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Iran kann in ein bis zwei Wochen genug Uran für Atomwaffen produzieren

Rafael Grossi bei seinem Treffen mit dem iranischen Atom-Chef Mohammad Eslami
Rafael Grossi bei seinem Treffen mit dem iranischen Atom-Chef Mohammad Eslami (© Imago Images / ZUMA Wire)

Unter Missachtung der Auflagen der UN-Atomaufsichtsbehörde ist der Iran im Begriff, waffenfähiges Uran herzustellen.

Nach Ansicht des Generaldirektors der mit den Vereinten Nationen verbundenen Atomaufsichtsbehörde könnte der Iran nur noch wenige Wochen von der Entwicklung von Atomwaffen entfernt sein. In der Vergangenheit hatte sich der Iran bereit erklärt, der Organisation Informationen über seine Nuklearanlagen zu liefern und Zugang zu Kameras an seinen Nuklearstandorten zu gewähren. Seit dem Jahr 2022 wurden jedoch viele der Überwachungskameras entfernt; überdies wurden an nicht-deklarierten Stellen Spuren von Uran gefunden.

Der Leiter der Internationalen Atomenergie-Organisation IAEO, Rafael Grossi, ist vergangene Woche in den Iran geflogen, um die Überwachung der iranischen Nuklearaktivitäten durch die UNO wieder zu verstärken. Während seines Aufenthalts traf Grossi mit Mohammad Eslami, dem iranischen Atomchef, zusammen. »Der Iran war noch nie so nahe an einer Atombombe«, sagte Grossi nach seinem Besuch vor der Presse. »Es wird geschätzt, dass es nur noch eine Frage von Wochen und nicht von Monaten ist, sobald [der Oberste Führer Ali] Khamenei sich für diesen Weg entscheidet

Im Jahr 2018 beschloss die Regierung des damaligen US-Präsidenten Donald Trump, aus dem Atomabkommen zwischen dem Iran und den USA von 2015 auszusteigen. Im Rahmen des Abkommens erklärte sich der Iran bereit, seine Uranvorräte zu begrenzen und Uran nur auf 3,67 Prozent anzureichern, den für den Betrieb von Kernkraftwerken erforderlichen Reinheitsgrad. Im Gegenzug sollten die von den USA, der EU und dem UN-Sicherheitsrat verhängten Sanktionen aufgehoben werden. Der Rückzug Amerikas aus dem Atomabkommen hat die iranischen Nuklearaktivitäten nicht gestoppt. Vielmehr hat Teheran die Aufkündigung als Vorwand genutzt, um die Zusammenarbeit mit der IAEO zurückzufahren und seine Urananreicherung zu beschleunigen.

Nur militärisch zu stoppen

Die wissenschaftliche Mitarbeiterin des Royal United Services Institute’s Proliferation and Nuclear Policy Program, Darya Dolzikova, erklärte, der Iran habe ein Urananreicherungsniveau von 60 Prozent erreicht und nähere sich dem waffenfähigen Reinheitsgrad von 90 Prozent. Mit der aktuellen Geschwindigkeit würde die Herstellung einer ausreichenden Menge an spaltbarem Material für eine Atomwaffe etwa eine Woche dauern, die Herstellung der weiteren Waffenkomponente nehme jedoch mehr Zeit in Anspruch. »Wenn das Uran angereichert ist, muss es in eine Kernwaffe eingebaut werden, und dann wird es auf ein Trägersystem montiert.« Die Herstellung all dessen würde den Iran zwischen sechs Monaten und einem Jahr kosten

Der Leiter des Programms für Nuklear- und Strahlentechnik und Medizinphysik am Georgia Institute of Technology, Steven Biegalski, erklärte, eine Reinheit von 60 Prozent liege »weit über« der für Kernkraftwerke erforderlichen Reinheit. m«Das ist natürlich ein großes Problem. Sie legen sich ins Zeug, um ihr Ziel in ein oder zwei Wochen zu erreichen, ohne dass sie nennenswerte internationale Sanktionen zu befürchten haben.«

Biegalski sagte, der Iran missachte eindeutig die von der UNO gesetzten Grenzen und habe zusätzliche Zentrifugen installiert, um eine höhere Urananreicherung zu erreichen. »Ohne militärische Maßnahmen und nur durch den Einsatz politischer Mittel ist es fast unmöglich, diesen Prozess zu stoppen«, meinte er.

Die iranische Regierung hat stets erklärt, nicht die Absicht zu hegen, Atomwaffen herzustellen, doch nach der Eskalation zwischen Iran und Israel im vergangenen Monat schlug Kamal Kharazi, Khameneis Berater, einen anderen Ton an. »Wenn das zionistische Regime einen Angriff auf unsere Atomanlagen startet, wird sich unsere Form der Abschreckung ändern. Wir sind in der Lage, Atomwaffen zu entwickeln, und wir könnten sie in Zukunft einsetzen, um uns zu schützen«, sagte Kharazi in einem Interview mit Al Jazeera. 

»Eine Überprüfung unserer Nukleardoktrin und -politik sowie der zuvor kommunizierten Überlegungen ist durchaus möglich«, sagte Generalmajor auch Ahmad Haghtalab, der für die Sicherung der Atomanlagen zuständige Kommandeur des Korps der Islamischen Revolutionsgarde (IRGC), laut der halbamtlichen Nachrichtenagentur Tasnim, denn Drohungen »gegen die Atomanlagen machen es möglich, die erklärte Politik zu revidieren und davon abzuweichen – unsere Hände sind am Abzug«.

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