Die israelischen Streitkräfte arbeiteten unter Hochdruck daran, ein Instrument gegen die kabelgesteuerten und damit nicht ortbaren Drohnen der Hisbollah zu entwickeln.
Yaakov Lappin
Das israelische Verteidigungsministerium arbeitet an einem beschleunigten Notfallplan, um wirksame Gegenmaßnahmen gegen eine neue und tödliche Bedrohung aus der Luft im Südlibanon bereitzustellen. Erste Lösungen zum Abschuss von Glasfaserdrohnen könnten in wenigen Wochen bis Monaten vorliegen.
Am Donnerstag erklärte ein Vertreter, dass die Israelischen Verteidigungsstreitkräfte (IDF) die Reaktion auf die Bedrohung durch Glasfaserdrohnen weiterentwickeln und ausweiten. Die IDF, angeführt von der Technologischen Brigade der Landstreitkräfte, versorge die Truppen im Libanon mit Drahtgeflechtnetzen, die zur Abwehr der mit Sprengstoff ausgestatteten Drohnen konzipiert seien, so der Vertreter.
Bislang seien den IDF »etwa 158.000 Quadratmeter Netz geliefert worden. Parallel dazu läuft eine zusätzliche Beschaffung von etwa 188.000 Quadratmetern, die zu einem späteren Zeitpunkt eintreffen wird. Die bisher beschaffte Gesamtmenge an Netz entspricht der Fläche von etwa zwanzig Fußballfeldern«, sagte der Vertreter.
Die operative Lücke zwischen der Hisbollah und den IDF im Bereich der Kleindrohnen ist die bedeutendste Schwachstelle, die sich im aktuellen Krieg gegen die vom Iran unterstützte libanesische Terrororganisation auftut.
Nicht ortbare Gefahr
Seit März 2026 und insbesondere seit dem Eintreten des Waffenstillstands am 18. April sind glasfasergesteuerte First-Person-View-Drohnen (FPV-Drohnen) zur wichtigsten Waffe der Hisbollah gegen IDF-Truppen geworden. Innerhalb von zweieinhalb Wochen feuerte die Hisbollah etwa achtzig Sprengdrohnen auf israelische Truppen ab, von denen einige ihre Ziele trafen und Todesopfer sowie Verletzte forderten.
Der systematische Übergang der Hisbollah zu Glasfaserdrohnen ist eine bewusste Nachahmung von Innovationen aus dem Russland-Ukraine-Krieg von 2025. Das physische Glasfaserkabel verbindet den Bediener über Dutzende von Kilometern mit der Drohne. Dadurch senden die Drohnen keine elektromagnetischen Signale aus, verhindern so die Ortung der Abschussquelle und weisen aufgrund ihrer kleinen Elektromotoren und niedrigen Flughöhen nur minimale Radar- und Infrarotsignaturen auf. Dies macht die Optionen der elektronischen Kriegsführung und der Frequenzstörung, auf die sich Israels mehrschichtige Luftabwehr stützt, vollständig unwirksam.
Um dieser Herausforderung innerhalb des erforderlichen Zeitrahmens zu begegnen, hat der Kommandeur der IDF-Bodentruppen, Generalmajor Nadav Lotan, laut einem aktuellen Bericht von Walla News Ende April sieben spezielle Task Forces eingerichtet. Die Teams konzentrieren sich auf rasche Aktualisierungen der Kampfdoktrin, auf Erkennung, Warnung und Abfang sowie auf Fragen des digitalen und elektromagnetischen Spektrums. Darüber hinaus sind sie fokussiert auf passive Verteidigung wie physische Panzerung und Netze sowie auf eine enge Zusammenarbeit mit der Verteidigungsindustrie, um traditionelle, langsamere Beschaffungszyklen zu umgehen.
Eine Reihe von Lösungen steht zur Verfügung. Dazu gehören computergestützte Feuerleitvisiere, die an Sturmgewehren montiert werden können, sowie der Einsatz von 5,56-mm-Splittermunition, von der Israel Tausende Kisten aus den Vereinigten Staaten bestellt hat. Außerdem kommen die genannten Verteidigungsnetze zum Einsatz. So spannen IDF-Soldaten im Südlibanon nun routinemäßig Netze über ihre Fahrzeuge, um Drohneneinschläge zu verhindern.
Die glasfasergesteuerten FPV-Drohnen der Hisbollah kosten schätzungsweise dreihundert bis vierhundert US-Dollar pro Stück.
Unterdessen beschloss das israelische Sicherheitskabinett, eine eigene Fabrik zu errichten, um jeden Monat Tausende von FPV-Drohnen zu produzieren. Dieser strategische Schritt zielt darauf ab, das FPV-Drohnenarsenal des Militärs drastisch zu erweitern. Den IDF wurden zudem Abfangdrohnen angeboten, die angreifende FPV-Drohnen bekämpfen können. Weitere Optionen umfassen die Zusammenarbeit mit großen israelischen Rüstungsunternehmen und Start-ups, um Laser oder Maschinengewehre an optischen oder akustischen Sensoren anzubringen.
Yaakov Lappin ist Korrespondent und Analyst für militärische Angelegenheiten in Israel, hausinterner Analyst am MirYam-Institut, wissenschaftlicher Mitarbeiter am Alma-Forschungs- und Bildungszentrum und am Begin-Sadat-Zentrum für strategische Studien an der Bar-Ilan-Universität sowie Autor von Virtual Caliphate – Exposing the Islamist State on the Internet. (Der Text erschien auf Englisch zuerst beim Jewish News Syndicate. Übersetzung von Alexander Gruber.)






