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Iran: Von Universitäten zu Militärgarnisonen

Irans Präsident Peseschkian trifft sich mit Mitgliedern der Islamischen Vereinigung der Hochschullehrer
Irans Präsident Peseschkian trifft sich mit Mitgliedern der Islamischen Vereinigung der Hochschullehrer (© Imago Images / APAimages)

Wie die Islamische Republik die akademische Freiheit im Iran zerstörte und damit den Kreislauf aus Unterdrückung und Niedergang des Landes weiter zementierte.

Universitäten sollten in jedem Land Zentren des Wissens, der Forschung und der Gedankenfreiheit sein. Unter der Herrschaft der Islamischen Republik Iran wurden diese akademischen Einrichtungen jedoch nach und nach ihrer natürlichen Rolle beraubt und zu politisierten und militarisierten Garnisonen umfunktioniert. Was im Iran noch immer als Universität bezeichnet wird, dient heute weitgehend als Instrument der sozialen und politischen Kontrolle, als Mechanismus zur Unterdrückung der akademischen Freiheit, anstatt diese zu fördern.

Der Staat hat ein Netz von Institutionen innerhalb der Universitäten aufgebaut, um ideologische Loyalität und politischen Gehorsam durchzusetzen: Herasat (Campus-Geheimdienste), die Studenten-Basidsch, das Büro des Vertreters des Obersten Führers und von der Regierung unterstützte islamische Vereinigungen. Gemeinsam haben diese Gruppen den Universitäten ihren wissenschaftlichen Geist genommen und die Campus mit Personen gefüllt, die sich eher wie Sicherheitskräfte als wie Studenten oder Wissenschaftler verhalten. In vielen Fällen üben mit dem Sicherheitsapparat verbundene Personen mehr Einfluss aus als ordentliche Professoren. Manchmal hat sogar ein mit Geheimdienstkreisen verbundener Torwächter einer Universität mehr Macht über das akademische Umfeld als ein hochrangiges Fakultätsmitglied.

Hinter diesen Maßnahmen steht ein klares Ziel: die Entstehung unabhängiger Studentenbewegungen zu verhindern und die zentrale Rolle zu neutralisieren, die Studenten und Akademiker historisch in den iranischen Kämpfen gegen Diktatur und Autoritarismus gespielt haben.

Spaltung und Verfall

Das Ergebnis ist eine erzwungene Spaltung innerhalb der akademischen Gemeinschaft. Auf der einen Seite stehen diejenigen, die sich an die restriktiven Rahmenbedingungen des Regimes halten, um ihre Arbeitsplätze oder Abschlüsse zu behalten und eine passive Rolle akzeptieren, um zu überleben.

Auf der anderen Seite stehen diejenigen, die Widerstand leisten – Studierende und Professoren, die sich für Protest, Kritik oder Auflehnung entscheiden. Für sie sind die Folgen schwerwiegend: Ausschluss, Einkommensverlust, akademische Ächtung (die sogenannten »mit Sternchen versehenen Studenten«), Verweigerung der weiteren Ausbildung oder letztlich Zwangsmigration. Diese Politik hat die talentiertesten Wissenschaftler des Landes effektiv aus den Universitäten vertrieben und sie ins Ausland gedrängt, wo sie ihre Forschung und Karriere in Freiheit fortsetzen können.

Infolgedessen bilden iranische Universitäten keine Talente mehr aus und generieren kein Wissen mehr, sondern reproduzieren die Ideologie des herrschenden Systems und bilden loyale Kader aus. Akademische Leistungen werden zugunsten politischer Konformität abgewertet. Im heutigen Iran hat der Besitz einer Basidsch-Mitgliedskarte oder die Bezeichnung »islamischer Veteran« weitaus mehr Gewicht bei der Sicherung eines Arbeitsplatzes oder einer Beförderung als echte Fachkenntnisse oder Forschungsleistungen.

Für Professoren sind die Teilnahme an vom Regime gesponserten Zeremonien und Treffen mit geistlichen Autoritäten für den beruflichen Aufstieg vorteilhafter als die Veröffentlichung von Artikeln oder die Durchführung von Forschungsarbeiten. Infolgedessen ist die Zahl der Universitäten und Studenten zwar gestiegen, aber die Qualität der Hochschulbildung ist zusammengebrochen. Iranische Universitäten sind in den weltweiten Rankings stetig zurückgefallen, während jene von regionalen Nachbarn wie der Türkei und Saudi-Arabien aufgestiegen sind. Heute rangiert die König-Saud-Universität in Riad vor der Universität Teheran – eine erstaunliche Kehrtwende für eine Institution, die einst als intellektuelles Zentrum des Nahen Ostens galt.

Die Säuberungspolitik des Regimes hat diese Krise noch verschärft. Unabhängige und kritische Professoren werden systematisch entfernt und durch Propagandisten und Ideologen des Regimes ersetzt. Die Entlassung von Spitzenkräften der Lehre und ihre Ersetzung durch loyale Persönlichkeiten ist an den Hochschulen zur Normalität geworden.

Dies hat das Humankapital des Landes zerstört: Wissenschaftler, die in der Lage wären, die Entwicklung des Irans voranzutreiben, werden entweder an den Rand gedrängt oder ins Exil gezwungen. Anstatt Talente zu fördern, vertreibt die Islamische Republik dieselben. Selbst ganz gewöhnliche Familien beklagen offen diesen Braindrain und weisen darauf hin, dass ihre begabtesten Kinder, denen Chancen verwehrt und die von politisch vernetzten Eliten und den sogenannten »guten Genen« der Kinder von Regimefunktionären verdrängt werden, gezwungen sind, das Land zu verlassen.

Verrat an der Zukunft

Hinzu kommt, dass das Regime, während sich die Qualität der Bildung im Inland verschlechtert, große Ressourcen für den Ausbau iranischer Universitäten im Ausland, insbesondere im Irak, aufwendet. Einrichtungen wie die Al-Mustafa International University, Zweigstellen der Teheraner Universität für Medizinische Wissenschaften in Kerbela und die Expansion der Islamischen Azad-Universität verdeutlichen die Prioritäten des Regimes. Diese Projekte zeigen, dass die Islamische Republik den Export ihres politischen und religiösen Einflusses weit mehr schätzt als die Verbesserung der akademischen Standards im eigenen Land. Für die Regierung sind Universitäten Instrumente zur Verbreitung ihrer Ideologie im Ausland und keine Plattformen für echten intellektuellen Fortschritt im Iran.

Die Militarisierung der Universitäten ist nicht nur ein innenpolitisches Problem; ihre Folgen reichen weit über die Grenzen hinaus. Eine Gesellschaft, in der die klügsten Köpfe zum Schweigen gebracht oder ins Exil getrieben werden, driftet in intellektuelle Stagnation, soziale Krisen und langfristige Unterentwicklung ab. Eine solche Gesellschaft kann weder einen sinnvollen Beitrag zum globalen Fortschritt leisten noch ihre eigenen internen Probleme lösen. Universitäten, die Indoktrination über Bildung stellen, zerstören nicht nur die Zukunft einer Nation, sondern gefährden auch die Stabilität der Region.

Letztendlich ist die Militarisierung der Universitäten durch das Mullah-Regime ein einziger großer Verrat an der Zukunft des Irans. Der Exodus von Intellektuellen, der Verlust der internationalen Glaubwürdigkeit und der stetige Verfall der Bildungsstandards sind die direkten Folgen dieser Politik.

Heute, da der Iran bereits mit zahlreichen Krisen konfrontiert ist – von Energieknappheit bis hin zur Umweltzerstörung –, beschleunigt sich der intellektuelle Niedergang noch weiter. Noch bevor das neue akademische Jahr begonnen hat, bereiten die Behörden unter Berufung auf die Wasser- und Stromknappheit die Verlegung des Unterrichts ins Internet vor. Es ist absehbar, dass diese Online-Kurse ständigen Stromausfällen und langsamen, unzuverlässigen Internetverbindungen einhergehen werden, was die Qualität der Hochschulbildung zusätzlich verschlechtern wird.

Was einst eine stolze Tradition der Wissenschaft und des kritischen Denkens war, ist zu einer Arena der Überwachung, Einschüchterung und ideologischen Konformität verkommen. Wenn die Universitäten nicht aus diesem militarisierten Würgegriff befreit werden, wird das Land weiterhin seine klügsten Köpfe verlieren, sodass sich der Kreislauf aus Unterdrückung und Niedergang auch in Zukunft fortsetzen wird.

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