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Iran-Deal: Mehr als nur eine Katastrophe?

Michael Wolffsohn sieht in der Absichtserklärung zwischen USA und Iran nicht nur eine Katastrophe
Michael Wolffsohn sieht in der Absichtserklärung zwischen USA und Iran nicht nur eine Katastrophe

Viele Beobachter sehen in der neuen Absichtserklärung zwischen den USA und dem Iran einen schweren Fehler. Historiker Michael Wolffsohn plädiert für eine differenzierte Betrachtung.

Die neue Absichtserklärung zwischen den USA und dem Iran wird von vielen Kommentatoren und Politikern als Katastrophe bezeichnet. Der Historiker und Publizist Michael Wolffsohn teilt in seinem Kommentar zwar zahlreiche Kritikpunkte, warnt jedoch vor einer ausschließlich negativen Bewertung.

Wolffsohn argumentiert, dass die jüngsten Entwicklungen auch strategische Chancen eröffnen könnten. Dabei verweist er zunächst auf die wirtschaftliche Dimension des Abkommens. Die vorgesehenen Investitionen und Wiederaufbauprogramme in Milliardenhöhe würden seiner Einschätzung nach vor allem amerikanischen Unternehmen zugutekommen. Gleichzeitig sieht er jedoch auch politische Aspekte, die differenzierter betrachtet werden müssten.

Im Mittelpunkt seiner Analyse steht die Frage der Sicherheit Israels. Zwar geht er davon aus, dass der Iran weiterhin an seinen nuklearen Ambitionen festhält, doch sei durch die jüngsten militärischen Entwicklungen Zeit gewonnen worden. Das angereicherte Uran befinde sich tief unter der Erde und könne bei entsprechenden Bewegungen jederzeit zum Ziel militärischer Maßnahmen werden. Entscheidend werde zudem sein, wie wirksam die internationale Kontrolle künftig ausgestaltet wird.

Internationale Politik ist keine Speisekarte

Ferner hält Wolffsohn es für möglich, dass die iranische Führung nach den schweren militärischen Rückschlägen der vergangenen Monate pragmatischer agieren könnte. Politik sei selten schwarz oder weiß, betont er. Selbst autoritäre Regime könnten unter dem Druck veränderter Rahmenbedingungen ihr Verhalten anpassen.

Auch das iranische Raketenprogramm müsse unter mehreren Aspekten betrachtet werden. Wolffsohn sieht hier ebenfalls zumindest einen zeitlichen Aufschub möglicher Bedrohungen. Die Hisbollah sei militärisch und politisch geschwächt, so Wolffsohn weiter. Im Libanon wachse der Widerstand gegen den Einfluss der schiitischen Miliz, während die Bevölkerung zunehmend unter den Folgen der regionalen Konflikte leide. Auch in Syrien hätten sich die strategischen Rahmenbedingungen verändert.

Besondere Bedeutung misst Wolffsohn den Entwicklungen in der arabischen Welt bei. Staaten wie Saudi-Arabien und die Vereinigten Arabischen Emirate hätten erkannt, dass sie in zentralen Sicherheitsfragen ähnliche Interessen wie Israel verfolgen. Die jüngsten Konflikte hätten diese Annäherung weiter verstärkt und zu einer Neuordnung regionaler Allianzen beigetragen.

Sein Fazit fällt daher differenziert aus: Das Abkommen sei keineswegs frei von Risiken und Problemen. Dennoch dürfe internationale Politik nicht nach dem Muster einer Speisekarte bewertet werden, bei der nur zwischen gut und schlecht unterschieden werde. Die Lage im Nahen Osten bleibe komplex – und gerade deshalb sei eine differenzierte Analyse notwendig.

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