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Israel und USA koordinieren militärische Zusammenarbeit

IDF Generaltsabschaf Herzi Halevi mit dem Kommandanten des U.S. CENTCOM Michael E während des gemeinsamen Manövers „Juniper Oak“ im Januar
IDF Generaltsabschaf Herzi Halevi mit dem Kommandanten des U.S. CENTCOM Michael E während des gemeinsamen Manövers „Juniper Oak“ im Januar (Quelle: JNS)

Trotz der Annäherung der amerikanischen und israelischen Einschätzungen wird Israel möglicherweise alleine gegen das iranische Atomprogramm vorgehen müssen.

Yaakov Lappin

Am 26. Januar ging die historische fünftägige gemeinsame israelisch-amerikanische Militärübung Juniper Oak zu Ende. Bei der Übung kam es zu einer noch nie dagewesenen Zusammenarbeit zwischen dem für den Nahen Osten zuständigen Zentralkommando des US-Militärs (CENTCOM) und den israelischen Verteidigungsstreitkräften (IDF).

Juniper Oak testete die israelisch-amerikanische Einsatzbereitschaft und förderte die operative Verbindung zwischen den beiden Streitkräften, um sie in die Lage zu versetzen, mit »regionalen Bedrohungen« umzugehen, so die IDF-Sprechereinheit, doch die beabsichtigte Zielgruppe für diese Botschaft scheint der Iran gewesen zu sein.

Etwa 6.500 US-Kommandeure und Soldaten nahmen an Juniper Oak teil, ebenso wie Raketenschiffe und Kampfjets beider Streitkräfte, die auf simulierte Bedrohungen von See aus schossen. Die beiden Luftstreitkräfte übten auch eine Reihe von Szenarien, darunter den Einsatz von Transport- und Luftbetankungsflugzeugen, unbemannten Luftfahrzeugen, Such- und Rettungshubschraubern und B-52-Bombern, die Munition auf Ziele im Süden Israels abwarfen.

Auf See wurden die Raketenschiffe Sa’ar 5 der israelischen Marine von einem amerikanischen Tankflugzeug und in der Luft Kampfjets und Bomber von israelischen und amerikanischen Tankflugzeugen aufgetankt, darunter die amerikanische Boeing KC-46 Pegasus, die in den kommenden Jahren zum Inventar der IAF gehören wird.

Eine erste Bilanz der Übung zogen der Generalstabschef der IDF, Generalleutnant Herzi Halevi, und CENTCOM-Kommandeur General Michael E. Kurilla an Bord eines amerikanischen Flugzeugträgers mitten im Mittelmeer. Mitglieder des IDF-Generalstabs und der Sechsten Flotte der Vereinigten Staaten nahmen ebenfalls teil. 

»Die IDF und das CENTCOM haben die gleiche Sichtweise auf die regionalen Bedrohungen«, sagte Halevi. »Israel weiß, wie es sich verteidigen kann, aber es ist immer gut, wenn unser bester Partner dabei ist, damit wir voneinander lernen können.« Kurilla erklärte seinerseits, die USA seien der Sicherheit Israels verpflichtet und unterstützten den Ausbau des qualitativen militärischen Vorsprungs Israels im Nahen Osten.

Dennoch hat Israel auch seine eigenen, unabhängigen Vorbereitungen für einen möglichen Schlag gegen den Iran getroffen, die sich im vergangenen Jahr beschleunigt haben. Im Jahr 2022 hat die IAF die Fähigkeit zu einem Langstreckenangriff ganz oben auf ihre Prioritätenliste gesetzt, wobei sie detaillierteste Planungen in Bezug auf Aufklärung, Munition, Luftplattformen und Betankungsmöglichkeiten vorgenommen hat. 

»Wir haben unsere Vorbereitungen für Aktivitäten im Iran erheblich beschleunigt«, so der damalige IDF-Stabschef, Generalleutnant Aviv Kochavi, im April 2022. »Ein beträchtlicher Teil des erweiterten Verteidigungsbudgets, wie erst kürzlich zusammengefasst, ist dafür vorgesehen.«

Im Juni 2022 starteten die IDF die einmonatige Militärübung Chariots of Fire, die größte seit Jahrzehnten, bei der auch Langstreckenangriffe auf iranische Atomanlagen simuliert wurden. Gegen Ende der Übung setzte die IAF dutzende von Flugzeugen über dem Mittelmeer ein, um »Langstreckenflüge, Luftbetankung und Angriffe auf weit entfernte Ziele« zu simulieren. Sowohl ein israelischer Alleingang als auch ein gemeinsamer israelisch-amerikanischer Schlag sind im Gespräch, wobei beide Optionen ernst genommen werden müssen, so ein ehemaliger Geheimdienstmitarbeiter gegenüber Jewish News Syndicate.

Brigadegeneral a. D. Yossi Kuperwasser, ehemaliger Leiter der Forschungsabteilung des militärischen Nachrichtendienstes der IDF und ehemaliger Generaldirektor des Ministeriums für strategische Angelegenheiten, konstatierte, das Szenario einer gemeinsamen Operation sei »sicherlich vernünftig«. »Was in jüngster Zeit stattgefunden hat, ist eine Annäherung der amerikanischen und israelischen Ansätze«, sagte Kuperwasser, der derzeit Direktor des Projekts für regionale Nahostentwicklungen am Jerusalem Center for Public Affairs ist.

»Während die Vereinigten Staaten die Schwierigkeiten bei der Erneuerung des Atomabkommens [mit dem Iran] verstehen, haben die Israelis die Idee aufgegeben, eine rote Linie für das iranische Atomprogramm durchzusetzen, die auf der Anreicherung von 250 Kilogramm mit 20 Prozent angereichertem Uran basierte und die Netanjahu zuvor während einer Rede bei den Vereinten Nationen im Jahr 2012 abgesteckt hatte«, sagte er. Da der »Stolperdraht« für Maßnahmen von beiden Ländern, jedes auf seine Weise, verschoben wurde, schienen sie sich auf die Idee geeinigt zu haben, dass man »eine Minute, bevor der Iran mit der Anreicherung von Uran auf die militärische Qualität von 90 Prozent [U-235] beginnt, handeln müsse«.

Notwendige Kooperation mit USA

IDF-Generalmajor a. D. Amos Gilead, geschäftsführender Direktor des Instituts für Politik und Strategie an der Reichman-Universität in Herzliya und ehemaliger Direktor für Politik und politisch-militärische Angelegenheiten im Verteidigungsministerium, erklärte am Donnerstag gegenüber 103FM, dass die Unterstützung Israels durch die USA für die Bemühungen, den Iran an der Entwicklung von Atomwaffen zu hindern, entscheidend sei. Der Iran, so warnte er, sei auf dem Weg zu einer Atomwaffe, und um ihn zu stoppen, »braucht man die Koordination mit den USA«.

Im Juli 2022 erklärte der ehemalige Leiter des Nationalen Sicherheitsrats, Generalmajor Yaakov Amidror, im selben Radiosender: »Wir können den Iran auch ohne die Amerikaner angreifen. Vielleicht nicht so gut, aber wir dürfen uns als Land nicht von den Amerikanern abhängig machen.« 

Kuperwasser wies darauf hin, dass es immer noch Unterschiede in der Wahrnehmung des iranischen Atomprogramms durch Jerusalem und Washington gebe. Die USA könnten theoretisch damit leben, dass der Iran weiterhin Uran auf 60 Prozent anreichert, während dies für Israel eine unannehmbare Situation darstelle.

Juniper Oak, so Kuperwasser, »wurde entwickelt, um dem Iran eine Botschaft zu senden: Ihr seid das Ziel. Das gesamte Konzept zielt darauf ab, sie davon abzuhalten, eine Anreicherung von 90 Prozent zu erreichen. Die Iraner müssen das ernst nehmen. Sie könnten sich einreden, dass diejenigen, die sie abschrecken wollen, dies nicht so lautstark tun. Andererseits können sie diese Botschaft nicht ignorieren.«

Der Iran habe in der Vergangenheit auf erhebliche militärische Drohungen mit einem Rückzug reagiert, insbesondere, wenn diese von den Vereinigten Staaten ausgingen. Beispiele dafür sind die Absage eines Plans zur Verminung der Straße von Hormuz im Jahr 2003 und die Verzögerung des nuklearen Durchbruchs zwischen 2013 und 2015, nachdem Israel 2012 mit einem Angriff gedroht hatte. »Sie nehmen echte Drohungen ernst, wenn sie sie sehen«, meint Kuperwasser.

Nichtsdestotrotz hat der Iran heute genügend Uran auf 20 und 60 Prozent angereichert, um fünf nukleare Sprengköpfe zu produzieren, wenn es weiter angereichert wird und andere Bereiche des Atomprogramms abgeschlossen sind.

»Es ist unklar, wie lange sie brauchen würden, um abschussbereite Bomben zu produzieren. Der Konsens ist zwei Jahre, aber ich vermute weniger, weil ich glaube, dass die Iraner Simulationen [des nuklearen Durchbruchs] durchführen. Einiges von dem, was die Iraner tun, ist öffentlich, zum Beispiel die Produktion von metallischem Uran. Wir wissen auch, dass sie in der Vergangenheit geheime Aktivitäten durchgeführt haben, wie die Atomanlagen, die vor 2003 aktiv waren. Davon haben wir erst 2018 [nach der Razzia des Mossad im iranischen Atomarchiv] erfahren«, sagte er.

Nach Kuperwasser sei Israel in der Lage, im Bedarfsfall alleine zu handeln, da es diese Fähigkeit in den letzten achtzehn Jahren entwickelt habe. »Wenn Israel den Eindruck hat, dass die Amerikaner nichts unternehmen, könnte das auch geschehen. Das ist nicht das beste Szenario, aber es ist auch nicht unvernünftig«, fügte er hinzu. 

Die sunnitisch-arabischen Golfstaaten, die sich durch den Iran massiv bedroht fühlen, bauen unterdessen ihre eigenen Selbstverteidigungskapazitäten weiter aus, die sie im Falle eines regionalen Konflikts nach einem Angriff auf das iranische Atomprogramm aktivieren müssten, insbesondere, sollten die USA in den Angriff verwickelt sein, so der Experte.

Der Artikel erschien auf Englisch beim Jewish News Syndicate. (Übersetzung von Alexander Gruber.)

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