Islamische Weltliga spricht sich gegen Holocaust-Leugnung aus

„Anfang Dezember führte ich eine Delegation ehrenamtlicher Funktionäre des außenpolitischen Think-Tanks, dem ich vorstehe, in der saudischen Hauptstadt Riad an. Zu den hochrangigen Vertretern, mit denen wir uns während unsere dreitägigen Aufenthalts trafen, gehörte der Generalsekretär der Islamischen Weltliga (MWL) Dr. Mohammed Al-Issa. Dies ist die Organisation, der seit langem eine entscheidende Rolle bei den weltweiten Anstrengungen Saudi-Arabiens nachgesagt wird, ihre radikale, hasserfüllte, antiwestliche und antisemitische Version des Islam zu exportieren. Erst im vergangenen Jahre verwies eine angesehene britische Forschungseinrichtung auf Saudi-Arabien als die wichtigste Quelle des islamischen Extremismus im Vereinigten Königreich und nannte die MWL als entscheidenden Akteur dieses Projekts.

Tatsächlich scheint ein Wandel in der MWL mit der Berufung von Al-Issa, eines ehemaligen saudischen Justizministers, an deren Spitze im August 2016 begonnen zu haben. Al-Issa orientiert sich an Mohammed bin Salman, dem gegenwärtigen Kronprinzen, der sich vorgenommen hat, sein Land vom Extremismus zu befreien und zum ‚gemäßigten Islam’ zurückzuführen. Al-Issa ist offenbar damit betraut worden, die MWL von einer mit dem Extremismus assoziierten Organisation in eine Institution zu verwandeln, die Toleranz predigt. Ebenso wichtig ist, dass er versprochen hat, die MWL werde sich hinfort ausschließlich mit religiösen Fragen beschäftigen und der Politik vollends enthalten – sofern es nicht um politische Maßnahmen gegen den Extremismus geht. (…) Ich war skeptisch. Die königliche Familie in Saudi-Arabien zählt den Schutz der heiligen Stätten in Mekka und Medina zu den Hauptquellen ihrer Legitimation, das nicht-muslimische Beten ist dort untersagte und Religion und Politik sind durch und durch miteinander verknüpft. (…)

Angesichts des herannahenden 27. Januar schrieb ich an Al-Issa und fragte, ob er anlässlich des Internationalen Tags des Gedenkens an die Opfer des Holocaust einen Brief schreiben an [die Direktorin des U.S. Holocaust Memorial Museum Sara] Bloomfield schreiben würde, den dieser veröffentlichen könne. In dem Schreiben könnten sich die Einstellung der MWL zum Holocaust und deren Kampf um Toleranz und Mäßigung im allgemeinen widerspiegeln. (…) In Sachen Holocaustleugnung drückte Al-Issa sich besonders nachdrücklich aus: ‚Die Geschichte ist in der Tat objektiv, egal wie sehr die Fälscher sich bemühen, sie zu verändern oder zu manipulieren. Die Leugnung des Holocaust oder der Versuch, seine Wirkung zu verharmlosen, ist daher eine verbrecherische Geschichtsverfälschung und eine Beleidigung der Würde jener unschuldigen Seelen, die starben. Es handelt sich aber auch um einen Affront gegen uns alle, da wir die gleiche menschliche Seele und die gleichen spirituellen Bindungen teilen.’

Im Gegensatz zu vielen muslimischen Gesprächspartnern, mit denen ich im Laufe der Jahre über diese Dinge diskutiert habe, machte Al-Issa keinen Versuch, einer möglichen Kritik an der Beschäftigung mit dem Holocaust zuvorzukommen, indem er sich hinter der falschen Äquivalenz mit Israels ‚Völkermord’ an den Palästinensern versteckt. Ganz im Gegenteil. Zu diesem Thema äußerte er sich gar nicht und betonte stattdessen erneut den unpolitischen Charakter unseres Treffens in Riad. ‚Die Islamische Weltliga verfolgt keinerlei politische Zwecke. Sie wahrt eine Position der äußersten Neutralität. Sie ist ohne jede politische Beimischung unparteiisch.’

Alles in allem ist es ein bemerkenswertes Dokument: seine Urheberschaft, sein Inhalt, sein Fokus und seine Botschaft sind bemerkenswert. Vermutlich gibt es viele Gründe – manche religiöser Natur, andere nicht so sehr – dafür, dass das Oberhaupt der Islamischen Weltliga sich so eindeutig gegen die Holocaustleugnung wandte. Dies ist, wie mein pubertierender Sohn gerne sagt, nicht mein erstes Rodeo. Doch sind Handlungen wichtiger als Motivationen. Und nun, da er sie aufgeschrieben hat, kann die Erklärung Al-Issas nicht so schnell wieder rückgängig gemacht werden. Dank seiner Bemühungen werden wir uns an den diesjährigen Internationalen Tag des Gedenkens an die Opfer des Holocaust als jenen erinnern, an dem Saudi-Arabien – der Hüter der beiden heiligsten Stätten des Islam – einen riesigen Schritt tat und sich der Welt durch seine Anerkennung der Ungeheuerlichkeit des Holocaust anschloss. Bleibt mehr zu tun? Absolut. Doch Ehre wem Ehre gebührt.“ (Robert Satloff: „A Historic Holocaust Awareness Awakening in Saudi Arabia, of All Places“)

Schreiben Sie einen Kommentar


Schreiben Sie einen Kommentar

Sie müssen angemeldet sein, um einen Kommentar abzugeben.


Login