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Islamdebatte: »Ich kritisiere, was zu kritisieren ist«

Der Autor des Buchs »Der Islam und ich« Hasnain Kazim im Mena-Talk

Im Mena-Talk mit Alexander Gruber spricht der Journalist und Autor Hasnain Kazim über sein neues Buch Der Islam und ich und seine Forderung nach mehr Mut zu Kritik und offener Debatte.

Als einer der bedeutendsten Journalisten und Buchautoren Deutschlands setzt sich Hasnain Kazim seit Jahren mit den Themenfeldern Rassismus, politischer Populismus Islamismus auseinander. Wie er im Gespräch betont, versteht sich Kazim nicht als »Islamkritiker«, da dieser Begriff suggeriere, man würde eine Religion pauschal ablehnen, sondern kritisiere nur grundsätzlich das, was er im Konkreten für problematisch hält. Beim Islam sieht er zwar auch positive Aspekte, etwa kulturelle und künstlerische Ausdrucksformen wie Musik oder den Sufismus, gleichzeitig aber bewertet er viele Bereiche des Islams als bedenklich – insbesondere dort, wo Extremismus entsteht oder individuelle Freiheiten eingeschränkt werden.

Seine schärfste Kritik richtet sich gegen islamistisch motivierte Gewalt und Terror. Er lehnt es ab, solche Taten einfach als etwas darzustellen, das »nichts mit dem Islam zu tun hat«, da sich ja die Täter selbst ausdrücklich auf ihn berufen. Dies bedeute jedoch nicht, den Islam insgesamt dafür verantwortlich zu machen. Vielmehr fordert Kazim, dass insbesondere Muslime, die solche Gewalt ablehnen, diese klar benennen und sich stärker dagegen positionieren.

Aber auch im Alltag westlicher Gesellschaften sieht Hasnain Kazim problematische Entwicklungen. Im Interview beschreibt er Situationen aus Schulen, in denen religiös-konservative Einstellungen zu Konflikten führen, etwa wenn Schüler Lehrerinnen den Respekt verweigern oder Mädchen aufgrund religiöser Vorstellungen unter Druck gesetzt werden. Solche Beispiele deutet er als Zeichen, dass individuelle Freiheit und Gleichberechtigung zunehmend eingeschränkt werden könnten, wird dagegen nicht vorgegangen.

Kritik ohne Angst

Ein zentrales Problem sieht der Journalist in dem Umstand, dass sich radikale und konservative Strömungen durch eine Mischung aus Angst, sozialem Druck und Zustimmung innerhalb der muslimischen Gemeinschaften durchsetzen könnten. Kazim ist der Ansicht, dass diese Gruppen nicht nur eine kleine Minderheit darstellen und liberale Stimmen zugleich häufig zu leise bleiben. Veränderung könne seiner Meinung nach nur gelingen, wenn Kritik auch aus den betroffenen muslimischen Gemeinschaften selbst komme.

Abschließend fordert Kazim eine stärkere und mutigere gesellschaftliche Mitte. Er kritisiert sowohl pauschale Verurteilungen von rechter Seite als auch Verharmlosungen seitens der Linken sowie eine aus seiner Sicht zu zurückhaltende Haltung im politischen und gesellschaftlichen Mainstream. Notwendig sei eine offene, differenzierte Kritik, die sich nicht scheue, Missstände anzusprechen. Gleichzeitig plädiert er dafür, liberale und demokratische Kräfte stärker zu unterstützen und den Dialog aufrechtzuerhalten, verbunden mit klaren Regeln und Grenzen dort, wo demokratische Werte, Freiheit und Gleichberechtigung gefährdet seien.

Für weitere Mena-Talks besuchen Sie unseren Mena-Watch-YouTube-Kanal.

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