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1.000 Tage nach dem 7. Oktober: Gedenken und Proteste prägen Israel

1.000 Tage seit dem 7. Oktober: Ex-Geisel Rom Braslavski spricht auf Gedenk- und Protestveranstaltung in Tel Aviv
1.000 Tage seit dem 7. Oktober: Ex-Geisel Rom Braslavski spricht auf Gedenk- und Protestveranstaltung in Tel Aviv (© Imago Images / JNA Press)

Mit Schweigeminuten, Gedenkveranstaltungen und landesweiten Protesten gedachte Israel am Donnerstag der Opfer des 7. Oktober 2023.

Exakt 1.000 Tage nach dem Hamas-Massaker stand der 2. Juli 2026 nicht nur im Zeichen der Erinnerung, sondern auch der Forderung nach politischer Verantwortung. Während Angehörige der Opfer an den Orten der Massaker zusammenkamen und im ganzen Land an die Ermordeten erinnert wurde, demonstrierten Tausende Israelis gegen die Regierung von Benjamin Netanjahu. Für viele von ihnen ist der 7. Oktober bis heute nicht nur eine nationale Tragödie, sondern auch ein Symbol für ein politisches Versagen, das ihrer Ansicht nach noch immer nicht ausreichend aufgearbeitet wurde.  

Ich erinnere mich gut an die Anfangszeit nach dem 7. Oktober. Als in Europa bereits von einem Krieg gesprochen wurde, der über Jahre dauern könnte, konnte ich dies nicht glauben. Ich war davon überzeugt, die Auseinandersetzung würde nach ein paar Wochen oder Monaten vorbei sein, so wie vergangene Kriege auch nie länger als ein paar Wochen anhielten. Nun aber ist es nach 1.000 Tagen und damit beinahe drei Jahren immer noch nicht vorbei. Der Schatten der damaligen Tage hängt immer noch nach, die Trauer und Verzweiflung, die ich damals gespürt habe, sitzen immer noch tief. Und das, obwohl ich, sowie alle anderen Israelis auch, von außen betrachtet ein vollkommen normales Leben führe.

Gedenken und Proteste

Bereits am Morgen fanden an zahlreichen Orten im Land Gedenkveranstaltungen statt. In Re’im versammelten sich Angehörige der Opfer des Nova-Musikfestivals, um jener jungen Menschen zu gedenken, die dort am 7. Oktober ermordet wurden. Familien der Opfer sowie ehemalige Geiseln riefen die Bevölkerung außerdem dazu auf, sich um zehn Uhr zu einer landesweiten Schweigeminute zu erheben.

Ein Konvoi führte entlang zahlreicher Orte, die am 7. Oktober besonders schwer betroffen waren – darunter Nir Oz, Be’eri, Kfar Aza und der Außenposten Nahal Oz. Die Abschlussveranstaltung fand auf dem Platz der Geiseln in Tel Aviv statt, der während der vergangenen Jahre zum Symbol für den Kampf der Angehörigen um die Rückkehr der Geiseln geworden war. Medienberichten zufolge soll der Platz künftig den Namen »Platz der Erinnerung« tragen und dauerhaft an die Ereignisse gemahnen.

Neben dem Gedenken bestimmten aber auch Proteste das Bild des Tages. An zahlreichen Kreuzungen im ganzen Land sowie vor der Knesset in Jerusalem und dem Militärhauptquartier Kirya in Tel Aviv fanden Demonstrationen statt. Im Mittelpunkt stand erneut die Forderung nach einer staatlichen Untersuchungskommission, die die politischen und sicherheitspolitischen Versäumnisse vor dem 7. Oktober untersuchen soll.

Die Regierung lehnt eine solche Kommission bislang ab. Sie argumentiert, dass eine vom Obersten Gericht eingesetzte Untersuchung politisch voreingenommen sein könnte, und bevorzugt stattdessen eine von ihr selbst eingesetzte Kommission. Kritiker werfen ihr hingegen vor, eine unabhängige Untersuchung vermeiden zu wollen, weil diese Regierungsmitglieder für die Fehler vor dem Terrorangriff verantwortlich machen könnte.

Nach Angaben israelischer Medien kam es vor der Knesset zeitweise zu Auseinandersetzungen zwischen Demonstranten und der Polizei, als Einsatzkräfte versuchten, die Protestierenden von den Zufahrtsstraßen zu entfernen.

Eine Zahl mit Symbolkraft

Auch Israels Generalstabschef Eyal Zamir nutzte die symbolische Marke von 1.000 Tagen für eine Grundsatzrede. Bei einer Lagebesprechung mit hochrangigen Offizieren erinnerte er an die Opfer des 7. Oktober und sprach von einem Angriff »auf die schiere Existenz des jüdischen Volkes«. Zugleich betonte er, dass Erinnerung nicht allein der Vergangenheit gelte. Sie verpflichte die israelischen Streitkräfte dazu, aus den Ereignissen zu lernen und sich auf zukünftige Herausforderungen vorzubereiten. Der Krieg habe die Art verändert, wie Israel kämpft, und das Land befinde sich weiterhin an einem »strategischen Wendepunkt«.

Die Marke von 1.000 Tagen stellt keinen offiziellen Gedenktag dar. Dennoch entwickelte sie für viele Israelis eine starke symbolische Bedeutung. Sie steht für 1.000 Tage Krieg, Trauer und Unsicherheit – aber auch für 1.000 Tage, in denen viele Angehörige der Opfer und Geiseln unermüdlich Aufklärung und politische Konsequenzen fordern. Gerade deshalb standen Erinnerung und Protest am Donnerstag nicht im Widerspruch zueinander. Für viele Teilnehmer gehören beide untrennbar zusammen. Das Gedenken an die Opfer des 7. Oktober bedeutet für sie zugleich, Antworten auf die Frage einzufordern, wie der schwerste Terroranschlag in der Geschichte Israels möglich werden konnte.

Auch 1.000 Tage später ist der 7. Oktober für Israel kein abgeschlossenes Kapitel. Die Ereignisse prägen weiterhin die politische Debatte ebenso wie das gesellschaftliche Selbstverständnis des Landes – und die Forderung nach Aufarbeitung ist ebenso präsent wie die Erinnerung an die Opfer.

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