Vergangene Woche war es sechs Monate her, seit der Waffenstillstand zwischen Israel und dem Iran in Kraft getreten ist, der den als Zwölf-Tage-Krieg bezeichneten Konflikt beendete.
Für Israel war die Operation »Rising Lion« gegen den Iran ein entscheidender taktischer Sieg. Die israelische Luftwaffe erreichte ihre primären Ziele, die Schwächung des iranischen Atomprogramms und die massive Beschädigung der Produktionskapazitäten für ballistische Raketen.
In Teheran hingegen wird wie immer eine trotzige Haltung eingenommen. »Wir sind immer noch da«, signalisiert das Regime. Ein genauerer Blick auf die Lage der Islamischen Republik zeigt jedoch, dass zwar die Struktur des Regimes die israelischen Luftangriffe überstanden hat, die Grundlage, auf der die Mullahs sitzen, jedoch schneller bröckelt als der Beton ihrer zerbombten Bunker.
Während der fast 87-jährige Oberste Führer Ali Khamenei versucht, Stärke zu demonstrieren, glaubt die iranische Bevölkerung ihm das nicht. Eine kürzlich im Land durchgeführte Umfrage zeigt einen erstaunlichen Einbruch der Glaubwürdigkeit des Regimes. Laut dem Gamaan-Institut meinen 51 Prozent der Iraner, dass Israel den Krieg gewonnen hat, während nur sechzehn Prozent die Darstellung des Regimes von einem iranischen Sieg akzeptieren.
Noch aussagekräftiger ist der ideologische Wandel. Die Umfrage zeigt, dass 69 Prozent der Bevölkerung der Meinung sind, der Iran solle aufhören, die Zerstörung Israels zu fordern – ein Slogan der Islamischen Revolution seit 1979. Darüber hinaus glauben 62 Prozent, dass Teheran über sein Atomprogramm verhandeln muss und lehnen damit die harte Haltung der »Widerstandswirtschaft« ab.
Wasserkrise und Luftverschmutzung
»In den zwölf Tagen des Kriegs haben die Menschen gesehen, dass das Regime nicht einmal seine höchsten Funktionäre oder seine sensibelsten Hauptquartiere schützen konnte«, kommentierte ein iranischer Experte für die Islamische Republik, dessen Name aus Sicherheitsgründen nicht genannt werden kann. »Wenn neue Proteste ausbrechen, ist der Faktor Angst verschwunden.«
Die unmittelbarste existenzielle Bedrohung für den Iran ist jedoch nicht der Zionismus, sondern das tägliche Leben. Das Land befindet sich im sechsten Jahr in Folge in einer Dürreperiode. In Teheran haben Gebete um Regen wirksame politische Maßnahmen ersetzt. »Der Iran steht vor der größten Herausforderung seiner Geschichte«, erklärte Anna Lise, Senior Analystin für iranische Angelegenheiten. »Die Niederschlagsmenge ist landesweit deutlich zurückgegangen. In vielen Städten sind Wasserrationierungen die neue Normalität.«
Die Lage ist so dramatisch, dass Präsident Masoud Peseschkian kürzlich ein Katastrophenszenario andeutete, nämlich die mögliche Notwendigkeit, die Hauptstadt zu verlegen. »Auch wenn wir Wasser sparen, es aber immer noch nicht regnet, werden wir überhaupt kein Wasser mehr haben«, warnte er. »Teheran muss evakuiert werden.«
Satellitenbilder bestätigen die Wüstenbildung und zeigen schrumpfende Seen und leere Stauseen – hauptsächlich verursacht durch die Dämme. Für den Direktor des Iran-Programms am Institut für Nationale Sicherheitsstudien (INSS) Raz Zimmt sind die Dammbauten jedoch nicht der einzige Grund für die aktuelle Situation: »Jahrelange Agrarpolitik, die nicht an das wärmere Klima angepasst war, in Verbindung mit mangelnden Investitionen haben dazu geführt.«
Der Zusammenbruch der Umwelt hat einen Dominoeffekt zur Folge. Ohne Wasser fällt die Wasserkraft aus. Ohne Strom verbrennt die Regierung den schweren, minderwertigen Brennstoff Mazut, um die Lichter am Leuchten zu halten, wodurch die Städte ersticken. Allein in Teheran starben laut Statistiken kürzlich über 350 Bürger innerhalb einer Woche aufgrund der Luftverschmutzung. »Wir sind wie Frösche, die langsam gekocht werden«, beschrieb ein Pendler die Situation in der Hauptstadt.
Schwindender Einfluss
Die wirtschaftliche Strangulierung, die durch den Krieg und die Sanktionen noch verschärft wird, hat sechzig Prozent der Bevölkerung in die Armut getrieben. Die Hälfte davon lebt in »absoluter Armut« – das heißt, sie wachen morgens auf und wissen nicht, ob sie an diesem Tag etwas zu essen haben werden.
Trotzdem exportiert das Regime weiterhin täglich über 1,5 Millionen Barrel Öl, vor allem nach China. Diese Einnahmen halten das Regime über Wasser und finanzieren den Sicherheitsapparat, während der Rial zusammenbricht, sodass mittlerweile mehr als eine Million Rial gerade einmal einem Dollar entsprechen und sich die Preise für Grundnahrungsmittel innerhalb weniger Monate verdoppelt haben.
Das vielleicht sichtbarste Zeichen für den schwindenden Einfluss des Regimes sind die Straßen der Großstädte. Die Bewegung Frau, Leben, Freiheit mag brutal unterdrückt worden sein, aber sie hat einen stillen Sieg errungen. Berichten zufolge hat die Sittenpolizei die Durchsetzung der Hidschab-Gesetze deutlich reduziert – nicht aus Liberalismus, sondern aus Angst: »Wollten sie die Gesetze durchsetzen, würden sie es tun. Aber sie haben Angst, dass ein hartes Durchgreifen jetzt, nach dem Krieg, eine Explosion auslösen würde, die sie nicht eindämmen können«, so der anonyme Polit-Insider.
Dies wird von der Generation Z oder den Zoomers vorangetrieben, die fast vollständig von der Ideologie der Islamischen Revolution abgekoppelt sind. »Es gibt einen massiven Rückgang des religiösen Interesses«, fügte der Forscher hinzu. »Sie wissen einfach nichts über den Islam.« Heute hat eine offizielle Regierungsumfrage ergeben, dass 72 Prozent der Iraner die Trennung von Religion und Staat unterstützen, eine Zahl, die sich innerhalb eines Jahrzehnts mehr als verdoppelt hat.
An der Spitze der Pyramide erscheint der seit Ende der 1980er-Jahre regierende Oberste Führer Ali Khamenei zunehmend gebrechlich. Analysten wollen festgestellt haben, dass seine Sprache seit dem Krieg, den er Berichten zufolge großteils in einem Bunker verbracht hatte, langsamer und gelegentlich undeutlich geworden ist. Sein körperlicher Verfall beschleunigt den internen Kampf um die Nachfolge.
Der ehemalige Leiter der Forschungsabteilung des Militärgeheimdienstes der israelischen Verteidigungsstreitkräfte Yossi Kuperwasser spricht von zwei Lagern, die um die Führung ringen: »Auf der einen Seite stehen die Pragmatiker, die glauben, dass das Überleben des Regimes von Flexibilität abhängt. Auf der anderen Seite stehen die Konservativen, die argumentieren, dass Flexibilität Schwäche signalisiert.«
Steigende Repression
Nach dem Krieg scheint sich Ali Khamenei auf die Seite der Hardliner gestellt zu haben. Das Regime hat die politische Unterdrückung verschärft, seit dem Krieg mehr als 20.000 Menschen verhaftet, die Zahl der Hinrichtungen gesteigert und die Zahl der militärischen Kontrollpunkte erhöht.
Trotz der Verwüstungen des zwölftägigen Kriegs schmiedet der Iran seine Schwerter nicht zu Pflugscharen um. Das Regime sieht sein Überleben in der militärischen Macht begründet. Teheran arbeitet derzeit mit Hochdruck daran, moderne Luftabwehrsysteme zu erwerben und die von Israel zerstörten Bestände an ballistischen Raketen wieder aufzubauen. »Sie haben das Atomprogramm nicht aufgegeben«, warnt Kuperwasser. »Sie erschweren die Inspektionen der IAEO und streben eine Wiederbewaffnung an.«
Für Israel und die Vereinigten Staaten stellt die Situation ein komplexes Paradoxon dar. Derzeit gibt es keine organisierte Opposition, die in der Lage wäre, das Regime zu stürzen. Darüber hinaus sind sich sowohl Jerusalem als auch Washington bewusst, dass ein offener Versuch, einen Regimewechsel zu erzwingen, nach hinten losgehen könnte, da die Mullahs dann die Karte der »ausländischen Intervention« spielen könnten, um die Öffentlichkeit zu mobilisieren.
Die derzeitige Strategie besteht weiterhin darin, Druck auszuüben und Sanktionen und Isolation aufrechtzuerhalten, gepaart mit der Hoffnung, dass die internen Widersprüche – der Durst, der Hunger und der Hass auf das Regime – letztendlich dazu führen, dass das Kartenhaus von innen heraus zusammenbricht.






