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Stellt der IS eine Bedrohung für die Türkei dar?

Emblem des Islamischen Staates (IS). (© imago images/imagebroker)
Emblem des Islamischen Staates (IS). (© imago images/imagebroker)

Sicherheitskräfte gehen vermehrt gegen IS-Strukturen in der Türkei vor, nachdem die Aktivitäten der Gruppe zuletzt wieder stark zugenommen haben.

Seit vergangenen Montag führt die Türkei eine groß angelegte Kampagne gegen den Islamischen Staat (IS) durch. Dabei wurden Hunderte mutmaßliche Mitglieder der Organisation festgenommen, was die wachsende terroristische Bedrohung deutlich macht. Am Montagabend kam es in der Region Yalova zu Zusammenstößen zwischen der Polizei und einer IS-Zelle, bei denen drei Beamte ums Leben kamen und acht weitere sowie ein Wachmann verletzt wurden.

Die achtstündigen Zusammenstöße in Yalova verdeutlichten die wachsende Bedrohung durch die Terrororganisation, die sowohl über zahlreiche Waffen als auch ausreichende Kampfkapazitäten verfügte, um die Sicherheitskräfte mehrere Stunden lang zu beschäftigen. Nach den Zusammenstößen meldete das Innenministerium die Festnahme von 357 mutmaßlichen IS-Mitgliedern bei Operationen in 21 Provinzen. Am Mittwoch erklärte Innenminister Ali Yerlikaya, die Sicherheitskräfte hätten ihre landesweiten Operationen fortgesetzt und weitere 125 Verdächtige in 25 Provinzen festgenommen.

Der IS in der Türkei – eine Zeitleiste

In der Vergangenheit kam es bereits mehrfach zu militärischen Auseinandersetzungen zwischen dem IS und der Türkei. Zwischen 2016 und 2017 unternahm die türkische Armee im Rahmen der Operation Euphrat-Schild eine Offensive gegen den IS auf syrischem Gebiet, zwei Jahre nach der Gründung der Organisation in Syrien und im Irak.

Laut Mina al-Lami, einer Spezialistin für dschihadistische Medien bei der BBC, veranlasste die türkische Militäroperation in Syrien die IS-Führung im November 2016 dazu, erstmals zu Angriffen gegen die Türkei aufzurufen und ihre Drohungen schnell in die Tat umzusetzen. Der IS hat sich zu einer Reihe von Angriffen auf zivile Ziele in der Türkei seit 2016 bekannt oder wurde dafür verantwortlich gemacht. Bei den Anschlägen wurden insgesamt rund 300 Menschen getötet und Dutzende weitere verletzt.

Ausländische Kämpfer der Organisation nutzten die Türkei während der Jahre des Syrien-Kriegs als wichtigen Transitpunkt von und nach Syrien, wobei der Türkei immer wieder vorgeworfen wurde, das Treiben der IS-Kämpfer zumindest nicht zu behindern.

Nach der Niederlage des IS in Syrien und im Irak im Jahr 2019 nahm die Bedrohung erst einmal ab. Ein von der Organisation beanspruchter Anschlag auf die Santa-Maria-Kirche im Istanbuler Stadtteil Sarıyer am 28. Januar 2024, bei dem eine Person ums Leben kam, rückte die Bedrohung allerdings wieder in den Vordergrund. Dementsprechend kam es 2024 zu verstärkten Operationen gegen den IS. Offiziellen Angaben zufolge wurden in diesem Jahr 1.399 Operationen gegen Mitglieder der Organisation durchgeführt und 536 Personen festgenommen.

Im Dezember 2025 berichteten die türkischen Behörden von der Vereitelung von Aanschlägen auf die Neujahrsfeierlichkeiten in Malatya, nachdem der Hauptplaner festgenommen wurde. Gleichzeitig warnte Özgür Özel, Vorsitzender der türkischen Opposition und Chef der Republikanischen Volkspartei (CHP), vor der Gefahr eines Wiederauflebens des IS und verwies dabei auf jüngste Anzeichen für Aktivitäten durch die Aktivierung von Schläferzellen.

Anhaltende Bedrohung?

Laut dem Direktor des Istanbul Center for Thought, Bekir Atacan, hätten die Behörden in den letzten Tagen Maßnahmen ergriffen, um Anschläge und Bombenattentate des IS im Land zu vereiteln. Auch würden die Bewegungen der Gruppe und ihrer Mitglieder aufmerksam im Auge behalten werden.

Der türkische Politologe Mahmoud Osman stellte dazu fest: »Der IS nutzt politische und wirtschaftliche Missstände aus, um junge Menschen zu rekrutieren, weshalb es unerlässlich ist, sowohl auf nationaler als auch auf regionaler Ebene gegen die Organisation vorzugehen.« Die derzeitige Bedrohung durch den IS erfordere »kontinuierliche Sicherheits- und Geheimdienstmaßnahmen, um die Stabilität des Landes zu gewährleisten und die Gesellschaft vor Terrorismus zu schützen«, so der Experten..

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