Die Normalisierung der Beziehungen zwischen Israel und Saudi-Arabien wird mit Handelsabkommen beginnen, bevor in einem nächsten Schritt diplomatische Beziehungen aufgenommen werden.
Danny Zaken
Israel und Saudi-Arabien werden voraussichtlich direkte Verhandlungen aufnehmen, um die Grundlage für eine Normalisierung zu schaffen, wobei die USA als Vermittler und Unterstützer fungieren. Dies berichtete die Zeitung Israel Hayom, die amerikanische, arabische und israelische Quellen zitierte, denen zufolge die USA in den letzten Wochen intensive Kontakte gepflegt und daran gearbeitet hätten, eine offizielle Ankündigung über die Aufnahme der Gespräche während des Besuchs des saudischen Kronprinzen Mohammed bin Salman in Washington in etwa einer Woche zu arrangieren.
An den Gesprächen sollen der hochrangige Berater und Schwiegersohn von US-Präsident Donald Trump, Jared Kushner, ein kleines israelisches Team sowie die saudische Botschafterin in Washington, Reema bint Bandar Al Saud und enge Berater von Prinz Mohammed teilnehmen.
Vor dem durch das Hamas-Massaker vom 7. Oktober 2023 ausgelösten Gazakrieg standen die Saudis angeblich kurz vor der Unterzeichnung eines Normalisierungsabkommens mit Israel, doch während des Konflikts änderten sie ihren Kurs, verschärften ihre Bedingungen – insbesondere in Bezug auf die Palästinenserfrage – und kritisierten Israels Vorgehen scharf. Riad sah in der aktuellen Koalitionsregierung Israels keinen geeigneten Partner für eine Normalisierung mehr.
Nun allerdings hat die Entscheidung des israelischen Premierministers Benjamin Netanjahu, Trumps regionale Friedensinitiative zu unterstützen, die einen Weg zu einem palästinensischen Staat skizziert, den Weg für neue Impulse geebnet.
Ein hochrangiger US-Beamter meinte vor einiger Zeit, »im kommenden Jahr werden wir eine echte Annäherung zwischen Israel und Saudi-Arabien erleben. Es wird vielleicht kein vollständiger Beitritt zum Abraham-Abkommen sein, aber zumindest eine bedeutende politische und wirtschaftliche Entwicklung. Das ist kein Glücksspiel, sondern Geopolitik und wirtschaftliche Interessen. Was schon längst hätte geschehen sollen, wird endlich bald geschehen.« Derselbe Beamte sagt nun, dass in den kommenden Wochen ein Durchbruch zu erwarten sei, da die strategischen Interessen Saudi-Arabiens, Israels und der USA derzeit übereinstimmten, auch wenn einige Konfliktpunkte noch ungelöst seien.
Atomprojekt im Mittelpunkt
Das größte Hindernis ist das Beharren Saudi-Arabiens auf eine eigene Atomanlage mit unabhängigen Urananreicherungsmöglichkeiten. Der ehemalige Leiter des israelischen Nationalen Sicherheitsrats, Meir Ben-Shabbat, schrieb, dass Prinz Mohammed diese Forderung mit dem erklärten Vorhaben des Irans rechtfertigt, sein Atomprogramm wieder aufzunehmen.
Ein möglicher Kompromiss wäre ein von den USA gebautes Atomkraftwerk auf saudischem Boden, das von Amerikanern betrieben und gesichert wird. Es bleibt unklar, ob Israel eine solche Vereinbarung akzeptieren würde. In der Vergangenheit hat Israel Berichten zufolge seine Ablehnung gegenüber der Grundidee abgeschwächt, doch die Verhandlungen dauern noch an.
Zusätzlich verlangen die Saudis die Einbeziehung der Palästinensischen Autonomiebehörde in den Rahmenplan für den Wiederaufbau des Gazastreifens, was Israel ablehnt. Laut Quellen, die den Verhandlungen nahestehen, werde dieses Thema den Fortschritt aber nicht blockieren.
Riad unterstützt Israels Position, dass die Hamas gemäß Trumps Zwanzig-Punkte-Plan entwaffnet werden muss, und macht seine Beteiligung am Wiederaufbau des Gazastreifens und an einer multinationalen Stabilisierungstruppe von dieser Forderung abhängig. Es wird erwartet, dass Washington die Saudis dazu drängen wird, sich zumindest am Wiederaufbau der derzeit unter israelischer Sicherheitskontrolle stehenden Gebiete im Gazastreifen zu beteiligen.
Sicherheitskooperation
Der bevorstehende Besuch von Prinz Mohammed bin Salman in Washington dient in erster Linie der Unterzeichnung eines Verteidigungspakts ähnlich jenem, den die USA kürzlich mit Katar geschlossen haben, sowie dem Abschluss wichtiger Waffenlieferverträge. Israels Hauptsorge gilt dem möglichen Verkauf von in den USA hergestellten F-35-Stealth-Kampfflugzeugen an Saudi-Arabien. Berichten dieser Woche zufolge hat das Pentagon den Verkauf von F-35 an das Golfkönigreich bereits genehmigt, vorbehaltlich der weiteren Zustimmung durch das US-Kabinett und möglicherweise den Kongress. Die endgültige Entscheidung liegt jedoch bei Präsident Trump.
Die F-35, ein Stealth-Flugzeug der fünften Generation, wurde bislang an neunzehn Länder verkauft, überwiegend westliche Verbündete. Im Nahen Osten besitzt derzeit nur Israel diesen Kampfjet, und zwar mit dem einzigartigen fortschrittlichen Modell F-35I Adir, das mit Systemen ausgestattet ist, die ausschließlich der israelischen Luftwaffe zur Verfügung stehen. Saudi-Arabien, die Türkei, Ägypten und die Vereinigten Arabischen Emirate (VAE) haben alle ihr Interesse am Kauf von F-35 bekundet.
Benjamin Netanjahu hatte zuvor dem Verkauf von F-35 durch die USA an die VAE als Teil des Abraham-Abkommens zugestimmt, obwohl er dies zunächst dementiert hatte. Riad beruft sich nun auf diesen Präzedenzfall, um eine ähnliche Genehmigung zu erhalten. Die Förderung des Geschäfts durch das Pentagon signalisiert die Bereitschaft Saudi-Arabiens, seine Verpflichtungen zu formalisieren: die Normalisierung der Beziehungen zu Israel im Austausch für die Flugzeuge.
Die regionale Sicherheitskooperation, die bereits unter dem Kommando des US-Zentralkommandos steht, untermauert ebenfalls den aktuellen Prozess. Angesichts der iranischen Bedrohung ist Riad bestrebt, seine Verteidigungspartnerschaft mit Israel zu stärken, insbesondere in Bezug auf Raketenabwehr, Nachrichtendienst und andere fortschrittliche Fähigkeiten. Diese Partnerschaft zeigte sich bereits während des Kriegs Israels mit dem Iran im Juni, als saudische Militärhubschrauber iranische Drohnen auf dem Weg in den jüdischen Staat abfingen.
Angesichts der politischen Zusammensetzung der Koalition Netanjahus und der Vorbehalte Saudi-Arabiens gegenüber ihren rechtsextremen Mitgliedern ist jedoch davon auszugehen, dass eine Normalisierung eher mit Wirtschafts- und Handelsabkommen als mit vollständigen diplomatischen Beziehungen beginnen wird. Ein Diplomat aus der Golfregion erklärte gegenüber Israel Hayom, es seien zwar Fortschritte erkennbar, »es jedoch noch nicht sicher ist, ob es zu einer offiziellen Ankündigung direkter Gespräche kommen wird. Die Chancen für eine vollständige Normalisierung mit der aktuellen israelischen Regierung sind gering, aber die Aussichten für erste Wirtschafts- und Handelsabkommen sind gut.«
Selbst ein solcher Schritt würde einen bedeutenden Durchbruch in den Beziehungen Israels zur arabischen Welt darstellen – es sei denn, überraschende Ereignisse wie jene vom 7. Oktober 2023 bringen den Prozess erneut zum Scheitern.
Der Text erschien auf Englisch zuerst beim Jewish News Syndicate. (Übersetzung von Alexander Gruber.)






