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Islamistische Attentäter: Psychopathologische Interpretation genügt nicht

In einem Interview im Pariser Magazin Telerama resümierte der französische Psychiater und Anthropologe Richard Rechtman unmittelbar nach dem Anschlag von Nizza: ‚Bei einem Psychopathen ist die impulsive Gewalt und ihre Unmittelbarkeit charakteristisch und sicher nicht die methodische, mehrtägige Vorbereitung. (Inzwischen haben die Polizeirecherchen ergeben, dass sich der Attentäter seit über einem Jahr auf die Mordfahrt auf der Strandpromenade vorbereitet hatte.) Deshalb genügt die alleinige psychopathologische Interpretation nicht. Hingegen gibt es ein Angebot des IS, das zu Massenmorden einlädt und bei einer gewissen Anzahl von Personen auf Resonanz stößt.‘ (…)

Dass ein Teil seiner brachialsten und entschlossensten Schergen aus der Sicht der uns geläufigen kollektiven Lebensführungen als ‚Irre‘, Grenzgänger oder ‚gescheiterte Existenzen‘ erscheinen, tut dem politischen Charakter dieser Bewegung keinen Abbruch – das gilt ja für Vollstrecker aller politischen Strömungen, die einen Zivilisationsbruch auf ihre Fahnen geschrieben haben. Diese dschihadistische Strömung hat zweifellos ausgeprägt sektenhafte Züge. Ihre eigenartige Dynamik beruht auch darauf, dass sie die immer wieder kehrende Aufbruchsstimmung, die Abenteuerlust und die klassischen Radikalisierungsprozesse bei Teilen der jungen Generationen zu bedienen versteht – und deshalb auch außerhalb oder manchmal im Konflikt mit Familientraditionen im muslimischen Milieu rekrutiert, und ein überdurchschnittlicher Prozentsatz an Konvertiten anzieht. Mit dieser Feststellung kann aber nicht die Frage der ideologischen Provenienz und des organischen Umfelds des Dschihadismus ausgeklammert werden, also der muslimischen Religion und des von ihr geprägten Kulturkreises.“

(Danny Leder: „Frankreichs Muslime im Umgang mit dschihadistischen Schwerverbrechern“)

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