Obwohl das Sprichwort »Die Kurden haben keine Freunde außer den Bergen« schon sehr alt ist, lässt es sich heute auf die Beziehungen zu den US-Regierungen der letzten Jahrzehnte anwenden.
Von den Grenzen des Iraks bis zu den Ebenen Nordsyriens haben sich die Kurden – die größte staatenlose Nation der Welt – wiederholt als »Bodentruppen« Washingtons betätigt, nur um dann, wenn sich die geopolitischen Winde drehen, an den Rand gedrängt zu werden. Die Geschichte dieser Beziehung ist ein Kreislauf aus strategischer Partnerschaft, gefolgt von dem, was kurdische Führer und Nahost-Experten als »Dolchstoß in den Rücken« bezeichnen, der erkläre, warum die Kurden heutzutage zögern, sich dem israelisch-amerikanischen Versuch anzuschließen, das iranische Regime zu stürzen.
Geschichte der Enttäuschungen
Der erste große Bruch in den Beziehungen ereignete sich 1975. In den frühen 1970er-Jahren ermutigten die CIA und der damalige Schah von Persien die irakischen Kurden, gegen das Baath-Regime des irakischen Diktators Saddam Hussein zu rebellieren. Als jedoch der Iran und der Irak das Abkommen von Algier unterzeichneten, um ihre eigenen Grenzkonflikte beizulegen, stellte US-Außenminister Henry Kissinger die Hilfe für die Kurden abrupt ein.
»Als Kissinger 1975 beschloss, die Unterstützung für die Kurden einzustellen, beendete er den kurdischen Aufstand im Grunde genommen mit einem Handstreich«, erklärte die leitende Forscherin am Moshe-Dayan-Zentrum der Universität Tel Aviv, Ofra Bengio. Dieser Schritt ließ den kurdischen Widerstand der Rache Saddam Husseins schutzlos ausgeliefert zurück. Als er zur Aufgabe eines treuen Verbündeten befragt wurde, bemerkte Kissinger in einer seiner berühmtesten Aussagen: »Geheime Operationen sollten nicht mit Missionsarbeit verwechselt werden.«
Dann kam das Jahr 1991. Nach dem ersten Golfkrieg wandte sich US-Präsident George H. W. Bush in einer Rundfunkansprache an die irakische Bevölkerung und ermutigte sie, die Dinge selbst in die Hand zu nehmen und den Diktator zu stürzen. Die Kurden im Norden reagierten mit aller Kraft, da sie glaubten, amerikanische Unterstützung zu haben. Zwar wurde schließlich eine Flugverbotszone eingerichtet, doch erlaubten die USA Hussein zunächst, dort weiter Hubschrauber fliegen zu lassen, die der Diktator nutzte, um den Aufstand niederzuschlagen.
Die Folge war eine humanitäre Katastrophe: Millionen Kurden flohen in die eisigen Berge der Türkei und des Irans, was zu Tausenden von Todesfällen durch Unterkühlung und Hunger führte.
In jüngerer Zeit, im Jahr 2017, hielt die Regionalregierung Kurdistans (KRG) im Irak ein demokratisches Referendum über die Unabhängigkeit ab. Über neunzig Prozent der Wähler sprachen sich für die Eigenstaatlichkeit aus. Kurdische Führer hofften, dass ihre entscheidende Rolle im Kampf gegen den Islamischen Staat ihnen amerikanische Unterstützung einbringen würde. Stattdessen lehnte das US-Außenministerium den Schritt ab und sprach sich für einen »vereinigten Irak« aus. Als Kräfte der irakischen Zentralregierung vorrückten, um die ölreiche Stadt Kirkuk einzunehmen, schwieg Washington.
Die vielleicht bitterste Enttäuschung kam im Oktober 2019. Die von Kurden geführten Syrischen Demokratischen Kräfte (SDF) hatten als wichtigster Verbündeter der USA gegen den IS gedient und dabei über 11.000 Kämpfer verloren. Nach Gesprächen mit dem türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdoğan befahl der amerikanische Präsident Donald Trump den Rückzug der US-Truppen von der syrisch-türkischen Grenze und gab der Türkei damit »grünes Licht« für die Invasion kurdisch kontrollierter Gebiete.
Allianz der Peripherie
In Jerusalem wird die Lage der Kurden aus einer anderen Perspektive betrachtet. Seit den 1960er-Jahren unterhält Israel eine stille, aber beständige »Allianz der Peripherie«, die nicht-arabische Minderheiten im Nahen Osten unterstützt. »Die Türkei, der Iran, der Irak und Syrien betrachten die Kurden als eine separatistische interne Bedrohung, die zur Zerschlagung dieser vier Staaten führen könnte«, erklärt der Forscher am Moshe-Dayan-Zentrum, Hay Eytan Cohen Yanarocak. »Historisch gesehen waren die Kurden ein wesentlicher Bestandteil der von David Ben-Gurion (dem ersten Premierminister Israels) etablierten israelischen Doktrin.«
Der israelische Wissenschaftler Edy Cohen hebt hervor, was er für das ultimative kurdische Ziel hält: »Die Kurden wollen überall einen unabhängigen Staat. Wenn sie beispielsweise das Regime im Iran stürzen würden, wollten sie nicht unter einem neuen Schah leben, sie wollen ein eigenes Land.« Ein unabhängiges Kurdistan, fügt er hinzu, sei ein strategischer Vorteil für Jerusalem: »Zweifellos ist ein kurdischer Staat gut für den Staat Israel und die Länder der Region; er ist ein Faktor, der die Türkei abschreckt. Wir haben keine Probleme mit ihnen und sie könnten sogar Teil der Abraham-Abkommen werden.«
Heute, da die Spannungen zwischen den USA und dem Iran eskalieren, stehen die Kurden erneut an einem Scheideweg. Zwar sind sie nach wie vor unverzichtbar, um ein Wiederaufleben des Islamischen Staates zu verhindern, doch die Narben der Jahre 1975, 1991, 2017 und 2019 sind nach wie vor tief. Für die dreißig Millionen Kurden, die über die Region verstreut leben, ist die Lehre des letzten Jahrhunderts klar: Amerikanische Versprechen werden oft von sich wandelnden »geopolitischen Berechnungen« diktiert, wie es ein Analyst formulierte. Wie das alte Sprichwort sagt, haben die Kurden letztendlich vielleicht wirklich keine anderen Freunde als die Berge.






