Irans Drohne gegen Israel: Internationale Gemeinschaft muss handeln

Der ehemalige Nahost-Unterhändler der USA Dennis Ross (Quelle: By Nrbelex, CC BY-SA 2.5)

„Samstagmorgen überschritt der Iran eine rote Linie, als er versuchte, Israel von Syrien aus direkt anzugreifen. (…) Obwohl inzwischen wieder Ruhe eingekehrt ist, sollte die Episode mit Blick auf das Eskalationspotenzial, das von der zunehmenden Präsenz des Iran und der mit ihm affiliierten schiitischen Milizen in Syrien ausgeht, alle Alarmglocken läuten lassen. Wer miterlebt hat, wie der Iran auf der Höhe des Friedensprozesses Mitte der 1990er Terrorangriffe gegen Israelis und amerikanische Streitkräfte im Irak beförderte, wird sich nicht darüber wundern, dass die Iraner Israel anzugreifen versuchen; wohl aber darüber, dass sie versucht haben, Israel direkt anzugreifen. Damit ändern sich potenziell die Spielregeln, wodurch sich auch die israelische Reaktion erklärt, die den Iranern zweifelsfrei klar machen sollte, dass sie mit dem Feuer spielen.

Gerade weil sich dadurch die Spielregeln ändern könnten, sollte der Vorfall auch für die internationale Gemeinschaft und die Trump-Administration ein Weckruf sein. Beugt man sich weiterhin dem Ausbau der iranischen Militärpräsenz und Infrastruktur in Syrien, wird es früher oder später zu einem ausgedehnten Konflikt zwischen Israel einerseits und dem Iran und den schiitischen Milizen andererseits kommen. Mehrere Milizenführer haben kürzlich demonstrativ die israelische Grenze besichtigt. (…) Während die Quds-Einheit ihre Stellungen und Vorposten ausgebaut hat, einen davon auf den Golanhöhen nur sechs Kilometer von der israelischen Grenze entfernt, hat die Trump-Administration Israel im Wesentlichen sich selbst überlassen. Auf sich selbst gestellt, blieb Israel wenig anderes übrig, als – wie am Samstag – Gewalt anzuwenden, um unmissverständliche Signale zu senden. Dass US-Streitkräfte vergangene Woche im Osten Syriens eine regimetreue syrische Miliz dezimierten, weil es ihnen nicht gelang, die Russen dazu zu bewegen, die Miliz von einem Angriff auf die von Kurden geführten Demokratischen Kräfte Syriens abzuhalten, könnte unserer Entschlossenheit, die iranische Präsenz in Syrien einzudämmen, Glaubwürdigkeit verleihen. (…)

Politischen Entscheidungsträgern bieten sich nur selten derartige Kristallisationsmomente, die ihnen klarmachen, dass sie handeln müssen, um größere Gefahren abzuwenden. Der iranische Versuch, Israel anzugreifen, ist ein derartiger Moment und man kann der Administration nur raten, eine breit angelegten diplomatische Reaktion zu mobilisieren bevor es zu spät ist.“ (Dennis Ross: „After the weekend’s Iran-Israel attacks, a burden on Trump to confront Russia and engage Europe“)

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