Iranische Behörden schränken Berichterstattung über Inflation ein

„Die iranischen Behörden versuchen, die Berichterstattung über die iranische Währung einzuschränken, wodurch sich die Frage stellt, inwieweit auf ihre Angaben zum Wechselkurs noch Verlass ist. Der Teheraner Staatsanwalt Abbas Jafari Doulatabadi erklärte im Staatsfernsehen, die Medien könnten über den Verfall des Rial berichten, müssten aber Meldungen vermeiden, die den Markt weiter ‚destabilisieren‘ könnten. Der Chef der iranischen Cyberpolizei Kamal Hadianfar setzte am Mittwoch nach. ‚Wir haben 1381 Webseiten identifiziert, die für Spannungen im Goldmünzenhandel gesorgt haben‘. Die amtliche Nachrichtenagentur IRNA behauptete, diese Webseiten würden vom Ausland aus betrieben, etwa von den Vereinigten Arabischen Emiraten und Kanada aus. Mehr als 500 Webseiten seien gesperrt worden und gegen weitere 200 werde ermittelt. Doulatabai hatte vergangene Woche 17 Webseiten und soziale Mediendienste geschlossen, die mittels ihrer Beobachtung des Devisenmarkts in Teheran und anderen Großstädten live über den Wechselkurs berichteten.

Der Rial hat dieses Jahr 70 Prozent seines Werts verloren. Bereits Anfang des Jahres kostete ein Dollar 45.000 Rial. Ende September waren es schon 190.000. Dann schritt die Regierung ein und strukturierte den Devisenmarkt um. Dies soll eine gewisse Erholung gebracht haben. Vergangene Woche soll ein Dollar nur noch 135.000 Rial gekostet haben, doch waren es am Donnerstag bereits wieder 147.000.

Der Chef des Präsidialamts Mahmoud Vaezi bestellte die Herausgeber der Teheraner Zeitungen am Montag zu sich und forderte sie auf, ‚der Regierung bei der Lösung der Probleme zu helfen und Hoffnung und Vitalität in der Gesellschaft zu inspirieren‘. Angesichts der umfassenden US-Sanktionen, die am 5. November in Kraft träten, sei die Regierung mit ‚einer neuen Situation‘ konfrontiert und bedürfe der Unterstützung der Medien, ‚um mit dieser Situation fertig zu werden‘. Die Presse müsse sich bemühen, die Nation bei Laune zu halten, da ‚die Feinde sich verschworen haben, um einen Wirtschaftskrieg gegen den Iran zu führen‘, so Vaezi. Seine Bemerkungen erinnerten an die des religiösen Staatsoberhaupts, der die Berichterstattung über die wirtschaftlichen Schwierigkeiten des Iran im September kritisiert hatte. ‚Diese Übertreibungen befördern die Ängste der Öffentlichkeit und erlauben es dem Virus des Pessimismus, sich auszubreiten. Man soll sich nicht so äußern, dass die Öffentlichkeit sich ängstigt und meint, es sei alles verloren‘, so Khamenei.“ (Scott Lucas: „Officials Crack Down on Reporting of Currency Decline“)

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