Im vergangenen Jahr wurden mindestens 1.639 Menschen in der Islamischen Republik Iran hingerichtet. Das waren im Schnitt mehr als vier pro Tag.
Aktuell steht der Iran wegen des fast sechswöchigen Kriegs, wegen der Sperre der Straße von Hormus und zuletzt wegen der (vorerst) gescheiterten Verhandlungen mit den USA im Zentrum des medialen Interesses. Dennoch ging eine Meldung der letzten Tage erstaunlich unter – vielleicht, weil sie den so gerne gehegten Hoffnungen auf eine friedliche und diplomatische Lösung mit dem islamistischen Regime entgegensteht, insofern sie dessen wahren Charakter offenbart.
Wie zwei Menschenrechtsgruppen in einem am Montag veröffentlichten Bericht mitteilten, kam es 2025 in der Islamischen Republik zu einem massiven Anstieg der Hinrichtungen. So ließ das Teheraner Regime im vergangenen Jahr mindestens 1.639 Menschen exekutieren. Mit durchschnittlich mehr als vier Hinrichtungen pro Tag stellte dies einen Anstieg von fast siebzig Prozent gegenüber dem Vorjahr dar.
Weiterer Anstieg droht
Mit dem harten Vorgehen gegen die regierungsfeindlichen Proteste im Januar und dem Krieg gegen die USA und Israel könnte die Zahl der Hinrichtungen noch stärker ansteigen, so die in Norwegen ansässige Organisation Iran Human Rights (IHR) und die in Paris ansässige Organisation Together Against the Death Penalty (ECPM). Sollte der Iran »die aktuelle Krise überstehen, besteht die ernsthafte Gefahr, dass Hinrichtungen noch umfassender als Instrument der Unterdrückung und Repression eingesetzt werden«, heißt es in dem aktuellen Bericht der beiden NGOs.
Die 2025 registrierte Zahl der Exekutionen war die bei weitem höchste seit dem Beginn der Erfassung durch Iran Human Rights im Jahr 2008. Seit 1989, dem Jahr nach dem Ende des Iran-Irak-Kriegs, hat es in der Islamischen Republik keine so große Menge an Hinrichtungen mehr gegeben. Zugleich erklärte IHR, die ermittelte Zahl stelle nur ein »absolutes Minimum« der tatsächlichen Gesamtzahl dar. Da die Organisation mindestens zwei Quellen zur Bestätigung einer Hinrichtung verlangt, um sie in ihren Bericht aufzunehmen, müsse die Dunkelziffer um ein Vielfaches höher angenommen werden.
Die beiden hinter dem Bericht stehenden NGOs warnten zudem, dass »Hunderten von inhaftierten Demonstranten weiterhin die Gefahr von Todesurteilen und Hinrichtungen droht«, nachdem sie im Nachgang der Proteste vom Januar wegen Kapitalverbrechen angeklagt worden waren. Menschenrechtsgruppen sprechen davon, dass Tausende getötet und Zehntausende festgenommen wurden, als die Demonstrationen niedergeschlagen wurden. Bereits im Februar hatte Iran Human Rights gemeldet, ihm lägen Berichte vor, wonach in mehreren Gefängnissen heimlich Hinrichtungen von Gefangenen stattgefunden hätten.
Am 16. Februar gab der iranische Justizchef Gholamhossein Mohseni-Ejei die Anweisung, »die Hauptverantwortlichen für die Unruhen und terroristischen Akte zu verfolgen und zu bestrafen« und dabei »entschlossen und ohne jegliche Milde« vorzugehen. In einer Pressekonferenz am darauffolgenden Tag gab der Justizsprecher des Regime bekannt, dass im Zusammenhang mit den landesweiten Protesten 8.843 Anklagen erhoben worden seien, was die Gefahr drohender Massenhinrichtungen noch einmal unterstrich.
Minderheiten besonders betroffen
Indem das Regime im Jahr 2025 »durch durchschnittlich vier bis fünf Hinrichtungen pro Tag Angst schürte, versuchten die Behörden, neue Proteste zu verhindern und ihre bröckelnde Herrschaft zu verlängern«, erklärte IHR-Direktor Mahmood Amiry-Moghaddam den Grund für den massiven Anstieg. EPCM-Geschäftsführer Raphael Chenuil-Hazan fügte hinzu, die Todesstrafe werde im Iran »als politisches Instrument der Unterdrückung und Repression eingesetzt, wobei ethnische Minderheiten und andere marginalisierte Gruppen unter den Hingerichteten überproportional vertreten sind«.
Der Bericht der beiden NGOs stellte fest, dass die kurdische Minderheit im Westen und die Belutschen in der südöstlichen Provinz Sistan und Belutschistan, die beide überwiegend dem sunnitischen Islam angehören und nicht dem im Iran vorherrschenden schiitischen Zweig, besonders stark ins Visier genommen werden.
Die Menschenrechtsorganisation Amnesty International hatte schon im vergangenen Oktober gewarnt, dass »die Hinrichtungen ein Ausmaß angenommen haben, das im Iran seit 1989 nicht mehr erreicht wurde. Die UN-Mitgliedstaaten müssen der schockierenden Hinrichtungswelle der iranischen Behörden mit der gebotenen Dringlichkeit begegnen«, sagte der stellvertretende Amnesty-Regionaldirektor für den Nahen Osten und Nordafrika, Hussein Baoumi, damals.
Den »großen Menschenzerstörer« nannte Mena-Watch-Autor Stefan Frank das iranische Regime in einem Bericht über die Brutalität der Niederschlagung der Proteste Anfang des Jahres. Angesichts der neu bekanntgewordenen Zahlen ist diesem Urteil nur zuzustimmen – ebenso wie der Aussage des ehemaligen CIA-Analysten und Mitarbeiters des Nationalen Sicherheitsrates der USA, Ken Pollack: »Dass der Krieg damit endet, dass diese Führung weiterhin die Macht über das Regime innehat: Das ist so ziemlich das schlimmste Ergebnis, das ich mir vorstellen kann.«






