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Iranische Regierung unter Druck, westliche Corona-Impfstoffe zuzulassen

Der iranische Corona-Impfstoff "COVIran Barekat"
Der iranische Corona-Impfstoff "COVIran Barekat" (© Imago Images / NurPhoto)

Während die täglichen Sterbezahlen die Höhe des Iran-Irak-Kriegs erreicht haben, sind westliche Corona-Impfstoffe in der Islamischen Republik immer noch verboten.

Patrick Wintour, The Guardian

Die neu gewählte iranische Regierung unter Präsident Ebrahim Raisi sieht sich mit der Forderung konfrontiert, ihre Bezugsquellen für Corona-Impfstoffe zu erweitern, während das Land von der fünften und tödlichsten Welle von Covid-19 heimgesucht wird.

Angeblich sind die Impfstoffvorräte in Isfahan und Täbris sowie in Provinzen wie Gilan, Khuzestan und Mazandaran nahezu erschöpft.

Bahram Einollahi, der designierte Gesundheitsminister in der Regierung Raisi, sagte, er rechne nicht damit, dass der Iran vor Februar nächsten Jahres vollständig durchgeimpft sein werde, was ein langsamerer Zeitplan ist als der von Raisi versprochene. Bei den Bestätigungsanhörungen vor dem iranischen Parlament sagte Einollahi, dass dafür 120 Millionen Impfdosen erforderlich seien.

Einollahi erläuterte, die Gesamtzahl der gelieferten Impfstoffe – überwiegend aus China – habe bislang 23 Millionen Menschen erreicht, aber nur etwas mehr als 6 Millionen seien bereits zweimal geimpft worden.

Der Iran hat eine Bevölkerung von mehr als 85 Millionen Menschen, sodass der Anteil der geimpften Iraner weit unter dem anderer Länder in der Region liegt. Raisis Gesundheitsminister sagte jedoch, 85% der Faktoren, die die Gesundheit beeinflussen, lägen außerhalb der Kontrolle seines Ministeriums. (…)

Die Zahl der Todesopfer im Iran ist inzwischen auf 102.648 gestiegen, wobei am Montag weitere 610 Todesfälle bekannt gegeben wurden, während am Sonntag mit 684 ein neuer Tagesrekord erreicht worden war.

Die Zahl der Neuinfektionen pro Tag ging von der Rekordzahl 50.228 am 17. August auf 38.657 am Montag zurück, aber die fünfte Welle, die seit Ende Juni im Gange ist, ist drei- bis viermal tödlicher als alles, was das Land bislang heimgesucht hat. Dies ist auf die Virulenz der Delta-Variante, die Erschöpfung der iranischen Bevölkerung und den Mangel an Impfstoffen zurückzuführen. Die Zahl der täglichen Todesopfer hat zeitweise das Ausmaß des iranisch-irakischen Krieges in den 1980er Jahren erreicht. (…)

Ein Teil der Verzögerung bei den Impfungen wurde durch das iranische Verbot der Verwendung westlicher Impfstoffe, z. B. AstraZeneca, verursacht, wegen dem der Iran auf einen einheimischen Impfstoff oder auf Lieferungen aus Russland und China warten musste. Im Juni war klar, dass die russischen und chinesischen Lieferungen nicht rechtzeitig ankommen würden.

Im Februar prahlte der damalige Gesundheitsminister Saeed Namaki damit, dass der Iran innerhalb von zwei bis drei Monaten eines der wichtigsten Zentren für die Impfstoffproduktion in der Region sein würde; ein Versprechen, das bei weitem nicht eingelöst wurde. (…)

Hossein Salami, Oberbefehlshaber der Revolutionsgarden, verteidigt weiterhin den Umgang der Regierung mit der Corona-Krise, unter den auch das Verbot westlicher Impfstoffe fällt. „Wir trauen dem Westen nicht. Während sie biologische Waffen gegen unser Volk einsetzen, handeln wir auf der Grundlage des Prinzips der Unabhängigkeit“, sagte er und fügte hinzu, dass die Wirtschaftssanktionen den Kauf von Medikamenten erschweren würden.

(Aus dem Artikel Iranian government urged to accept western vaccines amid deadly Covid wave“, der im Guardian erschienen ist. Übersetzung von Alexander Gruber.)

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