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Iranischer Funktionär deutet Angriff auf Israel an

Antiisraelische Propaganda in der iranischen Hauptstadt Teheran
Antiisraelische Propaganda in der iranischen Hauptstadt Teheran (© Imago Images / NurPhoto)

Ein Sprecher des Obersten Führers Ali Khamenei sprach eine versteckte Drohung auf Hebräisch aus, während sich im Iran die Proteste gegen das Regime ausweiten.

Canaan Lidor

Ein hochrangiger iranischer Funktionär schien am Montag mit Präventivmaßnahmen gegen Israel zu drohen, als in Teheran und anderen iranischen Städten Protestkundgebungen wegen der um sich greifenden Finanzkrise und einer steigenden jährlichen Inflationsrate von 42 Prozent stattfanden.

Ali Shamkhani, ein politischer Berater und Vertreter des Obersten Führers Ali Khamenei im Verteidigungsrat, verbreitete via X eine indirekt formulierte Drohung in hebräischer Sprache: »Gemäß der Verteidigungsdoktrin des Irans werden einige Reaktionen bereits festgelegt, bevor die Bedrohungen das Stadium der Umsetzung erreichen. Die Raketen- und Verteidigungsfähigkeiten des Irans sind unkontrollierbar und bedürfen keiner Genehmigung. Jede Aggression wird mit einer harten, sofortigen und unerwarteten Reaktion beantwortet werden.«

Die Drohung erfolgte kurz nachdem US-Präsident Donald Trump erklärt hatte, sein Land werde die iranische Regierung »fertigmachen« [»to knock the hell out of«], sollte sie versuchen, die im Juni von den USA und Israel angegriffenen Nuklearanlagen wieder aufzubauen. Trump äußerte sich diesbezüglich während einer Pressekonferenz in Florida, an der auch der israelische Premierminister Benjamin Netanjahu teilnahm.

Umfassende Krise

Gleichzeitig wurden interne Meinungsverschiedenheiten innerhalb der iranischen Führung öffentlich, was die sich verschärfende Wirtschaftskrise betrifft, welche die Landeswährung auf einen historischen Tiefstand von 1,4 Millionen Rial gegenüber einem US-Dollar gebracht hat. Am Montag trat der Chef der iranischen Zentralbank, Mohammad Reza Farzin, zurück, wie lokale Medien berichteten; zu seinem Nachfolger wurde der ehemalige Wirtschaftsminister Abdolnaser Hemmati ernannt.

Die Krise ist nicht zuletzt Resultat von Trumps »Politik des maximalen Drucks«, die Sanktionen und andere Maßnahmen einsetzt, um nach dem israelisch-amerikanischen Angriff auf die wichtigsten Standorte des iranischen Atomprogramms im Juni ein neues Abkommen zu erreichen. Der Iran leidet außerdem unter einer fünfjährigen Dürreperiode, die Berichten zufolge die Grundwasservorkommen erschöpft und den Agrarsektor des Landes zerstört und die Krise weiter verschärft hat.

In einem Kommentar zu den Protesten von Tausenden von Menschen in den Städten schrieb Irans Präsident Masoud Peseschkian auf X: »Die Lebensgrundlage der Menschen ist mein tägliches Anliegen«, und fügte hinzu, die Regierung plane, »das Währungs- und Bankensystem zu reformieren und die Kaufkraft der Menschen zu erhalten«. Laut Peseschkian sei Innenminister Eskandar Momeni angewiesen worden, »die legitimen Forderungen der Demonstranten im Dialog mit ihren Vertretern anzuhören«.

Seit 2009 kam es wiederholt zu Protestwellen der Bevölkerung unter anderem gegen die religiöse Unterdrückung durch die theokratischen Herrscher. Im Dezember 2024 etwa veranstalteten Hunderte von Menschen einen lautstarken Protest im berühmten Großen Basar von Teheran und riefen zu einem Streik an jenem Ort auf, der bereits 1979 im Mittelpunkt der Proteste der Islamischen Revolution gestanden hat. Das damalige Regime unter Ayatollah Ruhollah Khomeini wurde dort eingesetzt, nachdem es Schah Mohammad Reza Pahlavi gestürzt hatte. Der Wert des Rial lag damals auf dem inoffiziellen Markt bei 820.500 pro Dollar.

Frühere Protestwellen wurden von den Sicherheitskräften stets mit tödlicher Gewalt und Verhaftungen unterdrückt, und auch am vergangenen Montag setzten Sicherheitskräfte Tränengas ein, um einige der Proteste in Teheran und zumindest in zwei weiteren Städten aufzulösen.

Iranische Niederlagen

Ein X-Account mit dem Namen »Mossad Farsi«, der im Juni 2025 eröffnet wurde und mehr als 50.000 Follower hat, veröffentlichte am Montag einen Beitrag auf Farsi, der die Iraner dazu ermutigte, gegen ihr Regime zu protestieren, und ihnen versicherte: »Wir sind auch vor Ort an eurer Seite.«

Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu und andere israelische Politiker haben in der Vergangenheit die Iraner wiederholt aufgefordert, das Mullah-Regime zu stürzen und ihnen die Freundschaft Israels zu ihrem Land versichert, mit dem Israel vor der Islamischen Revolution von 1979 eng zusammengearbeitet hatte.

Der zwölftägige Krieg zwischen Israel und dem Iran im Juni, an dem sich letztlich auch die USA beteiligten und schwere Bomber gegen Nuklearstandorte einsetzten, fand im Gefolge des Kriegs zwischen Israel und der Hamas statt, die am 7. Oktober 2023 durch ihren Terrorüberfall auf Israel den Waffengang ausgelöst hatte.

Israel bombardierte militärische Ziele im gesamten Iran und tötete Dutzende hochrangiger Offiziere und Nuklearwissenschaftler. Im Verlauf des Kriegs richtete die israelische Luftwaffe ihre Angriffe zunehmend auf Regierungsgebäude und Symbole des Regimes. Der Iran feuerte im Gegenzug Tausende von Raketen auf Israel ab, tötete etwa dreißig Menschen und zwang Tausende zur vorübergehenden Umsiedlung, traf jedoch nur wenige wichtige militärische und infrastrukturelle Ziele.

Die Hamas und die Hisbollah waren die wichtigsten Stellvertreter des Irans in seiner Kampagne gegen Israel und galten allgemein als Abschreckungsmittel gegen Israel, da die Terroristen über iranische ballistische Waffen und Finanzmittel verfügten. Die Hisbollah akzeptierte im November 2024 ein Waffenstillstandsabkommen mit Israel, die Hamas stimmte einem solchen im Oktober 2025 zu.

Analysten erklären, dass die Hisbollah, deren gesamte Führungsspitze ebenso wie die der Hamas getötet wurde, erheblich geschwächt war, bevor sie sich bereit erklärte, sich aus dem Südlibanon zurückzuziehen. Die Fähigkeit der Hamas, Israel anzugreifen, wurde Berichten zufolge zunichte gemacht, abgesehen von begrenzten Angriffen auf einige der Tausenden von Soldaten, die Israel im Gazastreifen stationiert hat, um die Terrororganisation zu zerschlagen.

Im Dezember 2024 stürzte das pro-iranische Regime von Baschar al-Assad in Syrien, was Beobachtern zufolge vor allem auf die Schwächung der iranischen Achse während des Kriegs zurückzuführen war.

Der Text erschien auf Englisch zuerst beim Jewish News Syndicate. (Übersetzung von Alexander Gruber.)

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