Der irische Fußballverband hat keine Probleme, gegen die Diktaturen dieser Welt anzutreten, den jüdischen Staat aber würde er am liebsten von allen Bewerben ausschließen lassen.
Am 12. Februar wurden in Brüssel die Paarungen für die Fußball-Nations-League der Herren ausgelost, die im Herbst stattfindet. Der irische Fußballverband (FAI), der im November noch mit überwältigender Mehrheit für einen Antrag gestimmt hatte, der die UEFA auffordert, Israel von europäischen Vereins- und Länderspielen auszuschließen, wurde zusammen mit Israel, Österreich und dem Kosovo in die Gruppe B3 gelost. Nun stellt sich die Frage: Antreten? Nicht antreten, so wie diktatorisch regierte islamische Staaten wie der Iran das machen? Oder antreten, aber laut grollen?
Schnell wurde klar: Irland wird die Partien gegen Israel spielen, aus Angst vor sportlichen und finanziellen Konsequenzen im Falle eines Boykotts. In einer Stellungnahme nach der Auslosung erklärte der FAI, er habe sich mit der UEFA beraten und erfahren, dass ein Nichterscheinen zu einem Spiel zum Ausschluss aus der Nations League führen könne. Daraufhin erklärte der Verband, die irische Mannschaft werde ihr Auswärtsspiel gegen Israel am 27. September und ihr Heimspiel in Dublin am 4. Oktober bestreiten.
In einer »idealen Welt« wären alle der Meinung, dass es keine Fußballspiele mit Israelis geben dürfe, sagte der frühere irische Fußballspieler Alan Cawley: »Wenn wir uns in einer idealen Welt zusammensetzen und darüber diskutieren würden, ob dieses Spiel stattfinden sollte, wären wir uns alle einig, dass es nicht stattfinden sollte.« Unter einer »idealen Welt« stellt sich Cawley also nicht etwa eine harmonische, friedliche vor, sondern eine, in der Israel ein Ausgestoßener ist und alle mit dem Finger auf den jüdischen Staat zeigen und sich daran erfreuen, dass er in der Schandecke stehen muss.
Nur die Angst vor Sanktionen hält den irischen Verband vom Boykott ab. Denn man ist zwar gegen den angeblichen »Genozid an den Palästinensern«, möchte aber nicht auf Einnahmen verzichten: »Das könnte den Fußball hierzulande ruinieren. Wir wissen einfach nicht, welche Sanktionen verhängt werden könnten. Der irische Fußballverband (FAI) steckt bereits in finanziellen Schwierigkeiten«, so Cawley. »Die UEFA ist der zuständige Verband, der die Situation unter Kontrolle bringen und die verletzten Regeln durchsetzen sollte. Aber das tut sie nicht.«
Kein Problem mit Diktaturen
In den vergangenen Jahren spielte das irische Team u. a. gegen folgende Nationen: Katar, Nigeria, Iran, Saudi-Arabien. Das Emirat Katar, das die Hamas unterstützt und berüchtigt ist für die Ausbeutung von Gastarbeitern, die oft keinen Lohn erhalten, wird am 28. Mai im Aviva-Stadion in Dublin zu Gast sein – zu einem Freundschaftsspiel. Es ist schon das dritte innerhalb von fünf Jahren. Diskussionen darüber, wie im Fall Israels, gibt es nicht.
Unterdessen hat der Vorstand des irischen Fußballclubs Drogheda United die Co-Vorstandsvorsitzende Joanna Byrne zum Rücktritt aufgefordert. Byrne, die auch sportpolitische Sprecherin der IRA-nahen Partei Sinn Féin ist, hatte gesagt, sie sei »wütend und bestürzt«, dass die Republik Irland die angesetzten Spiele gegen Israel austragen werde. Einen Rücktritt lehnte sie ab.
Irland ist eine Hochburg des Israel-bezogenen Antisemitismus in Europa. In den Straßen finden sich Wandbilder, die die Waffenbruderschaft von IRA und PLO feiern. Im Parlament wird immer wieder über Wirtschaftsboykotte debattiert – ohne dass je ein solches Gesetz beschlossen worden wäre. Im Herbst letzten Jahres diskutierte der Stadtrat von Dublin darüber, den Herzog-Park der Stadt umzubenennen. Er wurde 1995 nach dem in Belfast geborenen Chaim Herzog benannt, der von 1983 bis 1995 israelischer Staatspräsident war. Ein Jahr zuvor hatte Dublins Stadträtin Punam Rane im Parlament gesagt, die gesamte US-Wirtschaft werde »heutzutage von den Juden beherrscht, von Israel«.
Die Lage der wenigen in Irland lebenden Juden ist teils von Angst geprägt. Am Dubliner Trinity College unterstützen Studenten offen palästinensische Terrororganisationen wie die PFLP. An einer Schule in Dublin, erzählte eine Mutter im Mai der israelischen Zeitung Israel Hayom, drangsalierten Schüler ihren fünfzehnjährigen Sohn wegen seiner jüdischen Identität und lachten über das Vergasen von Juden.
Laut einer Online-Umfrage der Claims Conference wissen fünfzig Prozent der irischen Erwachsenen nicht, dass sechs Millionen Juden im Holocaust ermordet wurden. Acht Prozent der Befragten leugnen den Holocaust vollständig. Siebzehn Prozent glauben, dass die Zahl der getöteten Juden stark übertrieben wurde.
Ob das Heimspiel gegen Irland in Israel stattfinden wird, ist noch nicht abzusehen. Israel hat seit Oktober 2023 aufgrund von Sicherheitsbedenken keine UEFA-Spiele mehr ausgerichtet. Alle Heimspiele im Jahr 2024 fanden in Budapest und in der Pancho-Arena im ungarischen Felcsút statt, während die Heimspiele im Jahr 2025 im Nagyerdei-Stadion in Debrecen ausgetragen wurden.






