Die Familie des ehemaligen Präsidenten Hassan Rohani und der Sprecher des iranischen Parlaments gehören zu jenen, die angeblich französische Visa beantragt haben.
Wie ein französisch-iranischer Journalist der französischen Presse mitteilte, seien Funktionäre der iranischen Führung bereits auf der Suche nach Zufluchtsorten in Europa. »Seit genau 24 Stunden haben mehrere Persönlichkeiten aus dem reformistischen Lager Visa beantragt oder versuchen, über einen Pariser Anwalt französische Visa für ihre Familien zu erhalten«, sagte der auf Nahost-Angelegenheiten spezialisierte Emmanuel Razavi am Donnerstag gegenüber FigaroVox, einer Website der französischen Zeitung Le Figaro.
Einer der Iraner, die Visa beantragt haben, soll der Sprecher des iranischen Parlaments, Mohammad Bagher Ghalibaf, sein, erklärte Razavi am Mittwoch gegenüber der Nouvelle Revue Politique. Ghalibaf habe »verstanden, dass das Regime kurz vor dem Zusammenbruch steht«, ebenso wie die Familie von Hassan Rohani, dem von 2013 bis 2021 amtierenden Präsidenten, »dessen Neffe über seinen Anwalt ein Visum für Frankreich beantragt hat«.
»Verrat und Überläufer stehen an der Spitze der Macht tatsächlich an der Tagesordnung. Einige Oppositionsführer, mit denen ich gesprochen habe, halten das derzeitige Geschehen im Iran für beispiellos. In Wirklichkeit spürt man, dass es die iranische Bevölkerung ist, die den fatalen Schlag versetzen kann«, fügte Razavi hinzu.
IM FRANZÖSISCHEN FERNSEHEN:
Die Familien von Ghalibaf und Peseschkian haben in Frankreich Visa beantragt – wegen der landesweiten Proteste im Iran.
Das Mullah-Regime hat kalte Füße bekommen. pic.twitter.com/4xFtS8nZK2— Iman Sefati (@ISefati) January 8, 2026
Khameneis Fluchtplan
Razavis Bericht folgte auf einen Artikel der Londoner Zeitung Times vom 4. Januar, nach dem auch der Oberste Führer des Irans, Ayatollah Ali Khamenei, einen Notfallplan vorbereitet hat, das Land zu verlassen, falls die iranischen Sicherheitskräfte nicht in der Lage oder nicht willens seien, die landesweiten Unruhen niederzuschlagen.
Wie aus einer Geheimdienstbewertung hervorgeht, würde der 86-Jährige Teheran mit einem Kreis von Beratern und Familienmitgliedern verlassen, sollte er zu dem Schluss kommen, dass das Militär und die Sicherheitskräfte, die mit der Wiederherstellung der Ordnung beauftragt sind, desertieren, fliehen oder sich weigern, Befehle auszuführen. Eine Geheimdienstquelle teilte der Times mit, dass Khameneis sogenannter »Plan B« seine engsten Vertrauten und Verwandten umfassen würde, darunter seinen Sohn Mojtaba, der weithin als sein bevorzugter Nachfolger gilt.
Beni Sabti, ein ehemaliger israelischer Geheimdienstoffizier, der acht Jahre nach der Islamischen Revolution von 1979 aus dem Iran floh, sagte der Times, Khameneis Ziel würde Moskau sein, da Russland seiner Meinung nach die einzige realistische Zuflucht sei. Die Fluchtstrategie ähnelt der des ehemaligen syrischen Präsidenten Baschar al-Assad, einem engen Verbündeten Teherans, der im Dezember 2024 ebenfalls in die russische Hauptstadt floh, als die oppositionellen Kräfte auf Damaskus vorrückten.
Laut der Geheimdienstquelle umfassen die Vorbereitungen die Festlegung von Evakuierungsrouten aus Teheran und die Sicherung von Vermögenswerten, Immobilien und Bargeld im Ausland, um im Fall einer notwendigen Ausreise eine sichere Durchreise zu gewährleisten.






