Latest News

Iran: Wo das Verschwinden zur Verwaltungsmaßnahme wird

Nach Kritik am Regime ist die junge Iranerin Bita Shafiei verschwunden
Nach Kritik am Regime ist die junge Iranerin Bita Shafiei verschwunden (Quelle: Screenshot X)

Die Festnahme einer jungen Frau wegen eines von ihr verbreiteten Videos zeigt einmal mehr, wie das iranische Regime Kritik unterdrückt. Besonders Frauen erleben willkürliche Festnahmen und Folter.

Im Iran verschwindet man nicht nur, wenn man ein Verbrechen begeht. Man verschwindet auch, weil man die Wahrheit sagt. Am 13. November wurde die neunzehnjährige Bita Shafiei aus Shahinshahr bei Isfahan von der Revolutionsgarde festgenommen. Seither gibt es weder ein Lebenszeichen von ihr noch von ihrer Mutter Maryam Abbasi-Nikoo, die bereits am 10. November verschleppt wurde.

Auslöser des Vorfalls war ein kurzes Video Bitas, in dem sie Reza Pahlavi unterstützt, den Exil-Prinzen, den viele Iraner längst weniger als Monarchen denn als Projektionsfläche für eine postislamistische Zukunft begreifen. Ein Satz über Freiheit und ein Name, den man im Iran besser nur mit Vorsicht ausspricht, reichte den Sicherheitskräften, um zuzugreifen. Zuvor wurde das Haus der Familie ohne Angabe von Gründen durchsucht, dabei wurde Bitas Mutter festgenommen.

Bita selbst brachte es in wenigen Sätzen auf den Punkt: »Ich bin eine junge Frau, die leben will, nicht einfach nur existieren … Mein Traum ist es, eines Tages einen freien Iran zu sehen.« Worte, die in einem Land, das besonders Frauen systematisch entrechtet, als offene Kampfansage gelten.

Der von Bita unterstützte Reza Pahlavi verurteilte die Entführung der jungen Frau durch die Revolutionsgarde und erklärte, man werde ihrer Bitte folgen, ihre Stimme zu sein: »Wir werden sie nicht im Stich lassen.« Pahlavi richtete sich direkt an sie und an die Generation, die seit 2022 gegen die Islamische Republik aufbegehrt: »Bita, ich verneige mich vor deinem Mut und dem Mut von Tausenden junger Menschen wie dir. Für dich, für all unsere Menschen: Der Iran wird sich erheben.«

Kaum Resonanz

Die Geschichte der jungen Frau und ihrer Mutter reiht sich in eine lange Reihe von Fällen ein, die außerhalb des Irans kaum noch Resonanz erzeugen. Diejenigen, die im Land protestieren, wissen, dass ihr Leben auf dem Spiel steht. Doch das Regime hat gelernt, seine Repressionen zu kalibrieren. Nicht jeder Mord soll Folgen wie im Fall Jina Mahsa Amini nach sich ziehen, nicht jede Hinrichtung Schlagzeilen machen. Das Verschwindenlassen von Personen hat im Iran eine besondere Methode und erfolgt dosiert, unauffällig und alltäglich.

Bereits im August 2023 wurde Bita bei den Protesten mit anderen jungen Frauen gegen die chemischen Angriffe auf Schulen festgenommen: Anschläge, bei denen Hunderte Schülerinnen vergiftet wurden, ohne dass jemals jemand zur Verantwortung gezogen wurde. Nach ihrer damaligen Festnahme berichtete sie von Folter und gebrochenen Fingern während der Verhöre. Es sind jene Details, die nicht für internationale Empörung reichen, aber für das Regime genügen, um Angst zu säen.

Die Kampagne »Free Bita«, die iranische Aktivisten ins Leben gerufen haben, will dort Öffentlichkeit schaffen, wo es weder Rechtsstaatlichkeit noch Transparenz gibt. Trotz vereinzelter Proteste in Europa, etwa in Belgien und Deutschland, bleibt der internationale Druck viel zu gering.

Möglicherweise ist das Schicksal von Bita Shafiei bereits Teil der alltäglichen Repressionsroutine im Iran geworden, einer Routine, die Stabilität suggeriert, während sie systematisch versucht, jede Form von Freiheit zu zerstören. Die stille Revolte der jungen Iranerinnen und Iraner lässt sich jedoch nicht vollständig unterdrücken. Das Regime mag repressiver werden, aber es verliert zunehmend den Boden unter den Füßen. So besteht Hoffnung, dass Bita und ihre Mutter überleben und nicht das gleiche Schicksal ereilen wie Jina Mahsa Amini.

Bleiben Sie informiert!
Mit unserem wöchentlichen Newsletter erhalten Sie alle aktuellen Analysen und Kommentare unserer Experten und Autoren.

Zeigen Sie bitte Ihre Wertschätzung. Spenden Sie jetzt mit Bank oder Kreditkarte oder direkt über Ihren PayPal Account. 

Mehr zu den Themen

Das könnte Sie auch interessieren

Wir reden Tachles!

Abonnieren Sie unseren Newsletter und erhalten Sie alle aktuellen Analysen und Kommentare unserer Experten und Autoren!

Nur einmal wöchentlich. Versprochen!