Viele Iraner können nicht einmal mehr das Notwendigste kaufen, die Preise für Arzneimittel sind unerschwinglich geworden – wenn sie überhaupt noch erhältlich sind.
Es kommt nicht alle Tage vor, dass im staatlichen iranischen Fernsehen direkte Kritik an der Führung der Islamischen Republik geübt wird. Doch genau das geschah diese Woche, als eine Sprecherin in die Kamera schaute und die Frage stellte: »Was ist in diesem Land los, Herr Pezeshkian?« In dem davor gesendeten Beitrag wurde darüber berichtet, dass sich viele Iraner nicht einmal mehr Grundnahrungsmittel wie Reis, Zucker, Speiseöl, Obst oder Milchprodukte leisten können.
Die iranische Wirtschaft war schon vor dem jüngsten Krieg am Boden, seitdem hat sich die Lage noch einmal dramatisch verschlechtert. Die iranische Währung stürzt regelrecht ab. Am Mittwoch war ein Dollar bereits 1,8 Mio. Rial wert, der Euro 2,11 Mio. und das britische Pfund 2,44 Mio. Am 25. Februar, drei Tage vor dem Beginn des Krieges, war der Dollar noch 1,65 Mio. Rial wert.
Der oppositionelle Nachrichtenkanal Iran International berichtet von Zuschriften aus dem Iran, in denen von einer sich rasch verschärfenden Verteuerung der Lebenshaltungskosten die Rede ist, von Massenentlassungen, starken Preisanstiegen bei Grundnahrungsmitteln und der Unfähigkeit, die Mieten noch zu bezahlen. Durch die bereits drei Monate andauernde Sperre des Internets wurde Millionen Iranern ihre Arbeitsmöglichkeit genommen.
Nur mehr eine Mahlzeit am Tag
Der Mitarbeiter einer petrochemischen Fabrik in Fars im Südiran berichtet, er sei vor zwei Monaten entlassen worden und könne seine Familie kaum noch ernähren. Er sagt: »Ich habe eine alte Mutter, und ich schäme mich vor ihr. Wir haben unseren Lebensmittelverbrauch auf eine Mahlzeit pro Tag reduziert, und selbst das ist kaum noch zu bewältigen. Auch die Miete habe ich nicht bezahlt. Die Lage ist schrecklich.«
Auch Medizin ist für viele Iraner unerschwinglich geworden. Eine Bestandsaufnahme bei 200 Medikamenten hat ergeben, dass sich die Preise oft verdoppelt haben, bei manchen Arzneimitteln sind sie sogar um das fast Vierfache angestiegen. Aus mehreren Städten liegen Berichte über Engpässe bei lebenswichtigen Medikamenten vor, u. a. bei Mitteln zur Behandlung von Herzerkrankungen, neurologischen Störungen und Krebs.
Zu den am stärksten betroffenen Arzneimitteln gehören Insulinprodukte für Diabetiker. Bei im Iran hergestellten Insulinpens war eine Verdreifachung des Preises zu verzeichnen, ausländische Produkte haben sich sogar noch mehr verteuert.






