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Israel auf dem Weg zurück in die Normalität

Ärzte und Pflegepersonal des Sheba Medical Center in Tel Hashomer bekennen sich zu friedlichem Miteinander
Ärzte und Pflegepersonal des Sheba Medical Center in Tel Hashomer bekennen sich zu friedlichem Miteinander (Quelle: Sheba Medical Center)

Der Hamas versuchte, mit der Eskalation der Gewalt durch ihren Raketenterror gegen Israel drei Ziele zu erreichen – was ihr jedoch nur kurzfristig gelang.

Die Hamas versuchte, die letzte Auseinandersetzung mit Israel zur Erreichung mehrerer Ziele zu nutzen. Dies gelang nur kurzfristig, da das politische Geschehen im Nahen Osten bekanntlich schnellen Veränderungen unterworfen ist.

Schwächung der PA

Erstens wurden durch die Provokation der israelischen Polizei auf dem Tempelberg und die folgende Solidarisierung von Palästinensern mit den Unruhestiftern die Palästinensische Autonomiebehörde geschwächt und der für die Al-Aqsa-Moschee zuständige, von Mahmud Abbas eingesetzte Imam verjagt.

In der Tat ist Abbas‘ Ansehen, der vor 16 Jahren auf 4 Jahre zum Präsidenten gewählt wurde, wegen der umfassenden Korruption seiner Fatah-Funktionärsclique auf einem historischen Tiefstand. Er hatte also guten Grund, die für Sommer angesetzten Präsidentenwahlen unter dem Vorwand, dass Israel die Abhaltung in Ost-Jerusalem nicht erlaube, auf unbestimmte Zeit zu verschieben.

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Die westliche Welt scheint das nicht weiter zu stören. Die Palästinensische Autonomiebehörde soll weiterhin in die Verteilung der Hilfsgelder der Vereinigten Staaten eingebunden werden, auch weil die Hamas keine Gelder erhalten soll. Wie das funktionieren soll bleibt allerdings abzuwarten.

Torpedierung der Regierungsbildung

Zweitens war der Hamas ein Dorn im Auge, dass infolge der Pattsituation nach den Parlamentswahlen der arabischen Ra’am-Partei eine Schlüsselfunktion bei der Regierungsbildung zukam, weil sowohl Netanjahu als auch seine Gegner auf sie angewiesen waren und mit ihr verhandelten.

Die gemäßigt islamische Partei wollte sich ohne nationalistische Rhetorik auf die konkreten Bedürfnisse der israelischen Araber konzentrieren. Der Krieg und die Auseinandersetzungen zwischen Arabern und Juden in Israel haben diese Möglichkeit erst einmal auf Eis gelegt, umso mehr als Apelle zur Mäßigung von Vertretern der Partei erst mit Verzögerung kamen.

Der Königsmacher Naftali Bennett nahm die Situation der bürgerkriegsähnlichen Unruhen zum Anlass, die Mitarbeit in einer von einer arabischen Partei gestützten Koalition abzulehnen. Das scheint sich nun aber wieder geändert zu haben. Bennett ist erneut in Verhandlungen mit beiden Seiten und scheint sich wieder Netanjahus Gegner Lapid angenähert zu haben. Die Vergangenheit scheint vergessen und Bennett die Möglichkeit der Duldung einer Regierung durch Ra’am wieder in Betracht zu ziehen.

Schüren von Hass in Israel

Wenngleich Israel, drittens, gegen arabische Synagogenbrandstifter und andere Kriminelle mit an die 200 Anzeigen, und gegen jüdische Provokateure in etwa 30 Fällen mit Verhaftungen vorging, sank das wechselseitige Vertrauen auf einen Tiefpunkt.

Araber müssen um Jobs fürchten. In unserer Anlage etwa ist seit 20 Jahren ein Araber als Verwalter/Hausmeister tätig, der stets als eine Vertrauensperson galt und etwa zum Zuckerfest am Ende des Ramadan eine Torte von den Bewohnern erhielt. Mehrere Parteien verlangen jetzt aus Sicherheitsgründen seine Kündigung, wobei der Ausgang ungewiss ist: In 10 Tagen tagt die Hausversammlung, doch scheinen sich die Gemüter langsam wieder zu beruhigen.

Im Fernsehen läuft unter dem Titel „Jehudim, Arabim, Anaschim“ („Juden, Araber, Menschen“) eine Kampagne von Ärzten und Krankenschwestern, die sich zu Zusammenarbeit und wechselseitiger Achtung bekennen. Auf Straßenkreuzungen wie auf der Schnellstraße zwischen Tel Aviv und Jerusalem, in Galiläa oder vor dem Habima-Theater in Tel Aviv betonen jüdische und arabische Aktivisten die Koexistenz. Am Carmel fand ein Treffen der israelischen Pfadfinder mit jüdischen, drusischen sowie christlichen und muslimischen Arabern statt. Derartige Aktivitäten gibt es zum Glück viele.

Es wird zwar noch dauern, bis der Schock der Auseinandersetzungen überwunden ist, aber das Ziel der Hamas, auch in Israel Hass zu säen, wurde nicht erreicht. Aber solange in den Palästinensergebieten Proponenten einer konstruktiven Konfliktlösung mit Israel um ihr Leben fürchten müssen, in den Schulbüchern Hass gesät wird und die Hamas „Märtyrer“ zum „Schutz“ der Al-Aqsa-Moschee aufruft, ist der Weg zum Frieden noch ein langer.

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