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Iran droht Saudi-Arabien wegen Medienberichterstattung

Antisaudische Demonstration von Regime-Anhängern in Teheran
Antisaudische Demonstration von Regime-Anhängern in Teheran (© Imago Images / Pacific Press Agency)

Das iranische Regime unterstellt Saudi-Arabien, die kritische Haltung ausländischer Medien über die anhaltenden Proteste im eigenen Land zu unterstützen, und droht mit Vergeltungsschlägen.

Der Iran scheint seine Rhetorik gegenüber ausländischen Medien zu verschärfen, die er beschuldigt, die Proteste zu unterstützen, mit denen er sich nun schon seit mehr als anderthalb Monaten konfrontiert sieht. Da Teheran von einer Fortsetzung der Proteste ausgeht, sucht es einen Weg, die Unterstützung zu unterbinden, ohne gewaltsam eingreifen zu müssen. Denn obwohl das Regime zahlreiche Demonstranten getötet hat, versucht es – zumindest bislang noch –, die Proteste zu »managen«, ohne Tausende von Menschen niederzumetzeln.

Aus diesem Grund strebt die Islamische Republik ein Ende der ausländischen bzw. die Opposition unterstützende Berichterstattung an. Zu diesem Zweck hat das Regime dem kritischen Medienunternehmen Iran International, das neben BBC Persian und Voice of America beschuldigt wird, die Proteste zu schüren, sowie – nicht zum ersten Mal – Saudi-Arabien eine Botschaft zukommen lassen. Die regimetreue, den Revolutionsgarden (IRGC) nahestehende Nachrichtenagentur Tansim veröffentlichte einen Bericht, in dem es heißt, der Iran wisse, »dass der Satellitennachrichtensender Iran International von Saudi-Arabien finanziert wird«.

Die Saudis hätten auf die iranische Warnung zwar geantwortet, so heißt es in dem Bericht weiter, »dass sie mit Iran International nichts zu tun haben und sich von diesem terroristischen Medium distanzieren, aber wir kennen die saudische Verbindung zu Iran International genau. Und wir wissen, dass Saudi-Arabien die Finanzierungsquelle für die antiiranischen Maßnahmen ist und dieses Quasi-Medium von Saudi-Arabien finanziert wird.«

In Folge deutete das iranische Regime an, dass es zu »möglichen Zwischenfällen« in Saudi-Arabien kommen könnte. Nur wenige Tage zuvor war ein Video veröffentlicht worden, das einen angedeuteten Angriff iranischer Kamikaze-Drohnen des Typs Shahed 136 auf den Energiekomplex Shaybah in Saudi-Arabien zeigt. Bereits im August 2019 wurde diese Anlage bei einem ähnlichen Angriff iranischer Drohnen ins Visier genommen, bevor der Iran ein Monat später auch die saudische Energieanlage Abqaiq ins Visier nahm – Angriffe, die zeigen sollten, dass der Iran den saudischen Ölexporten gefährlich werden kann.

Die aktuellen Drohungen des Irans wirken, so stellt Seth J. Frantzman in seiner Analyse für die Jerusalem Post fest, wie eine mafiöse bei Schutzgelderpressungen: »Es wäre doch schade, würde etwas passieren«, während er doch nur andeutet, dass ein »Zwischenfall möglich« wäre, während er selbst natürlich nicht kontrollieren könne, was als Nächstes geschehen wird.

Sollten in den nächsten Wochen Anschläge stattfinden, stehen sicherlich die Revolutionsgarden dahinter. Kürzlich erklärte IRGC-Chef Generalmajor Hossein Salami, der Iran habe die saudische Regierung gewarnt, dass die vom Königreich unterstützten Medien versuchten, die iranische Jugend mit Propaganda aufzuhetzen.

»Seid vorsichtig mit eurem Verhalten und kontrolliert diese Medien, sonst wird euch der Rauch in den Augen stehen. Wir werden mit euch fertig werden. Ihr habt euch durch diese Medien in unsere inneren Angelegenheiten eingemischt, aber ihr wisst, dass ihr angreifbar seid. Wir haben euch gewarnt, dass ihr vorsichtig sein sollt.«

Der Iran hat angedeutet, er könnte versuchen, die »Feinde Saudi-Arabiens« in der Region zu stärken und Kontroversen zwischen Saudi-Arabien und »Ägypten, Irak, Katar, Oman und sogar den Vereinigten Arabischen Emiraten« zu schüren. Weiters ließ er anklingen, dass auch Kuwait ermutigt werden könnte, sich gegen Riad zu wenden, wobei er die Wahrnehmung der saudischen Annäherung an Israel ausnutzen könnte, um Propaganda gegen Riad zu verbreiten.

Der Tasnim-Bericht ließ auch die Möglichkeit nicht unausgesprochen, die Ölexporte aus Saudi-Arabien zu unterbrechen und die mit dem Iran verbündeten Huthis im Jemen zu neuen Angriffen zu ermutigen. Laut Angaben des Regimes gab es auch Gespräche mit irakischen Beamten, um den Saudis die Botschaften zu übermitteln, die iranfeindliche Medienberichterstattung einzustellen. Der Irak hat in der Vergangenheit immer wieder Gespräche zwischen Saudi-Arabien und dem Iran vermittelt.

Offensichtlich, so schließt Frantzman seine Analyse, ist das iranische Regime besorgt über die Proteste, sonst würde es nicht versuchen, die Berichterstattung ausländischer Medien zu unterdrücken und den Nachbarländern die Botschaft schicken, zu Vergeltungsmaßnahmen zu greifen, sollten diese Länder nicht den Vorstellungen Teherans gemäß agieren. 

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