Ayatollah Khamenei hat seine Flucht aus Teheran in die russische Hauptstadt Moskau geplant, falls seine Sicherheitskräfte die Unruhen nicht unterdrücken können.
Wie aus einem Geheimdienstbericht hervorgeht, liegt ein Notfallplan zur Flucht des 86-jährigen iranischen Obersten Führers Ayatollah Ali Khamenei vor, falls seine Sicherheitskräfte die Proteste der Bevölkerung nicht unterdrücken können oder sie selbst Befehle nicht befolgen oder sogar desertieren sollten. Im Fall des Falles soll er von einem engen Kreis von bis zu zwanzig Vertrauten und Familienmitgliedern begleitet werden.
»Der ›Plan B‹ gilt für Khamenei und seinen engsten Kreis von Vertrauten und Familienmitgliedern, darunter sein Sohn und designierter Thronfolger Mojtaba«, erklärte eine Geheimdienstquelle gegenüber der britischen Tageszeitung Times und führte aus, dass Khamenei nach Moskau fliehen würde, da »es keinen anderen Ort für ihn gibt«. Obendrein bewundere Khamenei den russischen Präsidenten Wladimir Putin und halte »die iranische Kultur der russischen Kultur für ähnlich«.
Der Plan basiert auf der Flucht von Khameneis ehemaligem Verbündeten, dem vor etwas mehr als einem Jahr gestürzten syrischen Führer Baschar al-Assad, der von Damaskus nach Moskau flog, bevor oppositionelle Kräfte im Dezember 2024 die Hauptstadt eroberten. »Sie haben einen Fluchtplan aus Teheran entworfen, falls sie die Notwendigkeit dazu sehen«, der die Mitnahme von »Vermögenswerten sowie Immobilien im Ausland und Bargeld umfasst, um ihre sichere Durchreise zu erleichtern«, so die Quelle.
Khamenei verfügt über ein großes Netzwerk an Vermögenswerten, von denen einige der Setad unterstehen, die eine der mächtigsten Organisationen im Iran und Teil eines Systems von halbstaatlichen Wohltätigkeitsstiftungen ist, die für ihre undurchsichtigen Finanzgeschäfte bekannt sind. Einer allerdings schon zwölf Jahre alten Reuters-Untersuchung zufolge beläuft sich dieses Gesamtvermögen auf 95 Milliarden Dollar, darunter Immobilien und Unternehmen, die alle von Khamenei gehalten und kontrolliert werden.
Paranoider Führer
Landesweite Proteste, die ursprünglich durch die grassierende wirtschaftliche Not ausgelöst worden waren, sich aber schnell zu Anti-Regime-Protesten entwickelten, haben in der letzten Woche Städte im ganzen Iran erfasst, darunter auch die heilige Stadt Qom. Die Demonstranten werfen den Sicherheitskräften – bestehend aus dem Korps der Islamischen Revolutionsgarde (IRGC), der Basidsch-Miliz, der Polizei und der Armee – vor, gewaltsame Mittel wie scharfe Munition, Tränengas und Wasserwerfer einzusetzen, um die Demonstrationen zu unterdrücken.
Die Sicherheitskräfte unterstehen vollständig dem Kommando des Obersten Führers, der die höchste Machtquelle in der Islamischen Republik ist, über allen Institutionen steht und sich vor allem auf die Revolutionsgarde stützt, um seine Anordnungen durchzusetzen. Sein Fluchtplan würde aktiviert, sollte Khamenei das Gefühl haben, dass die Sicherheitskräfte seinen Befehlen nicht mehr Folge leisten. Desertion und Überlaufen seien allerdings nicht einfach, da Khamenei wichtige Ernennungen selbst kontrolliert, wie aus einem von der Times zitierten psychologischen Profil des Führers hervorgeht, das von einem westlichen Geheimdienst erstellt wurde.
Derselbe Bericht besagt jedoch auch, dass Khamenei seit dem zwölf Tage dauernden Krieg mit Israel im vergangenen Juni »sowohl geistig als auch körperlich geschwächt« sei. Er ist kaum noch in der Öffentlichkeit zu sehen und hat sich insbesondere während der letzten Tage der Proteste nicht gezeigt oder zu Wort gemeldet. Während des Kriegs hatte sich Khamenei in einem Bunker verschanzt, um dem Schicksal mehrerer anderer hochrangiger IRGC-Funktionäre zu entgehen, was seine »Überlebensbesessenheit« noch verstärkte.
Der Geheimdienstbericht bezeichnet Khamenei als »paranoiden« Führer, eine Eigenschaft, die seinen Plan geprägt hat, den Iran zu verlassen, sollte er das Gefühl haben, von seinen Sicherheitskräften im Stich gelassen zu werden. »Einerseits ist er sehr ideologisch motiviert, andererseits ist er pragmatisch in seiner Sichtweise: Er sieht taktische Kompromisse für ein langfristiges, größeres Ziel. Er ist ein langfristiger Denker.«






