfrontiert (© Instagram, Guy Hochman)

Jeder vierte oder fünfte Einwohner von Beverly Hills ist Schätzungen zufolge jüdisch. Ausgerechnet dort wurde kürzlich ein jüdischer Künstler von einem Veranstaltungsort ausgeladen, nachdem Israelhasser mit Gewalt gedroht hatten.

Der israelische Stand-up-Comedian Guy Hochman – dessen Programm zum großen Teil auf Hebräisch ist – ist, wie die meisten Israelis, Soldat der Reserve. Nach dem 7. Oktober 2023 konnte er wegen seiner Krebserkrankung nicht in den Kampfeinsatz. Darum entschied er sich, seine Kameraden in ihrer Freizeit mit Comedy-Unterhaltung zu unterstützen.

»Einen Monat vor Kriegsbeginn erhielt ich die Diagnose und konnte deshalb nicht kämpfen«, so der 37-jähirge Hochman in einem Interview mit dem Magazin Hollywood Reporter. »Meine Kameraden sagten zu mir: ›Stärke die Moral!‹ Und genau das tat ich. Ich besuchte Stützpunkte, drehte Videos und trat als Stand-up-Comedian im Feld auf. Ich tat alles, um meinen Leuten in dieser irren Zeit etwas Ablenkung zu bieten.« Es sei das, worauf er am meisten stolz sei, sagt er. »Fünf meiner Freunde fielen am 7. Oktober. Am sechsten Kriegstag ging ich ins Feld. Mein Sohn wurde zur selben Zeit geboren. Ich nannte ihn Oz, was Stärke und Freundschaft bedeutet. So bin ich.«

Seit einigen Wochen tourt Hochman durch Nordamerika. Seine Stand-up-Comedy-Tournee wurde in mehreren Städten von Protesten begleitet, und sein geplanter Auftritt in New York City musste aus Sicherheitsgründen abgesagt werden.

Anfang des Monats wurde er zudem von kanadischen Grenzbeamten mehrere Stunden lang festgehalten, nachdem die anti-israelische Lawfare-Organisation Hind Rajab Foundation Anzeige gegen ihn erstattet und dem Komiker Kriegsverbrechen und »Anstiftung zum Völkermord« vorgeworfen hatte. Hochman wurde freigelassen und nicht angeklagt, sein kanadisches Visum jedoch annulliert. »Sie fragten mich alles Mögliche. Nach meinem Wehrdienst, meinen Eltern, meinem Leben. Ich verstand nicht, warum. Eine Stiftung hatte Anzeige erstattet, und die Behörden wurden aktiv.«

Der israelische Außenminister habe sich dann eingeschaltet. »Es war ernst. Sechs Stunden lang, ohne Wasser. Als ich endlich auftrat, beschimpften mich Demonstranten draußen als Kindermörder. Sie griffen meinen Manager an.« Er erstattete Anzeige bei der Polizei in Toronto. In New York wurde dann seine Show abgesagt. »Ich war schockiert. Sie blockierten mir den Zutritt zu einem Comedy-Club in Manhattan.«

Nicht glaubhaft

Das Fine Arts Theater in Beverly Hills, wo Hochman auftreten sollte, erhielt Drohungen. Statt sich schützend vor seinen Künstler zu stellen, verlangte das Theater von diesem eine Erklärung, dass er »Völkermord, Vergewaltigung, Aushungern und Folter von Palästinensern« verurteile. Eine ähnliche Erklärung hatten die Veranstalter des spanischen Reggae-Festival Rototom Sunsplash 2015 von dem jüdisch-amerikanischen Musiker Matisyahu als Bedingung für dessen Auftritt gefordert.

Hochman weigerte sich. Später entschuldigte sich Michael S. Hall, der Präsident des Unternehmens, zu dem das Fine Arts Theater gehört, auf Instagram und auf der Website des Theaters. »Ich entschuldige mich insbesondere bei der jüdischen Gemeinschaft für meine Erklärung und für den Umgang mit dieser Situation«, schrieb Hall. Hall räumte ein, die Entscheidung ohne ausreichende Abwägung getroffen zu haben, und übernahm dafür die Verantwortung. Er bedauerte, wie er mit der Situation umgegangen sei und erklärte, er habe zahlreiche Nachrichten erhalten, darunter auch Androhungen von Gewalt. Es sei falsch gewesen, von einem Künstler einen Gesinnungstest jeglicher Art einzufordern. Das Fine Arts Theater werde auch in Zukunft jüdische und israelische Kunst unterstützen.

Hall erklärte, er wolle sicherstellen, dass das Haus ein Ort kulturellen Ausdrucks ohne Diskriminierung bleibe, und kündigte Gespräche mit Vertretern der lokalen jüdischen Gemeinschaft an. Das Theater habe Hochmans Management kontaktiert und sei grundsätzlich bereit, den Auftritt neu anzusetzen, sofern dies unter sicheren Bedingungen möglich sei. Im Februar wird das Fine Arts Theater zudem Veranstaltungen im Rahmen des 37. Israel Film Festivals ausrichten. Gleichzeitig räumte der Veranstalter ein, die gegen den Comedian erhobenen Vorwürfe nicht belegen zu können.

Hochman äußerte sich in einem Instagram-Video zu den Forderungen und erklärte, er werde sein Heimatland Israel nicht verurteilen. Gegenüber The Hollywood Reporter sagte der frühere Soldat der Israelischen Verteidigungsstreitkräfte, er akzeptiere die Entschuldigung Halls nicht und werde nicht in das Theater zurückkehren. Die Entschuldigung sei aus seiner Sicht nicht aufrichtig:

»Die Entschuldigung erfolgte nur aufgrund des Drucks einer einflussreichen jüdischen Gemeinde, was ich sehr schätze. Besonnene und verantwortungsbewusste Menschen haben sich eingeschaltet und die Sache geregelt, denn die Situation war unglaublich. Glaube ich, dass er es aufrichtig meint? Nein. Er hat es nur getan, weil er unter Druck stand.«

Hochman sagte, für ihn stünden sein Volk und seine Leute über seiner Karriere. »Geld ist mir egal. Ich werde niemals Lügen über mein Volk erzählen. Ich werde niemals Dinge sagen wie ›Vergewaltigung, Aushungern oder Völkermord‹.« »Jüdischer Stolz kommt vor allem anderen«, so Hochman.

»Heute bin ich dran, morgen ist es ein anderer Künstler. Ich bin sehr stolz auf die L.A.-Gemeinschaft. In New York ist es ihnen nicht gelungen und die Show wurde abgesagt. Hier kämpfen die Leute für mich.« Seit dem 7. Oktober verfolge die jüdische Community, was er mache. »Ich war in der Reserve. Nicht offiziell, aber als Reservist. Ich war vor Ort. Die Leute sahen mich als Soldaten. Ich habe ihnen Hoffnung gegeben. Jetzt geben sie sie mir etwas zurück, und das macht mich stolz.«

Unterstützung erhielt Hochman von der Schauspielerin und Komikerin Amy Schumer. In einer Instagram-Story kritisierte Schumer die Forderung des Veranstalters als »absolut falsch« und erklärte, kein Künstler dürfe gezwungen werden, eine politische Entschuldigung zu unterzeichnen, nur um auftreten zu dürfen. Sie fügte hinzu, das Theater habe erst nach öffentlicher Kritik nachgegeben und bezeichnete den Vorfall als inakzeptablen Versuch, Künstler durch politischen Druck zum Schweigen zu bringen.

Der Fall reiht sich ein in eine Serie von Vorfällen, bei denen jüdische Künstler in den USA, Frankreich oder Großbritannien nicht auftreten durften — sei es, weil die Veranstalter »Sicherheitsbedenken« geltend machten oder weil sie den Künstlern vorwarfen, in sozialen Medien pro-israelische Meinungen vertreten zu haben.

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