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Iranische Wahlen: Datenmanipulationen und unrealistische Statistiken

Wahlwerbung in der iranischen Hauptstadt Teheran
Wahlwerbung in der iranischen Hauptstadt Teheran (© Imago Images / ZUMA Press Wire)

Die von der iranischen Regierung veröffentlichten Daten weichen oft von der Realität ab und verlieren wegen der mangelnden Transparenz ihre wissenschaftliche Glaubwürdigkeit und Anwendbarkeit.

Farzad Amini

Die Erstellung gefälschter und unrealistischer Daten, sei es vorsätzlich zu Betrugszwecken oder unbeabsichtigt durch Fehler bei der Datenerfassung und -verarbeitung, kann schwerwiegende Folgen für Organisationen, Forscher und die breite Öffentlichkeit haben. Im Iran tritt dieses Problem in verschiedenen Bereichen auf, von der wissenschaftlichen Forschung über Wirtschaftsdaten bis hin zu Sozial- und Umweltstatistiken. Die von der Regierung veröffentlichten Zahlen weichen oft von der Realität ab und verlieren aufgrund mangelnder Transparenz ihre wissenschaftliche Glaubwürdigkeit und Verwendbarkeit.

Im akademischen Bereich besteht eines der Hauptprobleme darin, dass die von Studenten und akademischen Gemeinschaften durchgeführten Forschungsarbeiten nicht zitiert werden, sodass es trotz des quantitativen Wachstums der wissenschaftlichen Forschung erhebliche qualitative Probleme gibt. 

Wissenschaftliche Daten sind im Iran nur schwer zugänglich und werden oft in Formaten wie pdf oder Bildern veröffentlicht, die für eine maschinelle Analyse ungeeignet sind, was die Zugänglichkeit und Wiederverwendung einschränken. Dies führt zu qualitativ minderwertigen Veröffentlichungen und zur Missachtung internationaler wissenschaftlicher Standards.

Ähnliche Probleme gibt es bei Wirtschafts- und Sozialstatistiken. Die von der Regierung publizierten Statistiken über Lebensstandard, Inflation und Armut stimmen mit den gesellschaftlichen Realitäten oft nicht überein. So werden beispielsweise die Inflationsraten niedriger angegeben als sie tatsächlich sind, um eine angeblich erfolgreiche Kontrolle der Wirtschaft zu demonstrieren. Ebenso werden die Arbeitslosenquoten durch geänderte Definitionen oder Berechnungskriterien künstlich verringert oder die Wirtschaftswachstumsraten durch manipulierte Berechnungen des Bruttoinlandsprodukts übertrieben dargestellt.

Da die Regierung oftmals keine genauen Statistiken zu sozialen Fragen wie Scheidungsraten, Suchtverhalten oder Selbsttötungen veröffentlicht, wird ein Umfeld für die Verbreitung manipulierter und ungenauer Informationen geschaffen. 

So sind, bezogen auf die Forstwirtschaft, die Statistiken über Waldflächen und Viehbestände veraltet, da sie sich auf Daten aus dem Jahr 1985 stützen, wodurch sie völlig unzuverlässig sind. Den Karten zur Vegetationsbedeckung fehlt es an Glaubwürdigkeit, da sie im Vergleich zu anderen Ländern selten aktualisiert werden, was zu irreführenden Umweltinformationen führt. 

Manipulation bei Wahlen

Eines der bekanntesten Beispiele für Datenmanipulationen und die Präsentation unrealistischer Statistiken im Iran betrifft die Wahlbeteiligung. Die gesellschaftliche Realität und die Wirtschaftskrise, mit der das Land konfrontiert ist, legen eine niedrige Wahlbeteiligung nahe, doch die vom Regime vorgelegten Zahlen lagen weit über den Schätzungen von Politikern, Wirtschaftswissenschaftlern und anderen Experten. 

Durch statistische Manipulationen wurden die gemeldeten Wahlbeteiligungsquoten auf ein Niveau aufgeblasen, das deutlich höher lag, als es realistischerweise plausibel ist. Dies deutet auf eine umfassende Manipulation hin, der es an Transparenz und Glaubwürdigkeit mangelt. Derartige Machenschaften haben dazu geführt, dass die in- und ausländische Öffentlichkeit das Vertrauen in die iranische Regierung und die staatlichen Institutionen verloren haben. 

Die weit verbreiteten Verfälschungen und die Präsentation unrealistischer Statistiken untergraben nicht nur das Vertrauen der Öffentlichkeit in die Führungsriege, sondern führen auch dazu, dass nationale und internationale Entscheidungen auf der Grundlage von irreführenden Informationen getroffen werden. 

Diese kritische Lage bringt den Iran in eine Situation des Misstrauens und daraus resultierender Krisen. Um dies zu korrigieren, muss man sich zu Transparenz und zur Bereitstellung genauer und zuverlässiger Zahlen verpflichten, wozu die Islamische Republik jedoch nicht bereit ist. Solange diese Voraussetzung nicht erfüllt ist, werden die derzeitigen Probleme weiterhin bestehen bleiben und der Gesellschaft hohe Kosten auferlegen.

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