Die Europäische Rundfunkunion wird voraussichtlich Mitte Dezember zusammentreten, um über die Teilnahme Israels im Mai nächsten Jahres zu beraten.
Der Direktor des israelischen öffentlich-rechtlichen TV-Senders Kan wies am Montag Forderungen zurück, Israel sollte wegen seines Kriegs gegen die Hamas im Gazastreifen am Eurovision Song Contest 2026 in Wien nicht teilnehmen. »Es gibt keinen Grund, warum Israel nicht weiterhin ein wichtiger Teil dieses kulturellen Ereignisses sein sollte, das nicht politisiert werden darf«, sagte Golan Yochpaz bei einer Veranstaltung des Senders im Eretz Israel Museum in Tel Aviv.
Seit der Gründung der israelischen öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalt im Jahr 2017 unter dem Dachmarkennamen Kan (Hebräisch für »hier«) sei »Israel einer der erfolgreichsten Teilnehmer am Eurovision Song Contest«, so Yochpaz weiter. »In den letzten sieben Jahren belegten seine Vertreter den fünften, dritten, zweiten und ersten Platz.« Der Direktor bestätigte einen Bericht vom Vortag nicht, wonach Kan über inoffizielle Kanäle gebeten worden sei, sich vorübergehend aus dem Wettbewerb zurückzuziehen oder unter neutraler Flagge anzutreten.
Boykottdrohungen
Die Europäische Rundfunkunion (EBU) wird voraussichtlich Mitte Dezember zusammentreten, um über die Teilnahme Israels im Mai nächsten Jahres zu beraten. Die Länder haben bis Ende dieses Jahres Zeit, ihre Teilnahme zu bestätigen. Eurovision-Direktor Martin Green sagte am 11. September, seine Organisation verstehe die »Bedenken und tief verwurzelten Ansichten zum anhaltenden Konflikt im Nahen Osten«, wie die Nachrichtenagentur Reuters berichtete. »Wir beraten uns weiterhin mit allen EBU-Mitgliedern, um Meinungen darüber einzuholen, wie wir mit der Teilnahme und den geopolitischen Spannungen rund um den Eurovision Song Contest umgehen sollen«, so Green in einem Mail.
Die Kontroverse begann, als Irland und die Niederlande vergangene Woche angekündigt hatten, den Eurovision Song Contest im nächsten Jahr zu boykottieren, sollte Israel daran teilnehmen. Der irische öffentlich-rechtliche Sender RTÉ »hält die Teilnahme Irlands angesichts der anhaltenden und erschreckenden Verluste an Menschenleben im Gazastreifen für unverantwortlich«, so Generaldirektor Kevin Bakhurst. Der niederländische Sender AvroTros schloss sich dieser Entscheidung an und begründete dies laut Reuters mit der »hohen Zahl von Journalisten, die im Gazastreifen ums Leben gekommen sind«.
Die öffentlich-rechtlichen Sender Sloweniens, Spaniens und Islands haben Berichten zufolge ebenfalls ihren möglichen Rückzug angedeutet, sollte Israel am Wettbewerb teilnehmen. »Ich glaube nicht, dass wir die Teilnahme Israels an internationalen Veranstaltungen normalisieren können, als ob nichts geschehen wäre«, sagte der spanische Kulturminister Ernest Urtasun gegenüber der spanischen Zeitung El Mundo. »Im Fall des Eurovision Song Contests nimmt nicht ein einzelner Künstler teil, sondern einer im Namen der Bürger dieses Landes.«
Die Wettbewerbe des heurigen Jahres in Basel und des vergangenen Jahres in Malmö waren jeweils von großen Anti-Israel-Demonstrationen wegen des Kriegs im Gazastreifen begleitet worden.






