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Erster direkter Angriff: Iran feuert über 300 Drohnen und Raketen auf Israel 

Das israelische Kriegskabinett bei einer Sondersitzung wegen des iranischen Angriffs
Das israelische Kriegskabinett bei einer Sondersitzung wegen des iranischen Angriffs (© Imago Images / Xinhua)

Ein siebenjähriges Beduinenmädchen in der im Süden Israels gelegenen Stadt Arad wurde durch Trümmer einer iranischen Rakete schwer verwundet.

Charles Bybelezer

Als Reaktion auf die Tötung mehrerer Offiziere der iranischen Revolutionsgarden in Syrien am 1. April hat der Iran in der Nacht zum Samstag mehr als dreihundert Raketen unbemannte Luftfahrzeuge (UAV) von seinem Territorium aus auf Israel abgefeuert. Daraufhin heulten Raketenwarnsirenen im Norden und Süden Israels sowie in Jerusalem und in Städten im Westjordanland.

In der im Süden Israels gelegenen Stadt Arad wurde ein siebenjähriges Beduinenmädchen schwer verletzt, offenbar durch Trümmer einer iranischen Rakete. Rettungssanitäter des Magen David Adom (Roten Davidstern) haben das Opfer in das Soroka Medical Center in Be’ers Sheva gebracht. Die Israelischen Verteidigungsstreitkräfte (IDF) riefen die Bewohner der Golanhöhen im Norden sowie der Gebiete Dimona, Eilat und Nevatim im Süden auf, sich bis auf Weiteres in der Nähe von Luftschutzkellern aufzuhalten.

Ein israelischer Verteidigungsbeamter sagte dem Armeeradio, dass bereits mehr als hundert Drohnen außerhalb des israelischen Luftraums abgefangen worden seien. Der Beamte sagte, die Drohnen seien von den Vereinigten Staaten und Großbritannien abgeschossen worden. Die israelische Luftwaffe verfolge die übrigen UAV auf dem Radar und bereite sich auf weitere Angriffswellen vor. Die amtliche Teheraner Nachrichtenagentur IRNA meldete, dass unter den auf Israel abgefeuerten Geschossen auch ballistische Raketen waren.

Auch die vom Iran unterstützten Huthi-Rebellen im Jemen hätten eine unbekannte Anzahl von Drohnen auf den jüdischen Staat abgeschossen, berichtete die Agentur Agence France-Presse unter Berufung auf die Sicherheitsagentur Ambrey.

IDF-Sprecher Daniel Hagari erklärte, das Militär habe sich auf diese Art von Szenario vorbereitet und sei bereit, die ankommenden Geschosse abzufangen. Er wies jedoch darauf hin, dass die israelischen Luftabwehrsysteme nicht völlig unüberwindbar seien. Die israelische Flughafenbehörde kündigte an, der Luftraum des Landes sei ab 00:30 Uhr bis aus Weiteres geschlossen.

Gegen jede Bedrohung verteidigen

In einer Videoansprache an die Nation erklärte Premierminister Benjamin Netanjahu, das Land sei bereit, sich zu verteidigen und zurückzuschlagen. »Bürger Israels, in den vergangenen Jahren und insbesondere in den letzten Wochen hat sich Israel auf einen direkten Angriff des Irans vorbereitet. Unsere Verteidigungssysteme sind im Einsatz; wir sind auf jedes Szenario vorbereitet, sowohl defensiv als auch offensiv. Der Staat Israel ist stark. Die IDF sind stark. Die Öffentlichkeit ist stark«, sagte Netanjahu in seiner Ansprache.

Israels Premierminister dankte den Vereinigten Staaten, Großbritannien, Frankreich und anderen Ländern für ihre Unterstützung angesichts der iranischen Aggression. »Wir haben einen klaren Grundsatz festgelegt: Wer uns schadet, dem werden wir auch schaden. Wir werden uns gegen jede Bedrohung verteidigen, und wir werden dies mit Entschlossenheit tun. Bürger Israels, ich weiß, dass auch Sie besonnen sind. Ich rufe Sie auf, den Anweisungen des IDF-Kommandos an der Heimatfront zu folgen. Gemeinsam und mit Gottes Hilfe werden wir alle unsere Feinde besiegen.«

Das IDF-Kommando für die Heimatfront hat am Samstagabend neue Richtlinien erlassen, die unter anderem ein Verbot von Bildungsaktivitäten und Versammlungen mit mehr als tausend Personen vorsehen.

US-Präsident Joe Biden bekräftigte am Samstagabend, seine Regierung stehe für die Sicherheit des jüdischen Staates ein. »Der Iran hat mit einem Luftangriff auf Israel begonnen. Präsident Biden wird von seinem nationalen Sicherheitsteam regelmäßig über die Situation informiert und sich heute Nachmittag mit diesem Team treffen«, heißt es in einer Erklärung des Weißen Hauses. Biden und sein Team stünden in ständigem Kontakt mit israelischen Beamten sowie mit anderen Partnern und Verbündeten, heißt es in der Erklärung weiter. »Dieser Angriff wird sich wahrscheinlich über mehrere Stunden hinziehen. Präsident Biden hat sich klar ausgedrückt: Unsere Unterstützung für Israels Sicherheit ist unumstößlich. Die Vereinigten Staaten stehen an der Seite des israelischen Volkes und unterstützen seine Verteidigung gegen diese Bedrohung durch den Iran.«

Zu globalem Konflikt ausgeweitet

Zuvor hatten am Samstag Seestreitkräfte des Korps der Islamischen Revolutionsgarden (IRGC) das unter israelischer Flagge fahrende Containerschiff MSC Aries in der Nähe der Straße von Hormus gekapert. Israels Außenminister Israel Katz warf Teheran vor, das in Portugal registrierte, von der Mediterranean Shipping Company betriebene und zu der in London ansässigen Zodiac Maritime gehörende Frachtschiff gekapert zu haben. Zodiac Maritime ist Teil der Zodiac Group des israelischen Immobilien-, Energie-, Technologie- und Schifffahrtsmagnaten Eyal Ofer.

Katz forderte die Europäische Union und den Rest der freien Welt auf, die IRGC unverzüglich als terroristische Organisation einzustufen und Sanktionen gegen die Islamische Republik zu verhängen. »Das Ayatollah-Regime von [dem iranischen Obersten Führer Ali] Khamenei ist ein kriminelles Regime, das die Verbrechen der Hamas unterstützt und nun eine Operation von Piraterie durchführt, die gegen internationales Recht verstößt«, sagte er.

IDF-Sprecher Hagari warnte, dass der Iran »die Konsequenzen tragen werde, wenn er sich für eine weitere Eskalation der Situation entscheidet. Der Iran finanziert, trainiert und bewaffnet Terror-Vertreter im gesamten Nahen Osten und darüber hinaus. Die vom Iran unterstützte Hamas hat diesen Krieg am 7. Oktober begonnen; die vom Iran unterstützte Hisbollah hat diesen Krieg am 8. Oktober ausgeweitet; und seitdem haben die vom Iran unterstützten Milizen im Irak und in Syrien sowie die vom Iran unterstützten Huthi im Jemen diesen Krieg zu einem globalen Konflikt ausgeweitet.«

Premier Netanjahu beschloss am Samstagabend, das Kriegskabinett und anschließend das erweiterte Sicherheitskabinett einzuberufen. Israels Verteidigungsminister Yoav Gallant traf sich außerdem mit dem IDF-Generalstabschef Herzi Halevi und anderen Sicherheitsbeamten zu einer Bewertung. »In den vergangenen Tagen haben wir unser defensives und offensives Arsenal verstärkt, und wir sind entschlossen, alle erforderlichen Maßnahmen zu ergreifen, um die Bürger des Staates Israel zu verteidigen«, hieß es in einer Erklärung Gallants am Samstagabend.

Israel habe neue Fähigkeiten hinzugewonnen, ließ Gallant erklären, »zu Lande, in der Luft, zur See, in unserer Geheimdienstabteilung, innerhalb des Staates Israel und zusammen mit unseren Partnern, allen voran den Vereinigten Staaten. Der Iran ist ein terroristischer Staat, und die Welt sieht das heute mehr denn je. Wir sind entschlossen, unsere Bürger gegen diesen Terrorismus zu verteidigen und wir werden wissen, wie wir darauf zu reagieren haben.«

Die iranische Vertretung bei den Vereinten Nationen erklärte in der Nacht zum Samstag, dass die »Militäraktion« gegen Israel beendet sei. Teheran erklärte, der Angriff sei eine Reaktion auf Israels »Aggression gegen unsere diplomatischen Einrichtungen in Damaskus [und] die Angelegenheit kann als abgeschlossen betrachtet werden. Sollte das israelische Regime jedoch einen weiteren Fehler begehen, wird die iranische Antwort deutlich härter ausfallen. Es ist ein Konflikt zwischen dem Iran und dem schurkischen israelischen Regime, aus dem sich die USA heraushalten müssen.«

Ein hochrangiger israelischer Beamter erklärte gegenüber dem israelischen Sender Channel 12, Jerusalem plane eine »signifikante Antwort« auf den iranischen Angriff.

Der Text erschien auf Englisch zuerst beim Jewish News Syndicate. (Übersetzung von Alexander Gruber.)

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