Der langjährige ORF-Nahostkorrespondent Ben Segenreich analysierte in seinem Vortrag bei der B‘nai B‘rith in Wien die dramatischen Entwicklungen im Nahen Osten – jenseits von Schlagzeilen und einfachen Schwarz-Weiß-Erzählungen.
In seinem Vortrag erklärte Segenreich, warum Israel den Krieg gegen den Iran als existenzielle Notwendigkeit betrachtet, welche Rolle das iranische Raketen- und Atomprogramm tatsächlich spielt und weshalb der Konflikt auch weit über Gaza hinausreicht. Er beschrieb die militärische Schwächung des Iran, den Zusammenbruch des sogenannten »Feuerrings« rund um Israel und die geopolitischen Folgen für Europa, die USA und die arabische Welt. Gleichzeitig sparte er nicht mit Kritik, weder an der israelischen Politik noch an westlichen Missverständnissen über die Dynamik des Konflikts.
Mit analytischer Schärfe, persönlicher Erfahrung und zahlreichen Hintergrundinformationen zeichnete Segenreich das Bild einer Region, die sich an einem historischen Wendepunkt befindet. Dabei ging es nicht nur um Raketen, Militärschläge und Atomwaffen, sondern auch um Angst, Erschöpfung und das tägliche Leben der Menschen in Israel und im Iran.
Im Mittelpunkt des Abends standen auch jene Fragen, die in der öffentlichen Debatte oft zu kurz kommen: Wie stark ist das iranische Regime tatsächlich noch? Welche Rolle spielen Ideologie, Religion und Propaganda in diesem Konflikt? Warum wird der Krieg in Europa oft völlig anders wahrgenommen als in Israel selbst? Und wie real ist die Gefahr einer regionalen Zuspitzung, die weit über den Nahen Osten hinausreichen könnte?
Segenreich sprach dabei nicht nur über militärische Strategien und geopolitische Interessen, sondern auch über die psychologische Erschöpfung einer Gesellschaft, die seit Jahrzehnten mit Krieg, Terror und permanenter Unsicherheit lebt. Seine Analyse verband historische Hintergründe mit aktuellen Entwicklungen und persönlichen Eindrücken aus einer Region, die seit dem 7. Oktober endgültig in eine neue Phase eingetreten ist. Ein Abend über Krieg und Abschreckung, Macht und Ideologie und über die Frage, wie lange der Nahe Osten noch am Rand der Eskalation leben kann.






