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Israels Luftschiff zur Drohnenabwehr

In einer Ansprache im Februar erklärte Nasrallah, die Hisbollah sei in der Lage, Drohnen zu produzieren
In einer Ansprache im Februar erklärte Nasrallah, die Hisbollah sei in der Lage, Drohnen zu produzieren (© Imago Images / Xinhua)

Das neue System soll helfen, die Luftabwehr im Norden Israels zu verbessern und ein genaueres Luftüberwachungsbild zu bieten, um die Sicherheit am Himmel Israels zu gewährleisten.

Nach mehrmonatigem Testbetrieb hat das israelische Militär im Norden des Landes offiziell ein Luftschiff in Betrieb genommen, das den dortigen Luftraum mit einem besonders weit reichenden Radarsystem überwachen wird. So sollen u. a. mit Raketen bewaffnete oder mit Sprengstoff beladene Drohnen, mit denen die libanesische Terrororganisation Hisbollah israelische Ortschaften angreifen könnte, früher als bislang detektiert werden.

Das Luftschiff, das in einer Kooperation von Luftwaffe, Verteidigungsministerium, Rüstungsindustrie und der US Missile Defense Agency (MDA) entwickelt wurde, trägt den Namen High Availability Aerostat System (HAAS).

Es ist anzunehmen, dass in diesem neuen System sehr viel Technik steckt, die für das Milliarden teure amerikanische US-Joint Land Attack Cruise Missile Defense Elevated Netted Sensor System (JLENS) entwickelt wurde. Dieses Projekt eines auf einem Luftschiff angebrachten Radarsystems wurde in den USA nie großflächig installiert, nachdem der US-Kongress 2016 beschlossen hatte, es nicht mehr zu finanzieren. JLENS-Luftschiffe haben eine Länge von 70 Metern und einen Durchmesser von 24 Metern.

Wie die israelische Nachrichtenwebsite Times of Israel berichtet, ist das Luftschiff mit einem modernen Raketen- und Flugzeugerkennungssystem ausgestattet, das als »Erhöhter Sensor« oder »Himmelstau« (Tal Shamayim) bezeichnet wird. Dieses soll helfen, die Luftabwehr im Norden Israels zu verbessern und ist eine Reaktion auf die Lieferung von Militärdrohnen und Cruise-Missiles, die der Iran mutmaßlich der Hisbollah zukommen hat lassen.

Drohnen bislang kaum zu orten

Drohnen zu orten ist extrem schwierig, wie der Drohnenexperte Igor Tchouchenkov gegenüber Mena-Watch einmal erklärte. Tchouchenkov ist Leiter der Forschungsgruppe Verteilte Systeme am Fraunhofer-Institut für Optronik, Systemtechnik und Bildauswertung. Er meint, dass vor allem kleine Drohnen für herkömmliche militärische Radarsysteme kaum zu detektieren seien.

»Denn Radare zur Luftraumbeobachtung wurden entwickelt, um zwei andere Arten von Zielen zu orten: Zum einen große wie Flugzeuge und Hubschrauber und zum anderen relativ kleine wie Geschosse, die sich sehr schnell bewegen, zu großen Teilen aus Metall bestehen und in kurzer Distanz detektiert werden sollen.«

Kleine Drohnen hingegen bestünden hauptsächlich »aus Kunststoff, Kohlenstofffaser und Ähnlichem, dazu ein wenig Elektronik und kaum Metall«. Darum seien herkömmliche Radarsysteme, die darauf ausgelegt sind, Metall oder größere Objekte zu orten, für diesen Zweck kaum geeignet. Zudem sind alle Objekte schwierig zu erkennen, wenn sie sehr tief fliegen.

»Man kann Drohnen so tief fliegen lassen, dass sie vom Boden aus erst aus einer Entfernung von wenigen hundert Metern geortet werden können.«

Ein weiteres Problem sei, dass ein Radarsystem, das so empfindlich ist, dass es kleine Drohnen orten könne, die Gefahr von Fehlalarmen berge:

»Wenn ein Objekt erkannt wird, das eine Abmessung von mehreren Metern hat, wie etwa ein Hubschrauber, kann man sicher sein, dass es kein Vogel ist. Hat das Objekt aber nur eine Abmessung von 50 cm, ist es nicht einfach zu bestimmen, ob es ein Vogel ist, eine Drohne oder vielleicht ein Stück Zeitungspapier. Ein System, das alles erkennen soll, was in der Umgebung fliegt, kann also eine Unmenge von falschen Alarmen auslösen.«

Ob die an dem israelischen Projekt beteiligten Ingenieure und Techniker dieses Problem gelöst haben – und wenn ja, wie –, ist (noch) nicht bekannt. Dass es aber nach weniger als fünf Monaten Probebetrieb – dieser begann im November 2021 – in Dienst gestellt wurde, lässt vermuten, dass die Vorteile des Systems aus Sicht des israelischen Militärs mehr wiegen als etwaige Mängel.

Hisbollah-Chef droht mit Drohnen und Lenkwaffen

Das Luftschiff soll Israels bestehende Fähigkeiten ergänzen und verbessern, indem die Sensoren in großen Höhen platziert werden. Der Chef der israelischen Luftwaffe, Amikam Norkin, begrüßte das neue System und sagte, es biete ein »genaueres und breiteres Luftüberwachungsbild«. So werde die Luftwaffe besser darauf vorbereitet, die Sicherheit am Himmel Israels zu gewährleisten.

Aus dem Libanon kommende Drohnen dringen immer wieder in den israelischen Luftraum ein. Erst Mitte März wandte sich Israels Botschafter bei den Vereinten Nationen, Gilad Erdan, in einem Brief an UN-Generalsekretär Antonio Guterres, um auf die Bedrohung Israels durch Drohnen und präzisionsgelenkte Raketen der Hisbollah aufmerksam zu machen.

Erdan verwies auf eine Rede des Hisbollah-Generalsekretärs Hassan Nasrallah vom 16. Februar, in der dieser über die »fortgeschrittenen Fähigkeiten seiner Gruppe bei der Eigenproduktion von Drohnen« sprach und diese mittlerweile die Fähigkeit haben, Raketen in präzisionsgelenkte Flugkörper (PGM) umzuwandeln. Nasrallah nahm in diesem Zusammenhang Bezug auf die Unterstützung und Expertise des iranischen Regimes.

Solche Drohnen, so der Botschafter weiter, würden aus dem Operationsgebiet der UN-Beobachtermission UNIFIL im Südlibanon gestartet und seien unter eindeutiger Verletzung der Souveränität Israels in den israelischen Luftraum eingedrungen. Erdan sieht Beweise »für den fortgesetzten militärischen Aufbau der Hisbollah«. Es sei klar, »dass die Hisbollah, der iranische Stellvertreter im Libanon, als Instrument dient, um die Agenda des Irans voranzubringen und nach regionaler Hegemonie zu streben«.

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